Die De­mo­kra­ten kämp­fen sich zu­rück ins Trump-Ge­biet

USA Die Op­po­si­ti­on hat bei den Zwi­schen­wah­len stär­ker zu­ge­legt, als vie­le zu­nächst dach­ten. Sie tat es auch im Mitt­le­ren Wes­ten – dort, wo sich er­neut die Prä­si­dent­schafts­wahl ent­schei­den könn­te.

Berner Oberlander - - Ausland - Alan Cas­sidy, De­mo­kra­ten Re­pu­bli­ka­ner Was Was wä­re, wä­re, wenn wenn bei bei den den Zwi­schen­wah­len Zwi­schen­wah­len auch auch der der US-Prä­si­dent US-Prä­si­dent ge­wählt ge­wählt wor­den wor­den wä­re? wä­re?

Wah­len wer­den meist zwei­mal ent­schie­den. Zu­erst an der Ur­ne. Und dann in den Fern­seh­stu­di­os: War es ein gros­ser Sieg, ei­ne gros­se Nie­der­la­ge – oder doch et­was da­zwi­schen? Noch wäh­rend der Wahl­nacht vom Di­ens­tag, die mit ei­ner Ab­wahl ei­nes de­mo­kra­ti­schen Se­na­tors be­gann, schäl­te sich ei­ne Er­zäh­lung her­aus, die et­wa lau­te­te: Die De­mo­kra­ten ha­ben zwar das Re­prä­sen­tan­ten­haus er­obert, aber ziem­lich glück­lich. Es gibt kei­ne «blaue Wel­le». Als Do­nald Trump sich und sei­ne Re­pu­bli­ka­ner tags dar­auf zu den wah­ren Sie­gern aus­rief, wur­de die­se Er­zäh­lung von er­staun­lich vie­len Leu­ten über­nom­men.

Ein de­fi­ni­ti­ves Er­geb­nis gibt es im­mer noch nicht, die Aus­zäh­lung der brief­li­chen Stim­men dau­ert in meh­re­ren Bun­des­staa­ten an. Doch je mehr Re­sul­ta­te ein­tref­fen, des­to kla­rer wird: Die ers­te Er­zäh­lung war falsch. Die «blaue Wel­le» ist re­al – und die Mid­terms wer­den sehr wohl mit ei­nem deut­li­chen Sieg der De­mo­kra­ten en­den. Bis zu 40 Sit­ze wird die Op­po­si­ti­on im Re­prä­sen­tan­ten­haus er­obern, so vie­le wie nie mehr seit dem Wa­ter­ga­te-Skan­dal. Lan­des­weit er­hiel­ten die De­mo­kra­ten rund 7 Pro­zent mehr Stim­men als die Re­pu­bli­ka­ner. Und selbst im Se­nat, wo ein Sieg der Op­po­si­ti­on auf­grund der Aus­gangs­la­ge im­mer un­wahr­schein­lich war, wird es nun wohl bei net­to zwei Sitz­ver­lus­ten blei­ben.

Die Rück­kehr der Weis­sen

Für die Re­pu­bli­ka­ner sind da­bei zwei Ent­wick­lun­gen be­son­ders schmerz­haft. Ers­tens hat sich ei­ne ih­rer tra­di­tio­nel­len Wäh­ler­schaf­ten, die wohl­ha­ben­den, gut aus­ge­bil­de­ten Be­woh­ner in den Vor­städ­ten, von der Par­tei ab­ge­wandt. In man­chen Ge­gen­den, zum Bei­spiel im lan­ge kon­ser­va­ti­ven Vir­gi­nia und wahr­schein­lich auch in der ka­li­for­ni­schen Re­pu­bli­ka­ner­hoch­burg Oran­ge Coun­ty, ge­schah dies gar auf dra­ma­ti­sche Wei­se.

Die zwei­te Ent­wick­lung, die bis­her we­ni­ger Be­ach­tung fand: Die Re­pu­bli­ka­ner ver­lo­ren nicht nur an den Küs­ten und im Um­feld der gros­sen Städ­te, son­dern auch in je­nen Staa­ten, die Trump 2016 den Ein­zug ins Weis­se Haus er­mög­lich­ten – in den Staa­ten des Mitt­le­ren Wes­tens.

