Schloss­ber­gPar­king steht of­fen

Thun 1000 Ta­ge Bau­zeit, 400 Gäs­te, 1 neu­es Par­king, das de­fi­ni­tiv nicht 08/15 ist: Ges­tern wur­de das Par­king im Schloss­berg fei­er­lich er­öff­net. Mit Pau­ken und Trom­pe­ten, fro­her Kun­de in Sa­chen Kos­ten, ei­nem Wahl­kampf-Sei­ten­hieb und ei­ner Goe­the-Kor­rek­tur.

Berner Oberlander - - Vorderseite - Micha­el Gurt­ner

Thun Es war ein his­to­ri­scher Mo­ment für Thun: Ges­tern Abend wur­de das Par­king im Schloss­berg mit 400 ge­la­de­nen Gäs­ten und lau­ni­gen Re­den fei­er­lich er­öff­net. Ra­pha­el Lanz, Stadt­ober­haupt und Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent der Park­haus Thun AG, konn­te ver­kün­den, dass das Bau­werk mit 310 Park­plät­zen in acht stüt­zen­frei­en Park­ge­schos­sen nach der pro­vi­so­ri­schen Schluss­ab­rech­nung we­ni­ger ge­kos­tet hat als einst bud­ge­tiert – näm­lich 42,5 statt 44,4 Mil­lio­nen Fran­ken. Und be­ton­te: «Das Par­king ist nicht nur ei­ne Par­kier­an­la­ge, son­dern auch ei­ne wich­ti­ge Fuss­gän­ger­ver­bin­dung von der Haupt­gas­se in die Burg­stras­se und auf den Schloss­berg.» Mit der Er­öff­nung des Schloss­ber­gPar­kings ist der Ring mit vier Par­kier­an­la­gen rund um die In­nen­stadt kom­plett. Heu­te Sams­tag von 10 bis 18 Uhr steht der gros­se Tag der of­fe­nen Tür mit di­ver­sen At­trak­tio­nen für die gan­ze Be­völ­ke­rung an. Am Mon­tag um 9 Uhr wird das Par­king schliess­lich in Be­trieb ge­nom­men.

Nein, ein ganz ge­wöhn­li­ches Par­king ist es nicht. Ein ganz ge­wöhn­li­ches Par­king wür­de zum Bei­spiel kaum in den Berg di­rekt un­ter dem Wahr­zei­chen der Stadt ge­baut. Es wür­de sich da­rin auch be­stimmt kei­ne im­po­san­te, me­ter­lan­ge Schwar­zWeiss-Sil­hou­et­te der Stadt Thun mit Nie­sen und Stock­horn­ket­te im Hin­ter­grund fin­den. Und kei­ne 400-köp­fi­ge Gäs­te­schar mit al­lem, was in Thun Rang und Na­men hat, die just dort fei­er­lich di­niert, wo ab Mon­tag­mor­gen Au­tos par­kiert sein wer­den. Und so ist die­ser 9. No­vem­ber auch kein ganz ge­wöhn­li­cher Mo­ment in der Ge­schich­te der Stadt Thun. Wo­bei: Das Par­king mit­ten im Schloss­berg mit 310 Plät­zen auf acht Halb­ge­schos­sen und mit schmu­cken Lich­tern, die lee­re und be­setz­te Park­plät­ze in Grün be­zie­hungs­wei­se Rot an­zei­gen, mag top­mo­dern sein – zum Start der Er­öff­nungs­fei­er ist Tra­di­ti­on Trumpf. Ro­ter Tep­pich und hei­me­li­ger Ge­sang des Jod­ler­klubs Ober­ho­fen, der schon mal den rich­ti­gen Ton trifft. Ob das den Fe­st­red­nern auch ge­lingt?

