Ar­chi­tek­tur­fo­rum ist zehn Jah­re alt

Berner Oberlander - - Vorderseite -

Seit zehn Jah­ren will das Ar­chi­tek­tur­fo­rum Thun die Fach­welt und die Öf­fent­lich­keit für Städ­te­bau sen­si­bi­li­sie­ren.

Den Ver­ein Ar­chi­tek­tur­fo­rum gibt es seit zehn Jah­ren. Er will Fach­welt und Öf­fent­lich­keit für Städ­te­bau sen­si­bi­li­sie­ren. «Wir wol­len un­se­re Mei­nung und Hal­tung künf­tig mehr äus­sern», setzt sich Ver­eins­prä­si­dent Jo­han­nes Sau­rer zum Ziel. Wie kam es zum Ar­chi­tek­tur­fo­rum?

Jo­han­nes Sau­rer: Im Rah­men ei­ner Ver­wal­tungs­re­form schaff­te Thun 2002 den Stadt­bau­meis­ter ab, das fan­den wir nicht gut.

Wes­halb?

Die Zu­stän­dig­kei­ten für ge­stal­te­ri­sche An­lie­gen sind auf die zwei Di­rek­tio­nen Stadt­ent­wick­lung so­wie Bau und Lie­gen­schaf­ten ver­teilt. Das ist nicht ide­al. Es wür­de ei­ne Fach­per­son brau- chen, die das gros­se Gan­ze und nicht nur Ein­zel­be­rei­che und -in­ter­es­sen im Blick hat – eben den Stadt­bau­meis­ter. Die meis­ten Städ­te ha­ben ei­nen sol­chen . . .

. . . Sie wol­len al­so wie­der ei­nen?

Ja, das ist seit zehn Jah­ren un­se­re For­de­rung und un­ser Ziel. Ei­nen klei­nen Licht­blick gibt es: Das Pla­nungs­amt hat mit Flo­ri­an Küh­ne ei­nen neu­en Stadt­ar­chi­tek­ten. In ihn setz­ten wir ge­wis­se Hoff­nun­gen.

Zu­rück zum Fo­rum: Was ist Sinn und Zweck?

Wir woll­ten zu­sam­men­ste­hen und ei­ne Platt­form für Dis­kus­sio­nen mit Fach­leu­ten und der Öf­fent­lich­keit zu Ar­chi­tek­tur und Städ­te­bau schaf­fen. Das soll sen­si­bi­li­sie­ren, We­ge und Mög­lich­kei­ten in die­sem Be­reich auf­zei­gen.

Sie wol­len die Bau­kul­tur för­dern, was heisst das?

Es geht nicht ein­fach nur um ei­ne Fas­sa­de, son­dern et­wa auch dar­um, wie sich ein Neu­bau ins Um­feld ein­glie­dert, um sei­ne Funk­tio­na­li­tät, Qua­li­tät und Aus­strah­lung.

Die Le­bens­qua­li­tät der Be­woh­ner soll ver­bes­sert werden – was be­deu­tet das?

Sehr wich­tig ist nebst dem Ge­bäu­de auch der Aus­sen­raum. Er soll at­trak­tiv und mehr­fach nutz­bar sein, denn das schafft Frei­raum und be­lebt die Wohn­ge­mein­schaft, das Quar­tier oder die Stadt an sich. Sol­ches muss sich aus dem Ort her­aus ent­wi­ckeln kön­nen.

Ein The­ma ist im­mer auch der Ver­kehr . . .

. . . ja, in Thun gibt es zu viel mo­to­ri­sier­ten Ver­kehr, was zu Staus führt. Er muss ge­dros­selt werden.

Und wie?

Et­wa mit Tem­po-30-Zo­nen. Ge­gen­steu­er kann man auch mit gut nut­zungs­durch­misch­ten und durch­dach­ten Stadt­ge­bie­ten und Über­bau­un­gen ge­ben.

Was be­wirkt das?

Wenn ich in oder sehr na­he von mei­nem Wohn­quar­tier für den täg­li­chen Be­darf ein­kau­fen kann, muss ich viel we­ni­ger mit dem Au­to fah­ren. Das ent­las­tet die In­nen­stadt vom Ver­kehr, denn die Bus­ver­bin­dun­gen sind gut.

Ein Blick in die Zu­kunft des Fo­rums?

Der Stand­ort in der Hal­le 6 hat sich be­währt und wird bei­be­hal­ten. An The­men, die mit Ar­chi­tek­tur und Städ­te­bau zu­sam­men­hän­gen, fehlt es nicht. Wir hät­ten aber an den An­läs­sen ger­ne mehr Nicht-Fach­leu­te – al­so die brei­te Öf­fent­lich­keit. Und wir wol­len künf­tig un­se­re Mei­nung und Hal­tung mehr be­kannt ma­chen und nach aus­sen tra­gen.

In­ter­view: Nel­ly Kolb

Fo­to: Nel­ly Kolb

Im Ge­spräch: Ar­chi­tekt und Ver­eins­prä­si­dent Jo­han­nes Sau­rer blickt in sei­nem Bü­ro auf zehn Jah­re Ar­chi­tek­tur­fo­rum zu­rück.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.