Das be­trifft ne­ben den Sit­zen im Re­prä­sen­tan­ten­haus auch die vie­ler­orts ab­ge­hal­te­nen Gou­ver­neurs­wah­len. In ei­ner Rei­he von Staa­ten – in Wis­con­sin, Il­li­nois, Mi­chi­gan und selbst im tief­ro­ten Kan­sas – ge­lang es den De­mo­kra­ten, Gou­ver­neurs­sit­ze von den Re­pu­bli­ka­nern zu er­obern. In Penn­syl­va­nia, ei­nem an­de­ren Batt­le­ground Sta­te, dis­tan­zier­te der de­mo­kra­ti­sche Gou­ver­neur sei­nen Kon­kur­ren­ten dis­kus­si­ons­los. Auch die Re­pu­bli­ka­ner fuh­ren im Mitt­le­ren Wes­ten ei­ni­ge Sie­ge ein: In Ohio ge­wan­nen sie die Gou­ver­neurs­wahl eben­so wie in Io­wa. Doch ins­ge­samt fällt die Bi­lanz für die De­mo­kra­ten po­si­ti­ver aus, ge­ra­de

Si­che­re Sit­ze (225)

An­zahl Wahl­män­ner

Wahr­schein­li­che Sit­ze (4) an­ge­sichts der boo­men­den Wirt­schaft, von der sonst die re­gie­ren­de Par­tei pro­fi­tiert.

All dies hat mög­li­cher­wei­se Fol­gen für die nächs­te Prä­si­dent­schafts­wahl. Trump be­sieg­te 2016 Hil­la­ry Cl­in­ton, weil er sich die Wahl in Wis­con­sin, Mi­chi­gan und Penn­syl­va­nia hauch­dünn si­cher­te. Da­mit kam er im Elec­to­ral Col­le­ge, dem Wahl­män­ner­sys­tem, auf 46 ent­schei­den­de Stim­men. Der Da­ten­jour­na­list Na­te Sil­ver hat nun im On­li­ne­ma­ga­zin «Fi­ve Thir­ty Eight» nach­ge­zeich­net, dass – wenn man die in den Mid­terms fürs Re­prä­sen­tan­ten­haus ab­ge­ge­be­nen Stim­men in den ein­zel­nen Bun­des­staa­ten zu­sam­men­zählt – die­se Wahl­män­ner den De­mo­kra­ten zu­fal­len wür­den. Da­mit kä­men die­se theo­re­tisch auf die nö­ti­ge Mehr­heit im Elec­to­ral Col­le­ge.

Das ist na­tür­lich ei­ne Spie­le­rei. Nie­mand weiss, wie die po­li­ti­sche La­ge in zwei Jah­ren aus­se­hen wird, und noch ist völ­lig un­klar, wer bei den De­mo­kra­ten Trump 2020 her­aus­for­dern wird. Zu­dem stand in den Zwi­schen­wah­len nicht der Prä­si­dent selbst auf dem Wahl­zet­tel, son­dern des­sen Par­tei. Und doch: Den De­mo­kra­ten macht Hoff­nung, dass

Si­che­re Sit­ze (197) es ih­nen die­se Wo­che ge­lun­gen ist, be­stimm­te Wäh­ler zu­rück­zu­ge­win­nen. Vor al­lem: weis­se Wäh­ler. Laut ei­ner Ana­ly­se des Thinktanks Broo­kings hat sich der Vor­sprung, den die Re­pu­bli­ka­ner bei Weis­sen ge­nies­sen, im Ver­gleich zu 2016 hal­biert. Be­son­ders weis­se Frau­en mit Col­le­ge-Aus­bil­dung wand­ten sich bei die­sen Wah­len ver­stärkt den De­mo­kra­ten zu.

Mo­de­rat ge­winnt

Die Bil­dungs­kluft wächst: Das ist ei­ne wei­te­re Er­kennt­nis aus den Zwi­schen­wah­len. Man sieht das be­son­ders dar­an, wie gross die Un­ter­stüt­zung bei den we­ni­ger gut aus­ge­bil­de­ten, weis­sen Män­nern nach wie vor ist, de­nen Trump sei­ne Wahl ver­dankt. Die­se Stim­men sind in den Swing Sta­tes des Mitt­le­ren Wes­tens ent­schei­dend. Bei den De­mo­kra­ten gibt es des­halb Stim­men, die sa­gen, nur ein weis­ser Mann kön­ne Trump nächs­tes Mal schla­gen. Ei­ner von ih­nen ist Micha­el Aven­at­ti, der als Ver­tre­ter der Por­no­dar­stel­le­rin Stor­my Da­ni­els be­kannt ge­wor­de­ne An­walt, der 2020 selbst an­tre­ten will.

