Wasch­tag am Rast­platz

Berner Oberlander - - Forum - Klaus Bä­um­lin, Die­ter Noll, Mar­tin A. Liech­ti, Tho­mas Beck, Die­ter Noll Pe­ter Martha­ler, Ruth Ger­ber, Pe­ter A. Ru­bin,

Wo­für so ein Last­wa­gen nicht al­les gut ist! Mit et­was Krea­ti­vi­tät lässt sich so­gar Wä­sche trock­nen an die­sem Ge­fährt. Ent­deckt und fo­to­gra­fiert von Mar­kus Hä­ni aus Un­ter­sig­gen­thal an ei­nem Rast­platz in Deutsch­land. Aus­ga­be vom 3. De­zem­ber «Höchs­te Eh­re für ei­nen mu­ti­gen Pfar­rer»

Nicht al­lein geehrt

Na­tür­lich hat es mich ge­freut, dass die Ber­ner Zei­tung so wohl­wol­lend über mich ge­schrie­ben hat im Zu­sam­men­hang mit dem mir ver­lie­he­nen Eh­ren­dok­tor­ti­tel. Aber da gab es ne­ben mir sechs wei­te­re Frau­en und Män­ner, die die­se Eh­rung er­fuh­ren. Mit ih­rem Wir­ken und ih­ren Ver­diens­ten als Ju­rist (Pe­ter Gauch), als Ent­wick­le­rin von Hör­ge­rä­ten (In­ge­borg Hoch­mair-De­soy­er), als För­de­rin so­zia­ler und kul­tu­rel­ler Pro­jek­te (Fran­zis­ka Bo­rer Win­zen­ried), als Ros­si­ni-For­scher (Re­to Mül­ler), als For­sche­rin und För­de­rin auf dem Ge­biet der Psy­cho­the­ra­pie (Cla­ra E. Hill) und als Au­tor fach­di­dak­ti­scher Schrif­ten (Gün­ter Baars) ha­ben sie Her­vor­ra­gen­des ge­leis­tet. Da­zu kom­men die wei­te­ren zu­meist jun­gen Frau­en und Män­ner, die am Dies aca­de­mi­cus mit Prei­sen geehrt wur­den. Zum Kreis die­ser ver­dienst­vol­len und sym­pa­thi­schen Men­schen ge­hö­ren zu dür­fen, be­deu­tet für mich ei­ne zu­sätz­li­che Eh­rung. Ich ste­he nicht gern al­lein auf wei­ter Flur. Aus­ga­be vom 6. De­zem­ber «UNO-Hoch­kom­mis­sa­rin ist sehr ent­täuscht»

Ego­is­ti­sche Län­der

Mi­gra­ti­on ist ei­ne welt­wei­te Tat­sa­che. Der UN-Mi­gra­ti­ons­pakt hält fest, dass Men­schen­rech­te auch für die Men­schen gel­ten, die im Mo­ment auf der Flucht sind. Das sind heu­te et­wa 260 Mil­lio­nen Men­schen. Die­se gilt es zu schüt­zen. Dass es dar­über so gros­se Dif­fe­ren­zen gibt, ist be­schä­mend. Die Schweiz will nicht oder nur un­ter Vor­be­hal­ten mit­ma­chen. Es sind die klei­ne­ren Län­der, ne­ben Trumps Ame­ri­ka, die sich da­von­steh­len. Ge­ra­de die, wel­che sich stets auf ih­re lang­jäh­ri­ge hu­ma­ni­tä­re Tra­di­ti­on be­ru­fen, keh­ren der Welt den Rü­cken.

Völ­ker­recht wur­de da­für in­stal­liert, ge­ra­de die Klei­nen vor der Will­kür der Gros­sen zu schüt­zen. Al­les ver­ges­sen. Ent­so­li­da­ri­sie­rung und Ego­is­mus sind an­ge­sagt. Lei­der.

