Ein paar heis­se Tipps für ge­neig­te Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler

Berner Oberlander - - Region - gy­gaxt­hun@blu­e­win.ch re­dak­ti­on@bom.ch

Land­auf, land­ab ste­hen Wah­len an in den nächs­ten Wo­chen. Nicht nur im Bun­des­haus, auch in Thun, St­ef­fis­burg und an­ders­wo im Ober­land. Da mö­gen ein paar heis­se Tipps für ge­neig­te Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler nicht un­an­ge­bracht sein.

Kei­ne Ban­ge, ich mas­se mir nicht an, Ih­nen an­zu­ra­ten, ob Sie Lanz oder Zell­we­ger zum Stadt­prä­si­den­ten von Thun wäh­len sol­len. Ich emp­feh­le Ih­nen über­haupt nicht, wel­chen Kan­di­da­tin­nen, Kan­di­da­ten oder Par­tei­en Sie Ih­re Stim­me ge­ben sol­len. Im Ge­gen­teil, ich möch­te Sie viel­mehr zu ein paar Ge­dan­ken ein­la­den, wem Sie Ih­re Stim­me nicht ge­ben soll­ten.

Na­tür­lich sind die­se Tipps aus per­sön­li­cher Sicht und mit ei­nem ge­wis­sen Au­gen­zwin­kern ver­fasst. Man kann sie be­her­zi­gen oder auch nicht. Zu­grun­de lie­gen ih­nen aber ein paar ganz zen­tra­le Ei­gen­schaf­ten, neu­deutsch Key­po­ints, die ei­nen Po­li­ti­ker (die weib­li­che Form ist im gan­zen Text im­mer mit­ge­meint!) für ein öf­fent­li­ches Amt qua­li­fi­zie­ren oder eben nicht.

Ei­ni­ge die­ser Key­po­ints sind Glaub­wür­dig­keit statt Gel­tungs­sucht, Ta­ten statt Wor­te, Schaf­fer statt Sprü­che- klop­fer, Ef­fi­zi­enz­ori­en­tier­te statt Ef­fekt­ha­scher, Stand­haf­te statt Wind­fah­nen, Kl­ar­text statt Wi­schi­wa­schi, Ma­cher statt Ma­chos.

Wohl­an denn: Wäh­len Sie kei­ne Kan­di­da­ten (noch­mals: die weib­li­che Form ist im­mer mit­ge­meint), die auf al­le Fra­gen ei­ne Ant­wort und für je­des Pro­blem ei­ne Lö­sung auf der Zun­ge ha­ben. Sie pro­du­zie­ren nur war­me Luft, und da­von ha­ben wir in Zei­ten des Kli­ma­wan­dels schon ge­nug.

Wäh­len Sie kei­ne Kan­di­da­ten, die ih­re An­lie­gen stets in ei­nem laut­star­ken Wort­schwall her­aus­schwa­dro­nie­ren und bei je­dem zwei­ten Satz nicht wis­sen, wie sie ihn be­en­den wol­len, weil sie den An­fang schon ver­ges­sen ha­ben. Sie über­spie­len da­mit nur ih­re Un­fä­hig­keit, Ge­dan­ken ver­ständ­lich zu kom­mu­ni­zie­ren, weil auch ih­re Ge­dan­ken un­ver­ständ­lich sind. Gu­te Lö­sun­gen sind meist ein­fa­che Lö­sun­gen, und gu­te Lö­sun­gen kann man in ein­fa­chen Wor­ten for­mu­lie­ren.

Wäh­len Sie kei­ne Kan­di­da­ten, die bei je­der Ge­le­gen­heit be­to­nen, selbst­ver­ständ­lich kön­ne je­der­mann sei­ne ei­ge­ne an­de­re Mei­nung ha­ben und die­se auch ver­tre­ten. Die­ses Be­kennt­nis dau­ert oft nur bis zum Mo­ment, da die­se an­de­re Mei­nung ge­äus­sert wird. Manch­mal ge­nügt ein ein­zi­ger, aber halt un­an­ge­neh­mer, weil zu­tref­fen­der Satz, um die Ho­he­pries­ter der Mei­nungs­frei­heit die Fas­sung ver­lie­ren zu las­sen. Blos­se Lip­pen­be­kennt­nis­se sind kei­ne gu­te Ba­sis für gu­te Po­li­tik.

