Fünf am Tag? Sie­ben im Le­ben!

Berner Oberlander - - Region - m.gurt­ner@bom.ch

Schwarz. So muss er sein, fin­det mein Bü­ro-Gspän­li Ja­ni­ne. Und aus dem Bi­alet­ti-Mo­ka-Känn­chen. Das er­ge­be den per­fek­ten Kaf­fee, ist sie über­zeugt. Ich fin­de: Muss er gar nicht. We­der schwarz noch aus dem ge­nann­ten Känn­chen noch ir­gend­wie sonst. Ja, ich ou­te mich: Ich bin je­nes Re­dak­ti­ons­mit­glied, das – wie es Kol­le­gin Zürcher vor ei­ner Wo­che an die­ser Stel­le sa­lopp schrieb – «be­haup­tet», in sei­nem Le­ben die ex­ak­te An­zahl von sie­ben Tas­sen Kaf­fee ge­trun­ken zu ha­ben. Mit Ver­laub, lie­be Ja­ni­ne: Ich be­haup­te nicht. Es han­delt sich um ver­bürg­te Tat­sa­chen. Kei­ne Fa­ke News, kei­ne Ver­schwö­rungs­theo­ri­en. Nack­te Fakten. (Num­mer sie­ben hat­te mir üb­ri­gens ein wohl­mei­nen­der In­ter­view­part­ner schon ein­ge­schenkt, als ich bei ihm an­kam – da konn­te ich schlecht Nein sa­gen.)

Klar, ei­ne ge­rös­te­te Kaf­fee­boh­ne mag 800 Aro­ma­stof­fe ent­hal­ten. Mir ist bloss schlei­er­haft, wie et­was, das zu­ge­ge­be­ner­mas­sen der­art herr­lich duf­tet, im Gau­men dann so ganz und gar un­herr­lich schme­cken kann. Ich hö­re Sie auf­schrei­en, lie­be Kaf­fee­ge­nuss­ver­fech­te­rin­nen und -ver­fech­ter. Aber nichts da, mich werden Sie nicht be­keh­ren. Ich ha­be es ja ver­sucht. Sie­ben mal. Sei es mit viel Sah­ne, sei es mit viel Schnaps. Es funk­tio­nier­te nicht. Ich mag das Ge­bräu ein­fach nicht. (Wo­bei an­zu­mer­ken ist, dass der bes­te un­ter den sie­ben je­ner im – no­men est omen – Ca­fe Mok­ka war, den mir als jun­ger Schnö­sel ei­ne hüb­sche Be­die­nung auf­schwatz­te. Aber es ist auch denk­bar, dass das mehr mit der hüb­schen Be­die­nung als mit dem Kaf­fee zu tun hat­te...)

Für mei­ne Kaf­fee­ab­sti­nenz wur­de ich schon des öf­te­ren be­mit­lei­det. Oder ge­fragt, wie ich bloss oh­ne Kof­f­e­in­schub durch den Tag kom­me. Geht pro­blem­los, fin­de ich dann. Ich ken­ne es ja nicht an­ders. Und es hat durch­aus sei­ne Vor­tei­le, dem Ge­söff zu ent­sa­gen. So kann mir et­wa nicht pas­sie­ren, was zwei Her­ren – Va­ter und Sohn – wi­der­fuhr, über die ich kürz­lich ge­le­sen ha­be. Die hol­ten sich am Münch­ner Haupt­bahn­hof kurz vor der Ab­fahrt ih­res Zu­ges noch rasch ei­nen je­ner om­ni­prä­sen­ten Cof­fee-to-Go – und lies­sen prompt ih­re Um­hän­ge­ta­sche lie­gen. Mit 24 000 Eu­ro drin. Die wa­ren für ei­ne Ope­ra­ti­on des kran­ken Va­ters be­stimmt. (Zur all­ge­mei­nen Be­ru­hi­gung: Ja, ein ehr­li­cher Fin­der gab die Ta­sche ab, der Mann konn­te trotz Kaf­fee­de­ba­kel ope­riert werden.)

An­geb­lich ha­ben Ätho­pi­er einst die Wir­kung von Kof­f­e­in ent­deckt. Weil ih­re Scha­fe ganz fi­del wur­den, nach­dem sie Kaf­fee­boh­nen ge­fres­sen hat­ten. Ich fin­de: Man muss ja nicht al­les den Scha­fen nach­ma­chen. Des­halb set­ze ich der Lo­sung von Kol­le­gin Ja­ni­ne – «Fünf pro Tag!» – ent­ge­gen: Sie­ben pro Le­ben! Für Tas­se Num­mer acht füh­le ich mich je­den­falls noch nicht be­reit...

Micha­el Gurt­ner

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