Er­neu­ter Hir­scher-Tri­umph und ei­ne Zu­schau­er-Bais­se

Welt­cup Zwar kei­ne Po­dest­plät­ze, aber vier Schwei­zer Top-10-Plät­ze am Chue­nis­bär­g­li.

Berner Oberlander - - Front Page - Sei­te 2-4+15+16

Es war ein­mal mehr Ski­renn­sport vom Al­ler­feins­ten, was die Welt­bes­ten am Wo­che­n­en­de am Adel­bod­ner Chue­nis­bär­g­li voll­führ­ten. Und ein­mal mehr war ge­gen den Aus­nah­me­ath­le­ten Mar­cel Hir­scher kein Kraut ge­wach­sen: Der 29-jäh­ri­ge Salz­bur­ger ge­wann so­wohl den Rie­sen­sla­lomKlas­si­ker vom Sams­tag als auch den gest­ri­gen Sla­lom. Es wa­ren dies Hir­schers Adel­bo­den-Sie­ge Num­mer acht und neun. Da­mit schrieb der Do­mi­na­tor der letz­ten Jah­re ein Stück Sport­ge­schich­te: Nie zu­vor war es ei­nem Fah­rer ge­lun­gen, neun Sie­ge an ei­nem Welt­cup-Aus­tra­gungs­ort her­aus­zu­fah­ren. Aus Schwei­zer Sicht blieb der er­hoff­te und lang­er­sehn­te Po­dest­platz zwar aus, doch sorg­ten Gi­no Ca­vie­zel (9.) und Mar­co Oder­matt (10.) im «Rie­sen» so­wie Ra­mon Zen­häu­sern (5.) und Da­ni­el Yu­le (8.) im Sla­lom für das bes­te Er­geb­nis der letz­ten zehn Jah­re.

Ob­wohl Welt­cup­prä­si­dent Pe­ter Wil­len die 63. Adel­bod­ner Ski­ta­ge or­ga­ni­sa­to­risch als Er­folg wer­te­te, muss­ten die Ver­an­stal­ter ei­nen deut­li­chen Zu­schau­er­rück­gang hin­neh­men. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren wa­ren stets um die 40 000 Ski­fans nach Adel­bo­den ge­reist, heu­er woll­ten le­dig­lich 34 000 die Ren­nen vor Ort se­hen.

Es ist un­be­strit­ten: Aus­tri­aÜber­pi­lot Mar­cel Hir­scher ist der Mas­ter von Adel­bo­den. Un­glaub­li­che neun Sie­ge – was vor ihm bis ges­tern kein Welt­cup­fah­rer an ei­nem Aus­tra­gungs­ort ge­schafft hat – zie­ren den Pal­marès des Salz­bur­gers. Ob er, nach nun­mehr 16 ge­won­ne­nen Glo­cken, nicht lang­sam ein schlech­tes Ge­wis­sen hat, so un­ver­schämt viel Hand­ar­beit der Ue­ten­dor­fer Gies­se­rei Gus­set ab­zu­zü­geln?

Nicht im­mer in der Ge­schich­te des Ski­renn­sports setz­ten sich aber die Bes­ten durch. Ex­per­ten mag dies­be­züg­lich das Jahr 1989 in bes­ter Er­in­ne­rung sein: Am Chue­nis­bär­g­li klas­sier­te sich da Al­ber­to «La bom­ba» Tom­ba le­dig­lich auf Rang drei (hin­ter dem Vor­arl­berg-Lu­xem­bur­ger Marc Gi­rar­del­li und dem «Gsta­bi»-Nor­we­ger Ole Kris­ti­an Fu­rus­eth). Und auf der ei­sig har­ten Ae­schi­all­mend blieb auch mir nur der Bron­ze­platz am Spie­zer Schü­lers­ki­ren­nen (hin­ter Lo­kal­ma­ta­dor Ru­fe­ner Ch­ri­gu und der Spie­zwi­ler Renn­sau Sau­rer Ti­nu).

Da­bei hat­te ich mich mit ei­ner sonst nur dem Hir­scher ei­ge­nen Akri­bie vor­be­rei­tet: Mei­ne Ros­si­gnol Equi­pe 3 G (na­tür­lich noch nicht tail­liert, da­für 2,03 Me­ter lang) ha­be ich am spä­ten Vor­abend in der el­ter­li­chen Ga­ra­ge zünf­tig mit mei­nem ge­hei­men To­ko-Wun­der­mix (gelb, rot, grün) ein­ge­wachst. Mit Gross­mut­ters «Glet­tiise». Ein Wun­der, blieb ich ob der in­ha­lier­ten Wachs­dämp­fe tags dar­auf nicht in der Do­ping­kon­trol­le hän­gen...

Wie so oft lag es al­so nicht am Ma­te­ri­al, son­dern am Fah­rer, dass der Coup nicht glück­te. Das war bei mir auf der Ae­schi­all­mend (wo die Grä­ben bei den To­ren ge­fühlt so tief wa­ren wie Ba­de­wan­nen) nicht an­ders als bei Tom­ba, dem Play­boy aus Bo­lo­gna, am Chue­nis­bär­g­li. Gut, gibt es noch an­de­re Wer­te als das Sie­gen. Wie sag­te doch «La bom­ba» einst: «Ich bin kein Ma­cho, ich se­he ein­fach nur wahn­sin­nig gut aus...» Mei­ne Re­de, Al­ber­to.

Ein Wun­der, blieb ich ob der Wachs­dämp­fe nicht in der Do­ping­kon­trol­le hän­gen.

Fo­to: Ma­nu­el Lopez

Trotz we­ni­ger Be­su­chern: Tol­le Stim­mung in Adel­bo­den.

Jürg Spiel­mann Das Welt­cü­pli er­scheint täg­lich wäh­rend der Ber­ner Ober­län­der Welt­cup­wo­che. Die Skig­los­se be­leuch­tet Un­ge­ahn­tes, Un­be­kann­tes oder auch Un­er­hör­tes. Bron­ze­ge­win­ner Spie­zer Schü­lers­ki­ren­nen 1989 auf der Ae­schi­all­mend.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.