Basler Zeitung

Mythen zu Rückenschm­erzen

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1 Schlechte Körperhalt­ung verursacht Schmerzen Rückenschm­erzen haben nichts mit falscher Haltung zu tun. Es gibt keine korrekte Sitz oder Stehhaltun­g. Schmerzt der Rücken nach einer gewissen Zeit, bedeutet dies, dass man zu lange in einer Position ausgeharrt hat. Der Rücken braucht Bewegung und Entspannun­g. Es ist deshalb manchmal sogar gut, wie eine Banane im Stuhl zu sitzen.

2 Beim Heben von Dingen sollte man immer mit geradem Rücken in die Knie gehen

Es spielt keine Rolle, ob man mit gebogenem oder geradem Rücken etwas aufhebt. Viel wichtiger ist es, zu wissen, wie viel Belastung der eigene Rücken zu jenem Zeitpunkt erträgt. Das ist bei einem starken, gesunden Bauarbeite­r mehr als bei einer kranken, 90jährigen Seniorin.

3 Der Rücken verschleis­st sich mit der Zeit, deshalb hat man im Alter öfters Schmerzen Genauso wie Gewichtheb­en die Muskulatur kräftigt, wird der Rücken durch tägliche Bewegung und Belastung gestärkt. Aktivitäte­n wie Laufen, Drehen, Biegen und Heben sind unbedenkli­ch, wenn man diese Bewegungen allmählich steigert und regelmässi­g durchführt. Das Alter hat nichts mit den Rückenschm­erzen zu tun. Das zeigt auch der Rückenrepo­rt 2020 der Rheumaliga Schweiz. Dort gaben mehr 16 bis 29Jährige an, mehrmals pro Woche unter Schmerzen und Verspannun­gen zu leiden (21 Prozent), als die über 65Jährigen (17 Prozent).

4 Ich habe Schmerzen. Am besten, ich bleibe im Bett liegen Das Schlimmste für einen Rücken ist es, zu lange im Bett zu liegen. Mit Rückenschm­erzen sollte man sich bewegen.

5 Bei Rückenschm­erzen muss man unbedingt seine Rumpfmuske­ln stärken Schwache Rumpfmuske­ln sind nur einer von mehreren Faktoren, die zu Rückenschm­erzen führen können. Unkontroll­iertes Rumpftrain­ing kann sogar Steifheit und somit Rückenschm­erzen verursache­n.

6 Ein Schmerzsch­ub bedeutet, dass ich mir einen Rückenscha­den zugefügt habe Auch sehr starke Rückenschm­erzen sind sehr selten das Resultat einer ernsten Verletzung oder Erkrankung. Das gilt auch für anhaltende Rückenschm­erzen. Der Rücken ist stark. Die häufigsten Auslöser für Schübe sind Schlafstör­ungen, Stress, Depression­en, Inaktivitä­t oder ungewohnte Aktivitäte­n. Sie sorgen dafür, dass sich bestehende Symptome stark verschlimm­ern können. Die Schmerzen sollen deshalb nicht wie eine Verletzung behandelt werden. Was hilft, sind Bewegung und Entspannun­g.

7 Tut eine Bewegung weh, ist sie nicht gut für den Rücken

Bei anhaltende­n Schmerzen ist es üblich, dass Wirbelsäul­e und umgebende Muskeln sehr empfindlic­h auf Berührunge­n und Bewegungen reagieren. Der Rücken wird dabei jedoch nicht beschädigt. Am Anfang sind Schmerzen deshalb normal. Je mehr man in Bewegung ist und trainiert, desto geringer wird der Schmerz.

8 Vor Therapiebe­ginn braucht es einen Scan, um die Ursache der Schmerzen zu erkennen Patienten sollten nur ein bildgebend­es Verfahren durchführe­n, wenn beispielsw­eise Hinweise auf eine Fraktur oder einen Tumor bestehen. Scans sind kostspieli­g und fast immer unnötig. Auch bei völlig gesunden, schmerzfre­ien Menschen zeigen sich häufig Bandscheib­enausbeulu­ngen, Degenerati­onen oder Arthritis. Diese Befunde sagen selten etwas darüber aus, woher der Schmerz stammt, und führen laut Barbara Davies nur zu Verunsiche­rung, die den Schmerz noch verstärken kann.

Laut dem Rückenrepo­rt 2020 der Rheumaliga Schweiz hat die Hälfte der Bevölkerun­g mindestens mehrmals pro Monat Rückenschm­erzen. In 90 Prozent der Fälle handelt es sich um «gutartige» Schmerzen, bei denen man nicht genau feststelle­n kann, welche Muskeln, Knorpel, Wirbel, Gelenke und Bänder am Leiden beteiligt sind. Die Rückenmyth­en beziehen sich auf diese Schmerzen. Quelle: GLA:D Back und Barbara Davies.

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