1,9 Mil­lio­nen ge­spart

Nun, Stadt­prä­si­dent Ra­pha­el Lanz (SVP), der auch als Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent der Park­haus Thun AG am­tet, kann sich ei­nen Sei­ten­hieb in Sa­chen Wahl­kampf nicht ver­knei­fen. Er, der von sei­nem par­tei­lo­sen Her­aus­for­de­rer Mat­thi­as Zell­we­ger wie­der­holt als Ver­wal­ter ti­tu­liert wur­de, meint au­gen­zwin­kernd: Es sei ja schon er­staun­lich, was man mit so ein biss­chen Ver­wal­ten al­les be­werk­stel­li­gen kön­ne. Da­mit holt er sich die La­cher des Pu­bli­kums – und ei­nen Sze­nen­ap­plaus. Lanz be­grüsst in sei­ner Re­de ex­pli­zit auch die Velo­fah­ren­den so­wie die Fuss­gän­ge­rin­nen und Fuss­gän­ger. Und er be­tont: «Das Par­king ist nicht nur ei­ne Par­kier­an­la­ge, son­dern auch ei­ne wich­ti­ge Fuss­gän­ger­ver­bin­dung von der Haupt­gas­se in die Burg­stras­se und auf den Schloss­berg.» Ei­ne fro­he Kun­de hält der Sta­pi in Sa­chen Kos­ten be­reit. Der Kos­ten­vor­an­schlag des Par­kings ha­be bei 44,4 Mil­lio­nen Fran­ken ge­le­gen, die pro­vi­so­ri­sche Schluss­ab­rech­nung wei­se Aus­ga­ben von 42,5 Mil­lio­nen aus – was al­le wi­der­le­ge, die stets mo­niert hät­ten: «Das wird so­wie­so teu­rer!» Schon Goe­the ha­be ge­sagt, Er­folg ha­be drei Buch­sta­ben: Tun. «Aber da­mals

«Es ist schon er­staun­lich, was man mit so ein biss­chen Ver­wal­ten al­les ‹hä­re­bringt›.»

Stadt­prä­si­dent Ra­pha­el Lanz mit ei­nem Sei­ten­hieb in Sa­chen Wahl­kampf

gab es die neue Recht­schrei­bung noch nicht. Heu­te hat Er­folg vier Buch­sta­ben!»

Beat Aesch­ba­cher, Pro­jekt­lei­ter der Bau­herr­schaft, sagt der­weil: «Das Ba­by ist ge­bo­ren, wenn auch erst nach neun Jah­ren.» Für ein sol­ches Pro­jekt sei dies al­ler­dings ei­ne nor­ma­le Ge­burt. Jürg Pfluger, Pro­jekt­lei­ter der Ar­beits­ge­mein­schaft Ar­ge Mar­ti Schloss­berg, blickt auf die Bau­zeit zu­rück und nennt er­staun­li­che Zah­len und Fak­ten – zum Bei­spiel: «Die ver­leg­ten Ka­bel rei­chen et­wa zwei­mal um den gan­zen Thu­n­er­see.» Und Andreas W. Mau­rer, sei­nes Zei­chens Ge­schäfts­lei­ter der Park­haus Thun AG, zi­tiert den Satz aus der Bi­bel, dass der Glau­be Ber­ge ver­set­zen kön­ne – auch wenn hier der Berg nicht neu plat­ziert, son­dern le­dig­lich aus­ge­höhlt wur­de.

Um 18.37 Uhr ist es so weit

Schliess­lich ist es Punkt 18.37 Uhr, als Lanz, Mau­rer und Mar­ti-CEO Pe­ter Blätt­ler das Band am Par­king­ein­gang durch­schnei­den und das Bau­werk so of­fi­zi­ell er­öff­nen – zu Trom­mel­wir­beln der Tam­bou­ren des Ka­det­ten­corps. Und wäh­rend der Mu­sik­ver­ein Thun auf­spielt, ver­schiebt sich die Gäs­te­schar in Rich­tung nächst­un­te­res Park­ge­schoss zum Fest­schmaus mit­ten im Thu­ner Schloss­berg. Nein, es ist kein ganz ge­wöhn­li­ches Par­king. Da­von kann sich heu­te Sams­tag von 10 bis 18 Uhr die ge­sam­te Be­völ­ke­rung am gros­sen Tag der of­fe­nen Tür über­zeu­gen.

Fo­tos: Patric Spah­ni

Im neu­en Par­king mit der Sil­hou­et­te von Thun als De­ko-Ele­ment: Die Ver­ant­wort­li­chen sa­gen am Er­öff­nungs­an­lass «Dan­ke».

Fest­schmaus im Park­ge­schoss.

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