Drei Punk­te und die Kunst des Ver­ges­sens

Berner Oberlander - - Sport -

Die SCL Ti­gers werden im­mer mehr zur Aus­wärts­macht. Das 2:0 beim Auf­stei­ger Rap­pers­wil-Jo­na La­kers war be­reits der vier­te Away-Sieg in Se­rie.

Die Kunst des Ver­ges­sens. Sie ist so wich­tig im Sport – und wohl sel­ten der­art zen­tral wie nach ei­ner Se­rie von Sie­gen. Ti­ger­sTrai­ner Heinz Eh­lers war nun al­so be­son­ders ge­for­dert, die­se Qua­li­tät auf sei­ne Spie­ler zu über­tra­gen, hat­ten die­se doch ei­ne be­ein­dru­cken­de und gera­de für Langnau­er Ver­hält­nis­se höchst un­ge­wöhn­li­che Er­folgs­se­rie hin­ter sich.

Ciac­ci­os zwei­ter Shu­tout

15:2 To­re und neun Punk­te aus den letz­ten drei Gast­spie­len fern der Il­fis, bei den drei Tra­di­ti­ons­clubs ZSC, Da­vos und Lu­ga­no no- ta­be­ne. Bes­ser geht für ei­nen Club, der sich nor­ma­ler­wei­se bes­ten­falls um den Trenn­strich her­um auf­hält, prak­tisch nicht.

Wer ge­gen das Esta­blish­ment der Li­ga so auf­trumpft, der muss sich auch ge­gen den Auf­stei­ger nicht ver­ste­cken. Die Ti­gers hat­ten sich die­se Tat­sa­che wohl wäh­rend der An­rei­se schon noch ein­mal in Er­in­ne­rung ge­ru­fen, ins ge­sun­de Selbst­ver­trau­en misch­te sich an­fäng­lich auch ei­ne Pri­se Non­cha­lance. Go­a­lie Da­mia­no Ciac­cio wur­de im Start­drit­tel im­mer wie­der ge­for­dert und wehr­te sich gut, ge­gen ei­nen ab­schluss­stär­ke­ren Wi­der­sa­cher wä­re die Null aber noch stär­ker ge­fähr­det ge­we­sen. Er­satz war üb­ri­gens nicht Ivars Pun­ne­novs, die Num­mer 74 fällt mit ei­ner Bein­ver­let­zung vor­der­hand aus, son­dern Da­mi­an Stett­ler, Jahr­gang 2001 und nor­ma­ler­wei­se Num­mer 2 bei den Eli­te-Ju­nio­ren. Ab dem Mit­tel­drit­tel kon­trol­lier­ten die Ti­gers das Ge­sche­hen dann aber im­mer mehr. «Es war si­cher nicht un­ser bes­tes Spiel», sag­te Cap­tain Pas­cal Ber­ger, «aber wir ha­ben im­mer ge­kämpft.»

Gera­de de­fen­siv stand der Gast fort­an so­lid. Ciac­cio liess sich be­reits den zwei­ten Shu­tout no­tie- ren, zu­pass kam den Em­men­ta­lern al­ler­dings auch ei­ne la­ten­te Harm­lo­sig­keit auf Sei­ten der Gast­ge­ber. Dass Trai­ner Jeff Tom­lin­son er­neut frei­wil­lig auf den frü­he­ren Langnau­er Schlüs­sel­spie­ler Sven Lin­de­mann ver­zich­te­te, ver­wun­der­te.

Raum für ei­ne Stei­ge­rung

Langnau brauch­te sich über Per­so­nal­dis­kus­sio­nen beim Geg­ner den Kopf nicht zu zer­bre­chen, am Schluss galt die De­vi­se: Pflicht er­füllt. Es sind ge­nau die­se Spie­le, die den Un­ter­schied zwi­schen ei­nem Team mit per­ma­nen­ten Leis­tungs­schwan­kun­gen und ei­nem se­riö­sen Play­off-Kan­di­da­ten aus­ma­chen. Ge­win­nen muss man, egal wie, und dass dies den Ti­gers vier­mal in Se­rie aus­wärts ge­lang, ist ver­mut­lich kein Zu­fall. So sieht es auch Ber­ger nach dem 2:0-Aus­wärts­sieg: «Wir spie­len ein­fach und ver­su­chen nicht, ei­ne Show aufs Eis zu zau­bern.»

Heu­te folgt mit dem Der­by ge­gen Bern die nächs­te Be­wäh­rungs­pro­be. Und er­neut ist die Kunst des Ver­ges­sens ge­fragt – auf dass die Heim­se­rie mit null Punk­ten aus drei Spie­len und 3:9 To­ren en­de. «Wir ha­ben ei­ni­ge Ma­le Punk­te ver­ge­ben, jetzt gilt es, auch ge­gen den SCB ein­fach zu spie­len», sag­te Ber­ger. Wie das Ka­nin­chen vor der Schlan­ge werden sie vor dem pro­mi­nen­ten Be­su­cher je­den­falls nicht er­zit­tern, schloss die Num­mer 19: «Die Ber­ner ko­chen auch nur mit Was­ser. Wir wis­sen, dass wir sie schla­gen kön­nen, aber da­zu braucht es von je­dem von uns ei­ne Top­leis­tung.» Raum für ei­ne Leis­tungs­stei­ge­rung, das wis­sen al­le, bleibt nach dem gest­ri­gen Abend. Ei­ne wei­te­re po­si­ti­ve Er­kennt­nis des Gast­spiels am Ober­see. Mar­co Kel­ler

Fo­to: Keysto­ne

Si­che­rer Wert: Ti­gers-Go­a­lie Da­mia­no Ciac­cio über­zeug­te.

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