Die Ge­schichts­schrei­bung wird ein ver­nich­ten­des Ur­teil über die Län­der fäl­len, für die glo­ba­le Ge­set­ze und Re­gel­wer­ke aus ego­is­ti­schen Grün­den nicht mehr zäh­len. Aus­ga­be vom 3. De­zem­ber «Kan­to­ne be­wil­li­gen fast je­des Waf­fen­ge­such»

Si­cher­heit mit we­ni­ger Waf­fen

Er­schre­ckend die lar­ge Hand­ha­bung des Waf­fen­ge­set­zes durch die Kan­to­ne und die ge­fähr­li­che flä­chen­de­cken­de Ver­brei­tung von Schiess­ei­sen. Die seit 2014 stark stei­gen­de Zahl der aus­ge­ge­be­nen Waf­fen­schei­ne ist alar­mie­rend. Füh­rend ist der Kan­ton Aar­gau mit knapp acht Be­wil­li­gun­gen pro tau­send Ein­woh­ner, fast drei­mal mehr als in Ba­selS­tadt. Ist des­halb der Aar­gau si­che­rer, oder sind in den USA die Staa-ten mit ex­trem ho­her Waf­fen­dich­te si­che­rer? Wohl kaum. Je­des zu­sätz­li­che Schiess­ge­wehr er­höht auch die Ge­fahr des Miss­brauchs. Hof­fen wir auf ei­ne stren­ge Um­set­zung der kom­men­den EU-Richt­li­ni­en.

Als Op­fer ei­nes schlecht aus­ge­bil­de­ten Schüt­zen, der mir die Waden durch­schoss, hof­fe ich auf ei­ne si­che­re Schweiz mit we­ni­ger Schiess­ei­sen. Aus­ga­be vom 4. De­zem­ber «An­griff auf ver­stärk­ten Kli­ma­schutz ge­schei­tert»

Zer­stör­te Welt hin­ter­las­sen

Das Par­la­ment ist un­fä­hig, das gröss­te Pro­blem der Mensch­heit zu lö­sen. Ge­wählt durch ei­ne Be­völ­ke­rung, wel­che eben­falls nicht in­ter­es­siert ist an Mass­nah­men ge­gen die Er­der­wär­mung. Man will auf nichts ver­zich­ten, we­der auf sei­nen Of­fraoa­der noch auf sei­nen Wee­kend­trip mit dem Flug­zeug. Un­ter­des­sen schmel­zen die Glet­scher still vor sich hin, der Mee­res­spie­gel steigt, bis er auch vom Letz­ten nicht mehr igno­riert wer­den kann. Un­so­li­da­risch nimmt man sich das Recht her­aus, sein Ding durch­zu­zie­hen, auf dem Bu­ckel an­de­rer, die sich ein­zu­schrän­ken ver­su­chen. Sei­nen ei­ge­nen Kin­dern und En­keln hin­ter­lässt man ei­ne Welt, ge­prägt von Kli­ma­ka­ta­stro­phen, der per­ma­nen­ten Zer­stö­rung und dem Auf­räu­men oh­ne En­de. Dies ist al­les sehr är­ger­lich, wi­der­lich und ge­schmack­los. Die Rei­se der Mensch­heit geht im Schnell­zugs­tem­po Rich­tung Ab­grund.

Ver­ant­wor­tungs­lo­se Po­li­ti­ker

Wir Schwei­zer sind welt­weit die höchs­ten Ver­brau­cher fos­si­ler Ener­gi­en. Es wä­re nur rich­tig und ge­recht, uns Ver­brau­cher mit ei­ner Ab­ga­be auf dem Schad­stoff CO2 zu be­las­ten. Er­fah­runs­ge­mäss än­dert der Mensch sein Ver­hal­ten erst, wenn er es am Porte­mon­naie zu spü­ren be­kommt. Die von den Bür­ger­li­chen ge­for­der­ten Zer­ti­fi­ka­te sind in die­ser Hin­sicht für ei­ne wirk­sa­me Re­duk­ti­on des CO2-Aus­stos­ses un­taug­lich.

