Ge­sät wird im Win­ter

Leichtathletik Trotz an­ge­staub­tem Image ho­len sich Läu­fer die Här­te für die Bahn im Cross – mor­gen ist EM.

Berner Oberlander - - Sport - Mo­ni­ca Schnei­der

Es war ein High­light da­mals, und ein Jahr spä­ter dop­pel­te Ani­ta Wey­er­mann so­gar nach. Erst war sie 1998 an der Cross-WM in Mar­ra­kesch her­aus­ra­gen­de Vier­te ge­wor­den, dann tri­um­phier­te die Ber­ne­rin 1999 im slo­we­ni­schen Ve­len­je als Eu­ro­pa­meis­te­rin. Die­se Er­fol­ge wa­ren der Lohn für die har­te (Lauf-)Ar­beit, die sie je­weils im Win­ter leis­te­te.

Na­tür­lich aber war Wey­er­mann nicht die ers­te Schwei­ze­rin, die sich auf die­se Wei­se ei­ne min­des­tens so­li­de Ba­sis für den Som­mer und die Ren­nen auf der Bahn zu­leg­te. Aber sie ist die bis­her ein­zi­ge, die bei ei­nem sol­chen Mas­sen­auf­lauf, der ei­ne WM oder auch ei­ne EM ist, ei­nen Ti­tel ge­wann. Nur knapp ver­passt hat ei­nen sol­chen bei der­sel­ben Ver­an­stal­tung Ni­co­la Spi­rig, die Tri­ath­lon-Olym­pia­sie­ge­rin von 2012. Sie star­te­te da­mals bei den Ju­nio­rin­nen und ge­wann Sil­ber. Es war ei­ne ih­rer ers­ten Me­dail­len auf in­ter­na­tio­na­ler Ebe­ne und ein Re­sul­tat, das sie im fol­gen­den Jahr wie­der­hol­te.

Kein Glit­zer, kein Gla­mour

Auch zwei Jahr­zehn­te spä­ter hat das ge­flü­gel­te Wort «Mit­tel- und Langstre­cken­läu­fer wer­den im Win­ter ge­macht» nichts an Gül­tig­keit ein­ge­büsst. Ein­ge­büsst hat seit dem Auf­kom­men der Stadt- und Weih­nachts­läu­fe ge­gen En­de Jahr le­dig­lich die At­trak­ti­vi­tät der Cross-Ver­an­stal­tun­gen. Da ist kein Glit­zer, kein Gla­mour, da ist wo­mög­lich nur tie­fes Ge­läuf oder cou­pier­tes Ge­län­de oder bei­des. Aber: Nir­gend­wo sonst lässt sich die lauf­spe­zi­fi­sche Kraft­aus­dau­er so ide­al trai­nie­ren wie im Cross. Fa­bi­en­ne Schlumpf, die EMSil­ber­ge­win­ne­rin im Steep­le, drückt die Be­deu­tung in drei Wor­ten aus: «Es här­tet ab.» Sie führt an die­sem Wo­chen­en­de die Schwei­zer De­le­ga­ti­on an der EM in Til­burg (NED) an – die­se ist mit 19 Läu­fe­rin­nen und Läu­fern die gröss­te je und hat auch in der Ber­ner Ju­nio­rin De­lia Scla­bas ei­ne aus­sichts­rei­che Star­te­rin. Erst ein­mal hat Schlumpf auf ei­ne Cross-Sai­son ver­zich­tet, ih­re Kar­rie­re und Wil­lens­stär­ke al­so Win­ter für Win­ter mit Läu­fen im Ge­län­de und Wald auf­ge­baut. Sie sagt: «Kom­bi­niert mit dem Grund­la­gen­trai­ning, ist das ide­al für mich, das gibt Kraft in den Bei­nen.» Ge­ra­de im Steep­le sei die Kraft­aus­dau­er von ent­schei­den­der Be­deu­tung.

In­gebrigt­sen wie Kip­cho­ge

Aber nicht nur dort. Das lässt sich auch in den Start­lis­ten ab­le­sen, die pro Ren­nen rund 25 Län­der und 100 Läu­fer um­fas­sen. Da taucht un­ter Nor­we­gen auch drei­mal der Na­me In­gebrigt­sen auf. Ja­kob, der jüngs­te der drei Brü­der, tritt zum zwei­ten Mal als Ti­tel­ver­tei­di­ger an, schon als 16-Jäh­ri­ger ge­wann er Gold. Im Au­gust bril­lier­te er an der Leichtathletik-EM, dort de­mons­trier­te er sei­ne über­ra­gen­de Klas­se auf der Bahn über 1500 und 5000 m. Ihm und vie­len an­de­ren ist nicht ent­gan­gen, dass auch der Ju­nio­ren-Welt­meis­ter 2003, als der Event in Avenches statt­fand, ein ganz Gros­ser ge­wor­den ist: Nach ei­ner glanz­vol­len Bahn­kar­rie­re ist Eli­ud Kip­cho­ge (KEN) heu­te Ma­ra­thon-Welt­re­kord­hal­ter.

Schlumpf, vor zwei Jah­ren Ach­te und letz­tes Jahr Sieb­te, hat sich das Le­sen der Start­lis­te ge­schenkt. «Es reicht mir zu wis­sen, dass je­ne, die schnell ren­nen kön­nen, da sind. Ich kann auch schnell ren­nen und bin auch da.» Ein we­nig tönt das schon nach neu­em Selbst­ver­trau­en. Oder ganz ein­fach da­nach, dass in der Ver­gan­gen­heit schon im Win­ter ge­sät wur­de, was dann im Som­mer Früch­te trug.

13.25

14.45

14.50

15.00

15.40

16.45

17.10 18.00 18.00 18.15

18.30

18.55

20.05

In den Spu­ren Ani­ta Wey­er­manns: Fa­bi­en­ne Schlumpf (rechts).

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