Voll­zug wird nicht ge­lo­ckert

Bun­des­ge­richt Kei­ne Voll­zugs­lo­cke­run­gen für Haupt­tä­ter im Mord von Un­ter­se­en.

Berner Oberlander - - Vorderseite -

Bun­des­ge­richt Kei­ne Voll­zugs­lo­cke­run­gen für den Haupt­tä­ter im Un­ter­see­ner Mord­fall von 2001. Zu­sam­men mit wei­te­ren jun­gen Män­nern hat­te der Ver­ur­teil­te ei­nen da­mals 19-jäh­ri­gen Kol­le­gen bei der Rui­ne Weis­senau mit ei­nem Stahl­rohr er­schla­gen. Dies, weil das Op­fer ein Schwei­ge­ge­lüb­de des rechts­ex­tre­men «Or­dens der ari­schen Rit­ter» ge­bro­chen hat­te. Der Ver­ur­teil­te ver­büsst sei­ne Stra­fe seit 2002. Ei­ne Voll­zugs­lo­cke­rung wur­de ihm mehr­mals ver­wehrt. Zu­letzt vom Bun­des­ge­richt. Wie schon das Ober­ge­richt geht selbst das Bun­des­ge­richt von ei­ner ho­hen Rück­fall­ge­fahr auch für schwe­re Ge­walt­de­lik­te aus. Der Ver­ur­teil­te ha­be ein ei­ge­nes Wer­te­sys­tem und Rechts­ver­ständ­nis, des­sen Durch­set­zung er für le­gi­tim hal­te.

Auch nach bald 17 Jah­ren Frei­heits­ent­zug ge­hen die Voll­zugs­be­hör­den beim Haupt­tä­ter im Mord­fall von Un­ter­se­en von ei­ner ho­hen Rück­fall- und Flucht­ge­fahr aus. Das Bun­des­ge­richt stützt die­se Sicht und die Ab­wei­sung von Voll­zugs­lo­cke­run­gen für den heu­te 39-Jäh­ri­gen.

Der Mann wur­de im Au­gust 2005 vom Ober­ge­richt des Kan­tons Bern we­gen Mor­des, zwei­fach voll­ende­ten Mord­ver­suchs und wie­der­hol­ter Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen zu Mord zu ei­ner le­bens­läng­li­chen Frei­heits­stra­fe ver­ur­teilt. Die Stra­fe ver­büsst der Mann be­reits seit Fe­bru­ar 2002. Zu­sam­men mit wei­te­ren jun­gen Män­nern hat­te der Ver­ur­teil­te En­de Ja­nu­ar 2001 ei­nen da­mals 19-jäh­ri­gen Kol­le­gen bei der Rui­ne Weis­senau in Un­ter­se­en mit ei­nem Stahl­rohr bes­tia­lisch er­schla­gen. Die Lei­che ver­senk­ten sie im Thu­n­er­see. Der Kol­le­ge muss­te ster­ben, weil er ein Schwei­ge­ge­lüb­de des rechts­ex­tre­men «Or­dens der ari­schen Rit­ter» ge­bro­chen hat­te, dem er und die Tä­ter an­ge­hör­ten.

The­ra­pie ver­wei­gert

Wie aus ei­nem am Frei­tag pu­bli­zier­ten Ur­teil des Bun­des­ge­richts her­vor­geht, wur­den dem Ver­ur­teil­ten bis heu­te kei­ne Voll­zugs­lo­cke­run­gen ge­währt. Der Mann wei­gert sich, ei­ne The­ra­pie zu ma­chen und bei ei­ner Be­gut­ach­tung mit­zu­wir­ken, heisst es im Lau­san­ner Ent­scheid.

In sei­ner Be­schwer­de hat der Mann ge­mäss Ur­teil ge­schrie­ben, er wei­ge­re sich nicht, die Voll­zugs­zie­le zu er­rei­chen. Er wol­le aber nicht die «the­ra­peu­ti­schen Es­ka­pa­den» des Psych­ia­tri­schP­sy­cho­lo­gi­schen Di­ens­tes über sich er­ge­hen las­sen. Die­se hät­ten nichts mit der Ar­beit an re­le­van­ten Pro­blem­be­rei­chen zu tun, son­dern mit der Su­che ei­ner psy­chi­schen Stö­rung zwecks An­ord­nung ei­ner nach­träg­li­chen Ver­wah­rung.

Die Kon­kord­at­li­che Fach­kom­mis­si­on zur Beur­tei­lung der Ge­mein­ge­fähr­lich­keit von Straf­tä­tern kam zum Schluss, dass dem Mann ei­ne Ein­sicht in sei­ne pro­ble­ma­ti­sche Grund­hal­tung feh­le. Äus­ser­lich ver­hal­te er sich im Straf­voll­zug zwar an­ge­passt. Er sei je­doch recht­ha­be­risch, do­mi­nie­rend und hand­le ma­ni­pu­la­tiv. Aus­ser­dem sei er schnell kränk­bar. Die Dis­tan­zie­rung von rechts­ex­tre­men Ideo­lo­gi­en hält die Kom­mis­si­on für Lip­pen­be­kennt­nis­se. Al­lein um die­ses Ge­dan­ken­gut ge­he es aber nicht, was der Ver­ur­teil­te ver­ken­ne. Pro­ble­ma­tisch sei auch, dass er ein ei­ge­nes Wer­te­sys­tem und Rechts­ver­ständ­nis ha­be, des­sen Durch­set­zung er für le­gi­tim hal­te.

Ho­he Rück­fall­ge­fahr

Das Ober­ge­richt fol­ger­te un­ter an­de­rem aus die­sen Grün­den, dass kei­ne nach­hal­ti­ge po­si­ti­ve Ve­rän­de­rung in der Per­sön­lich­keit des Be­schwer­de­füh­rers statt­ge­fun­den ha­be. Des­halb geht das Ober­ge­richt wei­ter­hin von ei­ner ho­hen Rück­fall­ge­fahr aus – auch für schwe­re Ge­walt­de­lik­te. Das Bun­des­ge­richt be­stä­tigt die­se Sicht­wei­se.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.