Die De­par­te­ments­Ver­tei­lung muss war­ten

Bun­des­rat In ei­ner ers­ten Dis­kus­si­on konn­te kei­ne Ei­ni­gung bei der Ver­tei­lung der De­par­te­men­te er­zielt wer­den. Da­mit wird ei­ne Rocha­de im­mer wahr­schein­li­cher.

Berner Oberlander - - Vorderseite - Ste­fan Hä­ne Ja­ni­ne Hosp

Bun­des­rat Im Bun­des­rat wer­den zwei Schlüs­sel­de­par­te­men­te frei. Ob es zur gros­sen De­par­te­ments­ro­cha­de kommt, ist un­klar. Der Rat hat noch kei­nen Ent­scheid ge­fällt.

Die gest­ri­ge Bun­des­rats­sit­zung hat­te mit dem aus­sen­po­li­tisch äus­serst heik­len Rah­men­ab­kom­men ein ge­wich­ti­ges Ge­schäft für die Zu­kunft der Schweiz auf der Trak­tan­den­lis­te. Eben­so ent­schei­dend für die künf­ti­ge Po­li­tik der Eid­ge­nos­sen­schaft wird aber auch sein, wer die Ge­schi­cke der sie­ben De­par­te­men­te len­ken wird. Doch der Bun­des­rat konn­te sich ges­tern im ers­ten An­lauf nicht dar­auf ei­ni­gen, wer wel­ches De­par­te­ment über­nimmt. Die Lan­des­re­gie­rung wer­de die Dis­kus­si­on nächs­te Wo­che fort­set­zen, be­ton­te Bun­des­prä­si­dent Alain Ber­set.

CVP-Prä­si­dent Ger­hard Pfis­ter wer­tet den gest­ri­gen Nicht­ent­scheid als Zei­chen für den Wech­sel­wunsch meh­re­rer Bun­des­rä­te. Er wis­se aber nicht, ob der aus­ge­blie­be­ne Ent­scheid das Re­sul­tat ei­nes «grös­se­ren Dis­sen­ses» sei. Un­ge­wöhn­lich zu­rück­hal­tend ga­ben sich ges­tern Abend die Spit­zen­ver­tre­ter der an­de­ren Bun­des­rats­par­tei­en auf An­fra­ge. Für FDP-Prä­si­den­tin Pe­tra Gös­si ist es Sa­che des Bun­des­ra­tes, «ei­ne gu­te Lö­sung» zu fin­den, SP-Frak­ti­ons­prä­si­dent Ro­ger Nord­mann ver­weist auf die Ge­wal­ten­tei­lung, «in die De­par­te­ments­ver­tei­lung ha­ben sich das Par­la­ment oder die Par­tei nicht ein­zu­mi­schen». Und Tho­mas Ae­schi, Prä­si­dent der SVPFrak­ti­on, schweigt sich voll­stän­dig aus.

Wech­sel­ge­lüs­te

Spe­zi­ell ist die Aus­gangs­la­ge für die bei­den SP-Bun­des­rä­te: Alain Ber­set führt seit sie­ben Jah­ren das In­nen­de­par­te­ment. Wenn er noch ei­nen Wech­sel an­strebt, dann müss­te die­ser jetzt er­fol­gen. Was in­so­fern ris­kant ist, weil da­mit den So­zi­al­de­mo­kar­ten der Ver­lust die­ses Schlüs­sel­de­par­te­ments droht. An­ders sieht es bei sei­ner Par­tei­kol­le­gin Si­mo­net­ta Som­maru­ga aus: Sie muss­te vor acht Jah­ren das un­ge­lieb­te Eid­ge­nös­si­sche Jus­tiz- und Po­li­zei­de­par­te­ment über­neh­men – zu ihm ge­hört das schwie­ri­ge Asyl­dos­sier.

Für die ehe­ma­li­ge Kon­su­men­ten­schüt­ze­rin gel­ten zwei De­par­te­men­te als at­trak­tiv: das De­par­te­ment für Wirt­schaft, Bil­dung

Als Amt­s­äl­tes­ter darf Bun­des­rat

Ue­li Mau­rer als Ers­ter sei­nen Wunsch an­mel­den.

und For­schung und das De­par­te­ment für Um­welt, Ver­kehr, En­er­gie und Kom­mu­ni­ka­ti­on. Bei­de sind nach den Ab­gän­gen der Bun­des­rä­te Jo­hann Schnei­der-Am­mann und Do­ris Leuthard «ver­waist».

Un­ge­lieb­tes VBS

Ger­hard Pfis­ter sel­ber hat kein Wunsch­de­par­te­ment für die neue CVP-Bun­des­rä­tin Vio­la Am­herd, wie er sagt. Es sei aber klar, dass kei­ne Par­tei auf das als un­at­trak­tiv gel­ten­de De­par­te­ment für Ver­tei­di­gung, Be­völ­ke­rungs­schutz und Sport (VBS) aspi­rie­re. Kein Wun­der, wer­den auch dem VBS-Vor­ste­her Guy Par­me­lin Wech­sel­ge­lüs­te nach­ge­sagt. Ob der Ge­samt­bun­des­rat dies al­ler­dings gou­tie­ren wür­de, ist frag­lich, sitzt Par­me­lin doch erst seit drei Jah­ren im Ver­tei­di­gungs­de­par­te­ment.

FDP-Prä­si­den­tin Pe­tra Gös­si äus­sert für ih­re neue Bun­des­rä­tin Ka­rin Kel­ler-Sut­ter kein Wunsch­de­par­te­ment, «Haupt­sa­che, die neue Lan­des­re­gie­rung ar­bei­tet gut zu­sam­men».

Pfis­ter hofft nun, dass der Bun­des­rat an sei­ner nächs­ten Sit­zung ei­ne «kon­sen­sua­le Lö­sung oh­ne Ab­stim­mung» fin­det. Dies scheint im­mer noch mög­lich, denn erst wenn die Mit­glie­der der Lan­des­re­gie­rung sich nicht ei­ni­gen kön­nen, kommt es zur Ab­stim­mung. Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die Bun­des­rä­te vor­aus­sicht­lich am kom­men­den Frei­tag, dem letz­ten Tag der lau­fen­den Ses­si­on, noch­mals von vor­ne be­gin­nen. Und zwar nach streng ge­re­gel­tem Ver­fah­ren: Die Mit­glie­der der Lan­des­re­gie­rung mel­den ih­re Wün­sche ge­mäss An­ci­en­ni­tät an. Amt­s­äl­tes­ter Bun­des­rat ist Ue­li Mau­rer, ge­folgt von Si­mo­net­ta Som­maru­ga, Alain Ber­set, Guy Par­me­lin, Igna­zio Cas­sis, Vio­la Am­herd und Ka­rin Kel­ler-Sut­ter.

Fo­to: Fa­b­ri­ce Coff­ri (AFP)

Vio­la Am­herd (l.) und Ka­rin Kel­ler-Sut­ter er­fah­ren wohl erst am kom­men­den Frei­tag, wel­ches De­par­te­ment auf sie war­tet.

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