Klei­ne Psy­cho­lo­gie der Wah­len

Berner Oberlander - - Region -

Be­kannt­lich sind die Thu­ner Wah­len längst Ge­schich­te. Der al­te Stadt­prä­si­dent ist auch der neue, die Grü­nen zie­hen erst­mals in die Re­gie­rung ein – und auch im Stadt­rat ste­hen die Zei­chen auf Grün (so wie sich das ja in ei­ner rich­ti­gen Schwei­zer Stadt ge­hört…).

Die­ser Er­folg – und al­le an­de­ren Re­sul­ta­te – war aber ei­gent­lich schon lan­ge vor den Wah­len klar. Sie lies­sen sich an den «Gi­ve­aways» der Kan­di­da­tin­nen und Kan­di­da­ten am Mä­rit im Bäl­liz ab­le­sen. So ver­teil­te Andrea de Meu­ron Holz­blei­stif­te, auf de­ren Spit­ze ein Auf­satz mit viel­sa­gen­dem In­halt thron­te: Kirsch­toma­ten­sa­men. Hier kann man al­so mit Fug be­haup­ten, dass die Saat präch­tig auf­ge­gan­gen ist.

Sta­pi Ra­pha­el Lanz brach­te Na­stüech­li mit dem Auf­druck sei­nes Kon­ter­feis un­ter die Leu­te. Um sich die Freu­den­trä­nen nach er­folg­ter Wie­der­wahl aus dem Ge­sicht zu wi­schen? Oder um die Kro­ko­dils­trä­nen an­ge­sichts der nur 62,7 Pro­zent al­ler Stim­men zu ver­ber­gen? Lanz­Her­aus­for­de­rer Mat­thi­as Zell­we­gers Wahl­kampf­ak­tio­nen (37,3 Pro­zent) ga­ben auch Rät­sel auf. Er par­kier­te et­wa ei­nen Old­ti­mer im Bäl­liz. Was er uns da­mit sa­gen woll­te?

Dass der am­tie­ren­de Ge­mein­de­rat ein Aus­lauf­mo­dell ist? Dass des­sen Aus­puff – par­don, Out­put – be­denk­lich stot­tert?

Die FDP bot Lip­pen­po­ma­de (ge­gen sprö­de Po­li­tik?) und Plas­tik­son­nen­bril­len mit dem Auf­druck «Durch­blick» an. Ob­wohl die Aus­sich­ten von al­lem An­fang an sehr trüb wa­ren – was sich dann auch be­stä­tig­te. Wa­ckel­kan­di­dat Kon­rad Hä­de­ner von der CVP ver­teil­te fol­ge­rich­tig Trau­ben­zu­cker (Durch­hal­ten!) und Jass­kar­ten – rich­tig ge­zockt.

Chan­cen­los blieb hin­ge­gen die SP bei der Ver­tei­di­gung ih­res zwei­ten Ge­mein­de­rats­sit­zes. Da hel­fen die bun­ten Gum­mi­bär­li, mit wel­chen die Par­tei um Stim­men buhl­te, le­dig­lich als Trös­ter­li nach der Wahl­nie­der­la­ge.

We­nig Wahl­glück war auch der BDP be­schie­den, wel­che sich im heis­sen Thu­ner Po­lit­som­mer ja heil­los zer­stit­ten hat­te: «Mit­ten­drin und grad­li­nig» war auf dem Wahl­ge­schenk der BDP zu le­sen. Ei­nem Li­ne­al. Aus Kunst­stoff – und des­halb lo­cker ver­bieg­bar.

Al­les in al­lem ist es pri­ma, dass der Wahl­kampf nun lan­ge vor­bei ist – auf dass die Ge­wähl­ten an ih­ren Ta­ten ge­mes­sen wer­den kön­nen.

Ste­fan Geiss­büh­ler

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