Wich­ti­ger als die Haut­far­be oder das Ge­schlecht wird viel­leicht

Wahr­schein­li­che Sit­ze (9) die Fra­ge, wo sich Trumps Her­aus­for­de­rer po­li­tisch ver­or­tet – und wel­chen Kurs er da­mit für die De­mo­kra­ten als Gan­zes setzt. Durch­ge­setzt ha­ben sich in den Mid­terms vie­ler­orts Kan­di­da­ten, die nicht am lin­ken Par­tei­flü­gel po­li­ti­sie­ren, son­dern nä­her an der Mit­te.

Die jun­ge Ab­ge­ord­ne­te Alex­an­dria Oca­sio-Cor­tez, die zu­letzt zu ei­nem Lieb­ling der Pro­gres­si­ven wur­de, taugt des­halb nur be­dingt zum Sym­bol für die­se Mid­terms. Ih­re Leis­tung be­stand da­rin, in der par­tei­in­ter­nen Vor­wahl ei­nen Esta­blish­ment­geg­ner zu ver­drän­gen. Die ei­gent­li­che Wahl am Di­ens­tag war in ih­rem tief­de­mo­kra­ti­schen Wahl­kreis in New York dann nur noch Form­sa­che. An­de­ren­orts schnit­ten vie­le be­tont lin­ke De­mo­kra­ten eher schlecht ab.

Was heisst das al­les für Trump? Auch an­de­re Prä­si­den­ten ver­lo­ren ih­re ers­te Zwi­schen­wahl deut­lich. Das war bei Ro­nald Rea­gan so, bei Bill Cl­in­ton und bei Ba­rack Oba­ma. Al­le ge­wan­nen sie dann ih­re Wie­der­wahl lo­cker. Doch wenn sich bei Trump ei­nes ge­zeigt hat, dann dies: Ant­wor­ten lie­fern his­to­ri­sche Ver­glei­che nur sel­ten.

Trump wit­tert Wahl­be­trug

An­ge­sichts des äus­serst knap­pen Ren­nens zwi­schen dem re­pu­bli­ka­ni­schen und dem de­mo­kra­ti­schen Se­nats-Kan­di­da­ten im Bun­des­staat Flo­ri­da hat Prä­si­dent Do­nald Trump auf Twit­ter den Vor­wurf des Wahl­be­trugs er­ho­ben. Im Ver­lauf der Aus­zäh­lung war der Vor­sprung des re­pu­bli­ka­ni­schen Kan­di­da­ten ge­gen­über dem De­mo­kra­ten auf 0,22 Pro­zent der Stim­men ge­schrumpft. Das Ge­setz in Flo­ri­da ver­langt ei­ne er­neu­te Aus­zäh­lung, falls der Ab­stand we­ni­ger als

0,5 Pro­zent be­trägt. Der re­pu­bli­ka­ni­sche Kan­di­dat hat ge­gen Ver­tre­ter der Wahl­be­hör­de Kla­ge ein­ge­reicht. Er geht von Be­trug aus.

Ein en­ges Ren­nen um den Se­nats-Pos­ten fin­det auch in Ari­zo­na statt. In­zwi­schen liegt über­ra­schend die de­mo­kra­ti­sche Kan­di­da­tin in Füh­rung.

Bei den Zwi­schen­wah­len am Di­ens­tag hat­ten die op­po­si­tio­nel­len De­mo­kra­ten zwar die Mehr­heit im Re­prä­sen­tan­ten­haus er­obert. Im Se­nat dürf­ten die Re­pu­bli­ka­ner aber ih­re Mehr­heit hal­ten – un­ab­hän­gig vom Re­sul­tat in Flo­ri­da und Ari­zo­na. Al­ler­dings ist noch un­klar, wie stark die­se aus­fällt.

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