Fast die Hälf­te der Wäh­ler ist noch un­ent­schie­den

Laut den Um­fra­gen werden so vie­le Par­tei­en wie noch nie ins baye­ri­sche Par­la­ment ein­zie­hen.

Berner Oberlander - - Ausland -

Bay­ern ist, was Flä­che und Be­völ­ke­rung an­geht, fast dop­pelt so gross wie die Schweiz: Je­der sechs­te Deut­sche lebt hier, ins­ge­samt 13 Mil­lio­nen Men­schen. Da­von sind 9,5 Mil­lio­nen am Sonn­tag zur Wahl des Land­tags auf­ge­ru­fen, des baye­ri­schen Par­la­ments.

Laut Um­fra­gen kön­nen sie­ben Par­tei­en ernst­haft mit dem Ein­zug in den Land­tag rech­nen oder lieb­äu­geln, so vie­le wie noch nie in der Nach­kriegs­ge­schich­te. Der seit 1957 un­un­ter­bro­chen re­gie­ren­den Christ­lich-So­zia­len Uni­on (CSU) werden schwe­re Ver­lus­te und das En­de der ab­so­lu­ten Mehr­heit vor­aus­ge­sagt, die sie, mit ei­nem Un­ter­bruch von 2008 bis 2013, seit 1962 be­sass.

Die Über­ra­schung des Wahl­kampfs sind die Grü­nen, die be­reits im Früh­som­mer die So­zi­al­de­mo­kra­ten als zweit­stärks­te Par­tei ab­ge­löst und seit­her ih­re Po­si­ti­on noch aus­ge­baut ha­ben. Der Hö­hen­flug des ju­gend­li­chen Spit­zen­du­os Kat­ha­ri­na Schul­ze und Lud­wig Hart­mann fällt mit den bun­des­wei­ten Um­fra­gen zu­sam­men, die den Grü­nen der­zeit Wer­te zwi­schen 15 und 18 Pro­zent be­schei­ni­gen.

Deut­lich un­ter den na­tio­na­len Wer­ten lie­gen in Bay­ern da­für so­wohl So­zi­al­de­mo­kra­ten wie Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD). In ge­wis­sen Um­fra­gen ran­giert die baye­ri­sche SPD mit 10 Pro­zent nur noch auf Platz 5. Die AfD, die in Bay­ern als be­son­ders ra­di­kal gilt, wird zwar erst­mals in den Land­tag ein­zie­hen, aber die ak­tu­el­len Spit­zen­wer­te aus dem Wes­ten (15 bis 18 Pro­zent) oder Os­ten des Lan­des (bis zu 27 Pro­zent) weit ver­feh­len.

Be­son­ders stark sind in Bay­ern die Frei­en Wäh­ler, ei­ne bür­ger­li­che Wäh­ler­ver­ei­ni­gung um den Volks­tri­bun Hu­bert Ai­wan­ger, der der CSU seit 2008 mit Ge­schick Wäh­ler ab­spens­tig macht.

Wie si­cher die Um­fra­gen das Re­sul­tat vor­aus­sa­gen, weiss nie­mand. Selbst kurz vor der Wahl er­klärt fast die Hälf­te der Be­frag­ten, dass ih­re Ent­schei­dung noch nicht si­cher sei. Ex­per­ten er­war­ten, dass die CSU am Wahl­tag bes­ser ab­schnei­den könn­te als in den Pro­gno­sen, die Grü­nen schwä­cher.

Wenn die Um­fra­gen nicht gänz­lich ir­ren, dürf­te die CSU nach der Wahl ei­nen Ko­ali­ti­ons­part­ner be­nö­ti­gen, um Bay­ern zu re­gie­ren. Po­li­tisch na­he­lie­gend wä­re ein Bünd­nis mit den Frei­en Wäh­lern so­wie, wenn es rech­ne­risch nö­tig ist und die Li­be­ra­len den Sprung ins Par­la­ment schaf­fen, mit der FDP. Al­ler­dings ist ei­ne Drei­er­ko­ali­ti­on für die CSU höchst un­at­trak­tiv, weil sie dann vie­le Mi­nis­te­ri­en ab­ge­ben müss­te. Des­we­gen könn­te sie sich al­len­falls doch zu ei­ner Ko­ali­ti­on mit den Grü­nen durch­rin­gen. Frei­lich sind die bei­den Par­tei­en bei ei­ni­gen The­men na­he­zu ge­gen­tei­li­ger Mei­nung. de

Gra­fik: brä / Quel­le: ZDF

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