BKW trennt sich von Hans Grun­der im Streit

Eklat BDP-Na­tio­nal­rat Hans Grun­der ver­kauf­te letz­tes Jahr die An­tei­le sei­ner Ver­mes­sungs­fir­ma an die BKW, blieb im Un­ter­neh­men aber ope­ra­tiv tä­tig. Nun hat der Ber­ner Strom­kon­zern den eins­ti­gen Fir­men­grün­der nach ei­nem Kon­flikt vor die Tür ge­setzt.

Berner Oberlander - - Vorderseite - Phil­ip­pe Mül­ler Ju­li­an Wit­schi

Bern Ein­ein­halb Jah­re nach­dem die BKW die Grun­der In­ge­nieu­re AG über­nom­men hat, schei­det de­ren Grün­der Hans Grun­der un­frei­wil­lig aus.

Es ist noch nicht lan­ge her, da schie­nen al­le zu­frie­den und ge­eint. Al­le spra­chen von ei­ner Win-win-Si­tua­ti­on. Das war En­de April 2017. So­eben hat­te die BKW die auf Ver­mes­sun­gen spe­zia­li­sier­te Grun­der In­ge­nieu­re AG mit Sitz in Burg­dorf, Frau­brun­nen, Lan­gen­thal und Rüegsau­scha­chen über­nom­men. Spek­ta­ku­lär – und zu­gleich hei­kel – war die Über­nah­me nicht zu­letzt des­halb, weil hin­ter der Grun­der-Grup­pe BDP-Na­tio­nal­rat Hans Grun­der steht und die BKW von des­sen Na­tio­nal­rats­und Par­tei­kol­le­gen Urs Ga­sche prä­si­diert wird. Bei­de be­kräf­tig­ten mehr­mals, dass das je­doch kein Deal un­ter Par­tei­freun­den ge­we­sen sei, son­dern die Grun­der-Fir­men per­fekt ins Port­fo­lio der BKW pass­ten. Grun­der zeig­te sich über­zeugt, dass sich un­ter dem Dach der BKW gros­se Ent­fal­tungs­mög­lich­kei­ten bie­ten wür­den.

Ent­fal­tet hat sich in der Zwi­schen­zeit aber vor al­lem ei­nes: Span­nun­gen. Span­nun­gen, die zu­letzt in ei­nem ve­ri­ta­blen Streit gip­fel­ten und ein pro­mi­nen­tes Op­fer for­der­ten: Die BKW setzt Hans Grun­der vor die Tür. Dies ha­ben Re­cher­chen die­ser Zei­tung er­ge­ben. Grun­der sel­ber äus­sert sich nicht zu den Vor­fäl­len, er liess meh­re­re An­fra­gen un­be­ant­wor­tet.

Auch Grund­ers Sohn geht

Vie­le De­tails für das Zer­würf­nis sind nicht be­kannt. Aus Ge­sprä­chen mit Per­so­nen aus dem Um­feld der be­tei­lig­ten Fir­men kris­tal­li­siert sich aber fol­gen­des gro­bes Bild her­aus: Hans Grun­der und Micha­el Schüepp, Lei­ter der Ab­tei­lung En­gi­nee­ring bei der BKW, hat­ten das Heu of­fen­bar von An­fang an nicht auf der­sel­ben Büh­ne. Grun­der war nach wie vor als Ver­wal­tungs­rat und Ge­schäfts­lei­tungs­mit­glied der Grun­der In­ge­nieu­re AG tä­tig und hat in die­sen Funk­tio­nen fir­men­ei­ge­ne Pro­jek­te vor­an­ge­trie­ben.

An ei­nem von die­sen Vor­ha­ben soll sich dann der letz­te hef­ti­ge Streit ent­zün­det ha­ben. Grund­ers Vi­si­on war es, die gan­ze Schweiz mil­li­me­ter­ge­nau zu ver­mes­sen. Und zwar nach dem Vor­bild von Goog­le, mit Ka­me­ras auf Au­tos und auf Ruck­sä­cken von Fuss­gän­gern. Nur soll­te das Er­geb­nis eben viel ge­nau­er sein als je­nes des In­ter­net­gi­gan­ten. Die Da­ten für den Kan­ton Bern wa­ren dem Ver­neh­men nach schon im Kas­ten, da­nach soll Schüepp das Pro­jekt plötz­lich ge­stoppt ha­ben. Die Fron­ten wa­ren nun end­gül­tig ver­här­tet. Die BKW teil­te Grun­der mit, dass man künf­tig auf ei­ne Zu­sam­men­ar­beit ver­zich­te.

