Be­reit für den nächs­ten Coup

Film Ste­ve Mc­Queen lässt in sei­nem neu­en Film «Wi­dows» vier Wit­wen für ei­nen Raub­über­fall ge­mein­sa­me Sa­che ma­chen.

Berner Oberlander - - Magazin - Do­ris Kuhn

Die Frau kann ren­nen! Wie sie die Knie hoch­reisst, wie za­ckig die Ar­me flie­gen, al­les in ei­nem Tem­po, mit dem sie die an­de­ren auf dem Trot­toir fast al­lein durch ih­re Druck­wel­le aus der Bahn schiebt. Un­ter Bei­fall er­reicht die Frau am En­de ihr Ziel: Sie kriegt den Bus.

Re­gis­seur Ste­ve Mc­Queen lässt die Schau­spie­le­rin Cyn­thia Eri­vo nicht um­sonst ei­ne gan­ze vers­lum­te Stras­se in Chi­ca­go ent­lang­stür­men – was er da­bei zeigt, ist ihr un­be­ding­ter Wil­le, ein Ziel zu er­rei­chen. Ei­ne Kraft wird sicht­bar, und da­mit wird Eri­vos Fi­gur Bel­le spä­ter an­de­re Zie­le er­rei­chen als nur den Bus.

Wit­wen als Räu­ber

Aber be­vor es so weit ist, flie­gen erst ein paar Au­tos in die Luft, und mit ih­nen auch ei­ne gan­ze Ban­de von Räu­bern, die am An­fang des Films ge­ra­de ei­nen Über­fall zu En­de brin­gen. Die Beu­te, zwei Mil­lio­nen Dol­lar aus dem Be­sitz ei­nes ex­trem ge­walt­be­rei­ten Gangs­ters, geht in die­ser Ka­ta­stro­phe eben­falls un­ter.

Da­mit ist der Thril­ler «Wi­dows» bei den ti­tel­ge­ben­den Wit­wen. Die ver­stor­be­nen Räu­ber hin­ter­las­sen Ehe­frau­en, de­ren Zu­kunft fins­ter aus­sieht. Ei­ne von ih­nen, Ve­ro­ni­ca, hat auch noch den Gangs­ter am Hals, der sei­ne zwei Mil­lio­nen zu­rück­ha­ben will. Al­so kon­tak­tiert Ve­ro­ni­ca ei­ni­ge der an­de­ren Wit­wen, und die Frau­en un­ter­schied­lichs­ter Her­kunft be­schlies­sen in der Not, den Job ih­rer Män­ner wei­ter­zu­füh­ren. In ei­nem No­tiz­buch ist ein nächs­ter Coup de­tail­liert auf­ge­zeich­net. Was jetzt al­ler­dings nicht pas­siert, ist ein Gangs­te­rin­nenJux, in dem ein paar Frau­en die bes­se­ren Män­ner ab­ge­ben. Denn es ist be­kannt­lich die Er­schüt­te­rung, die Ste­ve Mc­Queen in sei­nen Fil­men sucht.

Na­he an der US-Rea­li­tät

Im­mer fragt er nach der Durch­hal­te­fä­hig­keit sei­ner Hel­den; im Skla­ven­dra­ma «12 Ye­ars a Slave», in der Sex­sucht­ge­schich­te «Sha­me» und in «Hun­ger», in dem man dem IRA-Ak­ti­vis­ten Bob­by Sands im Knast beim Ster­ben zu­sieht, weil er nicht von sei­ner Über­zeu­gung ab­rü­cken will. Die Be­zie­hung von Zwang und Wi­der­stand ist McQueens gros­ses The­ma, dem ord­net er auch sei­ne «Wi­dows» un­ter. Und da­bei hält sich Mc­Queen schön eng an al­les, was die US-Rea­li­tät be­stimmt: Po­li­zei­ge­walt, Kor­rup­ti­on, Ras­sen-, Klas­sen-, Ge­schlech­ter­dis­kri­mi­nie­rung.

Trotz­dem sorgt das Gen­re da­für, dass die­ser Film we­ni­ger streng wirkt als frü­he­re Wer­ke. Manch­mal gibt es so­gar hu­mor­vol­le Sze­nen, wenn Mc­Queen mit den Kli­schees spielt und die Wit­wen für ein kon­spi­ra­ti­ves Tref­fen in die Sau­na setzt wie al­te Ma­fio­si. Ihr Ge­winn ist am En­de nicht die Beu­te ei­nes Die­bes­zugs. Ste­ve Mc­Queen zeigt ei­ne Coif­feu­se, ei­ne Haus­frau, ei­ne Ver­käu­fe­rin und ein Call­girl, die ei­ne kri­mi­nel­le Idee um­set­zen. Aber die Kraft, die sie da­für fin­den, greift auch auf ih­ren All­tag über.

«Wi­dows»: läuft jetzt in den Ki­nos.

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