Po­li­ti­ker, die in ei­ner ernst­haf­ten, ja le­bens­be­droh­li­chen Si­tua­ti­on auf die­se Wei­se wirk­sa­me Ge­gen­mass­nah­men zu um­ge­hen ver­su­chen, han­deln fahr­läs­sig und wir­ken ver­trau­ens­un­wür­dig. Dass man von der SVP nichts Bes­se­res er­war­ten kann, über­rascht

Zi­tat des Ta­ges

«Völ­ker­recht wur­de da­für in­stal­liert, ge­ra­de die Klei­nen vor der Will­kür der Gros­sen zu schüt­zen.

Al­les ver­ges­sen. Ego­is­mus ist an­ge­sagt. Lei­der.»

Thun

nicht. Das Ein­schwen­ken der FDP auf die SVP-Li­nie hin­ge­gen hat mich mass­los ent­täuscht. Ich füh­le mich durch ihr ver­ant­wor­tungs­lo­ses Ver­hal­ten be­tro­gen und ma­che mir ernst­haft Sor­gen um un­se­re Zu­kunft und vor al­lem um die un­se­rer Nach­kom­men. Aus­ga­be vom 4. De­zem­ber «De­mons­tran­ten sor­gen sich um Tie­re»

Im­men­ses Tier­leid

Ein herz­li­ches Dan­ke­schön an die Per­so­nen von Ani­mal Sa­ve, wel­che vor dem Thu­ner Schlacht­hof Mahn­wa­che hiel­ten. Wenn die Stäl­le und Schlacht­hö­fe Glas­wän­de hät­ten, wür­den noch mehr Leu­te tie­ri­sche Pro­duk­te von ih­rem Me­nü­plan strei­chen. Aber ge­nau das will man aus wirt­schaft­li­cher Sicht ja nicht, und dar­um fin­det das Lei­den der Tie­re im Ver­bor­ge­nen statt. Es wird auch kaum er­wähnt, dass welt­weit über 50 Pro­zent der Ge­trei­de- und So­ja­ern­te di­rekt den Mast­tie­ren ver­füt­tert wer­den. Auch die Tat­sa­che, dass die Tie­re mehr Kli­ma­ga­se pro­du­zie­ren als al­le Au­tos, Aus­ga­be vom 5. De­zem­ber Ge­mein­de­ver­samm­lun­gen

De­mo­kra­tie?

«De­mo­kra­tie»: aus dem alt­grie­chi­schen «Herr­schaft des Staats­vol­kes», de­mos = Staats­volk, kra­tos = Macht. Sie be­zeich­net un­ser po­li­ti­sches Sys­tem, in dem Macht und Re­gie­rung vom Volk aus­ge­hen. Ent­wi­ckelt sich un­se­re De­mo­kra­tie in ei­ne Schein­de­mo­kra­tie? Oder blüht wie­der die Aris­to­kra­tie, wo ei­ni­ge we­ni­ge zum Nut­zen al­ler be­stim­men? Nä­hern wir uns ei­nem De­mo­kra­tie­de­fi­zit? In Deutsch­land wird seit ei­ni­gen Jah­ren auch von «De­mo­kra­tur» – in An­leh­nung an Dik­ta­tur – ge­spro­chen. Zu die­sen Fra­gen ver­an­las­sen mich die Be­tei­li­gun­gen der Stimm­bür­ger an ver­schie­de­nen Ge­mein­de­ver­samm­lun­gen: Heim­berg 3,3 Pro­zent, Thier­achern 4,2 Pro­zent, Reu­ti­gen 5,16 Pro­zent, Ue­be­schi 7 Pro­zent. Ober­wil i.S. bringt es im­mer­hin auf 20 Pro­zent. Ty­pi­sche Merk­ma­le ei­ner mo­der­nen De­mo­kra­tie sind nebst frei­en Wah­len das Mehr­heits­prin­zip. Wei­ter ist die Re­de von ei­nem Min­der­hei­ten­schutz. Bei die­sen Be­tei­li­gun­gen kön­nen Min­der­hei­ten zum Nach­teil ei­ner Mehr­heit be­stim­men!

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