Es dürf­te Grun­der emo­tio­nal be­schäf­ti­gen, dass ihm künf­tig der Zu­tritt zu sei­nem Le­bens­werk ver­wehrt bleibt. Fi­nan­zi­ell dürf­te er es aber ver­kraf­ten, da er für sei­ne Fir­men­an­tei­le ver­mut­lich Mil­lio­nen er­hal­ten hat. Für die BKW birgt die Tren­nung von Grun­der die ei­ne oder an­de­re Denk­sport­auf­ga­be. So muss sie die­sen Schritt den rund sech­zig Ber­ner Ge­mein­den er­klä­ren, in de­nen Grun­der im­mer noch per­sön­lich ge­wähl­ter Geo­me­ter ist und für Ge­mein­de­ver­mes­sung ver­ant­wort­lich zeich­net.

Nicht nur Hans Grun­der muss sei­ne Fir­men­grup­pe ver­las­sen. Zur Kün­di­gung per En­de Jahr auf­ge­for­dert wur­de auch sein äl­tes­ter Sohn, der erst seit rund ei­nem hal­ben Jahr im Un­ter­neh­men tä­tig ist. Auch die­ser Ab­gang ist dem Ver­neh­men nach dem Grun­der-Schüepp-Kon­flikt ge­schul­det.

BKW: «Nor­ma­ler Vor­gang»

Die BKW äus­sert sich nicht zum Kon­flikt. Das sei­en Ge­rüch­te, sagt BKW-Spre­cher To­bi­as Fäss­ler. Es sei aber kor­rekt, dass sich Hans Grun­der per En­de März 2019 aus dem ope­ra­ti­ven Ge­schäft wie auch aus dem Ver­wal­tungs­rat der Grun­der-Grup­pe zu­rück­zie­he. «Das ist ein nor­ma­ler Vor­gang. Er wird bis dann den Über­gang wäh­rend zwei­er Jah­re be­glei­tet ha­ben», er­gänzt Fäss­ler.

Die Füh­rung der Grun­d­erG­rup­pe wer­de nun von sei­nen lang­jäh­ri­gen Part­nern in der Ge­schäfts­lei­tung in ge­wohn­ter Art wei­ter­ge­führt. Die Fir­ma ist ein Aus­hän­ge­schild im En­gi­nee­ring der BKW, dem Ge­schäft mit Pla­nung und Ver­mes­sung von Bau­pro­jek­ten und In­fra­struk­tu­ren. Die BKW ist hier in den letz­ten Jah­ren mit vie­len wei­te­ren Über­nah­men stark ge­wach­sen.

Dass der Pa­tron ei­ner Fir­ma nur ein­ein­halb Jah­re nach der Über­nah­me ge­hen muss, ist ei­ne Pre­mie­re. Denn BKW-Kon­zern­che­fin Su­zan­ne Tho­ma setzt bei ih­rer Ein­kaufs­tour dar­auf, dass bei den über­nom­me­nen Fir­men die Ge­schäfts­lei­ter blei­ben. Ei­ner­seits we­gen der gros­sen Zahl von ge­gen sieb­zig ge­kauf­ten Fir­men in al­len Ge­schäfts­fel­dern in den letz­ten fünf Jah­ren. An­de­rer­seits sol­len die Un­ter­neh­men re­gio­nal ver­an­kert blei­ben, wei­ter­hin un­ter ih­ren Mar­ken­na­men auf­tre­ten und Ver­ant­wor­tung tra­gen für ih­re Pro­jek­te. Da­bei geht es dar­um, Fach­wis­sen im Un­ter­neh­men zu hal­ten, und um Kun­den­bin­dung. Der Grat ist aber stei­nig und schmal

«Die Nach­fol­ge ist auf­ge­gleist.»

To­bi­as Fäss­ler, BKW

zwi­schen Ei­gen­ver­ant­wor­tung in den ein­zel­nen Toch­ter­ge­sell­schaf­ten und stra­te­gi­schen Vor­ga­ben aus der Kon­zern­zen­tra­le zur Nut­zung von Sy­ner­gi­en.

Bei der Grun­der In­ge­nieu­re AG wird nun be­fürch­tet, dass viel Fach­kom­pe­tenz ver­lo­ren geht. Hans Grun­der setz­te in sei­ner Grup­pe seit je auf In­no­va­ti­on. So war das Un­ter­neh­men 1989 das ers­te Schwei­zer In­ge­nieur­bü­ro, wel­ches das Sa­tel­li­ten­po­si­tio­nie­rungs­sys­tem GPS ein­setz­te. Die BKW pries die Grup­pe bei der Über­nah­me denn auch als eu­ro­pa­weit tech­no­lo­gisch füh­rend an, zum Bei­spiel we­gen ih­res 3D Mo­bi­le Map­ping und des La­ser­scan­ning.

Grun­der sag­te bei der Über­nah­me in ei­nem In­ter­view mit die­ser Zei­tung, er blei­be vor­läu­fig im Ver­wal­tungs­rat und in der Ge­schäfts­lei­tung. Er wer­de aber «suk­zes­si­ve mehr be­ra­tungs­mäs­si­ge Funk­tio­nen über­neh­men und we­ni­ger ope­ra­tiv tä­tig sein». Nun kommt es für den 62-Jäh­ri­gen zum ver­früh­ten, voll­stän­di­gen Bruch mit sei­ner Fir­ma.

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