Wäh­len Sie kei­ne Kan­di­da­ten, de­ren Bild­li Sie aus den People-Re­por­ta­gen von je­der bes­se­ren Hunds­ver­lo­che­te be­reits bes­tens ken­nen. Ihr ef­fekt­voll dar­ge­stell­tes Ego mit dem Cü­pli in der Hand ist ih­nen wich­ti­ger als die po­li­ti­sche Kno­chen­ar­beit, die ef­fi­zi­en­te Schaf­fer im stil­len Käm­mer­lein leis­ten. Li­fe­re statt um­ela­fe­re gilt auch in der Po­li­tik.

Wäh­len Sie kei­ne Kan­di­da­ten von Klein­par­tei­en aus dem Wi­schi­wa­schiBe­reich, die oft nur der Selbst­dar­stel­lung ex­tro­ver­tier­ter Ex­po­nen­ten, ei­nem un­be­wäl­tig­ten Frust, blos­ser Po­litFolk­lo­re oder sek­tie­re­ri­schen Wel­t­an­schau­un­gen ent­sprun­gen sind. Ih­re Ein­zel­mas­ken oh­ne Frak­ti­on im Rü­cken ha­ben in Par­la­men­ten null Wir­kung und ver­puf­fen nur Ih­re Wäh­ler­stim­me.

Wäh­len Sie kei­ne Kan­di­da­ten, die sich mit dem ge­gen­wär­tig gras­sie­ren­den Gen­der­trend pro­fi­lie­ren wol­len. Dass Frau­en und Män­ner in Ge­sell­schaft und Po­li­tik ab­so­lut gleich­wer­tig und gleich­ge­wich­tig sind, ist für auf­ge­klär­te Zeit­ge­nos­sen des 21. Jahr­hun­derts so was von selbst­ver­ständ­lich, dass al­lein die Er­ör­te­rung dar­über ei­ne Be­lei­di­gung ist.

Wäh­len Sie kei­ne Kan­di­da­ten, de­ren Ver­bis­sen­heit Ih­nen schon aus dem Wahl­pro­spekt ent­ge­gen­blickt. Ein Schuss Hu­mor und ein Lä­cheln kön­nen auch in der Po­li­tik mehr be­wir­ken als Ei­fer und Gries­gram.

Und zum Schluss noch zwei ganz spe­zi­el­le Tipps (Au­gen­zwin­kern ein): Wäh­len Sie kei­ne Frau­en mit ex­trem ge­färb­ten Haa­ren, zum Bei­spiel hell­vio­lett oder gift­grün. Und wäh­len Sie kei­ne Män­ner, die ih­re Ge­sich­ter hin­ter Bär­ten ver­ste­cken müs­sen, auch wenn das ge­gen­wär­tig Mo­de ist und es ei­ner dem an­de­ren nach­äfft. Bei­de, die Grell­ge­färb­ten und die Ta­li­ban­be­haar­ten, si­gna­li­sie­ren doch bloss, dass ih­re Kern­kom­pe­ten­zen aus­ser­halb der Hirn­rin­de lie­gen. Und sol­che Po­li­ti­ker (Au­gen­zwin­kern aus) wol­len wir doch wirk­lich nicht!

Re­né E. Gy­gax war bis zu sei­ner Pen­sio­nie­rung 2011 lang­jäh­ri­ger Chef­re­dak­tor von «Thu­ner Tag­blatt» und «Ber­ner Ober­län­der». Er lebt in ei­nem ak­ti­ven Ru­he­stand in Thun.

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