Tsche­chen-Po­wer für Bö­de­ler Eis­ho­ckey­team

Mit Lu­kas Vra­na und Ra­dek Hu­bacek spie­len gleich zwei Ex-Pro­fis aus Tsche­chi­en beim SC Bö­ni­gen in der zwei­ten Li­ga. Dank dem Dorf­club kön­nen sich bei­de ei­ne Be­rufs­kar­rie­re ne­ben dem Eis auf­bau­en.

Berner Oberlander - - Vorderseit­e - Patrick Gasser

Wie es da­zu kommt, dass der Zweit­li­gist SC Bö­ni­gen mit Lu­kas Vra­na (Bild) und Ra­dek Hu­bacek gleich zwei tsche­chi­sche Eis­ho­ckey­pro­fis in sei­nen Rei­hen hat.

Wenn die Bö­ni­ger in der Eis­hal­le von Mat­ten ih­re Übun­gen durch­ge­hen, dann wird auch mal Eng­lisch ge­spro­chen. Das Team hat sich seit dem Auf­stieg von der drit­ten in die zweit­höchs­te Ama­teur­stu­fe im Früh­ling 2012 zu ei­ner Spit­zen­mann­schaft in der Di­vi­si­on ent­wi­ckelt. Ver­gan­ge­nen Früh­ling rück­te die von Tho­mas Zur­brügg und Andrew Zur­schmie­de ge­coach­te Trup­pe bis in den Play­off-Fi­nal vor. Auch in der ak­tu­el­len Spiel­zeit läuft es bei den Bö­ni­gern: Wäh­rend des spiel­frei­en Wo­che­n­en­des steht man in der Ta­bel­le hin­ter dem EHC Mir­chel an zweiter Stel­le. Die er­freu­li­che Ent­wick­lung hat meh­re­re Gründe. Lang­jäh­ri­ge 1.-Li­ga-Spie­ler wie Ke­vin Rohr­bach oder Oli Baur (bei­de ehe­mals SCUI) ver­spü­ren auch mit knapp 30 Jah­ren noch Lust, in­ten­siv Ama­teu­reis­ho­ckey zu spie­len.

Über Un­garn nach Bö­ni­gen

«Oli könn­te in der zweit­höchs­ten tsche­chi­schen Li­ga gut mit­hal­ten», ist Lu­kas Vra­na über­zeugt. Der 26-Jäh­ri­ge muss es wis­sen. Er ist ei­ner der Gründe, war­um in den Ka­ta­kom­ben der Matt­ner Eis­hal­le Eng­lisch ge­spro­chen wird. Und der Stür­mer aus Karls­bad, ei­nem Ku­r­ort in der tsche­chi­schen Re­gi­on Böh­men, weiss, wo­von er spricht. Fast 90 Spie­le hat er in die­ser Li­ga be­strit­ten, nach­dem ihm der Durch­bruch beim Ver­ein aus sei­ner Hei­mat­stadt in der höchs­ten Klas­se ver­wehrt ge­blie­ben war. Da­nach heu­ert er für ein kur­zes Gast­spiel bei ei­nem un­ga­ri­schen Club mit lan­gem Na­men und schma­lem Bud­get aus der süd­ost­eu­ro­päi­schen «Ers­ten Li­ga» an. Wohl fühl­te sich Vra­na dort nie. Es folg­te der Wech­sel zum SC Bö­ni­gen.

Spie­ler­agent ver­mit­telt

Ein­ge­fä­delt hat den De­al Andrew Zur­schmie­de. Er ist nicht nur As­sis­tenz­trai­ner der ers­ten Mann­schaft, son­dern wohl auch der um­trie­bigs­te Sport­chef im Ber­ner Ama­teu­reis­ho­ckey. Über Kon­tak­te mit dem Spie­ler­agen­ten und Ex-DEL-Pro­fi Mar­tin An­ci­cka

ge­lang­te vor zwei Jah­ren mit Do­mi­nik Va­n­ek ein ers­ter Tsche­che zum SC Bö­ni­gen. Nach zwei er­folg­rei­chen Sai­sons ist Va­n­ek wie­der nach Tsche­chi­en zu­rück­ge­kehrt. Da­für ist Lu­kas Vra­na zu­rück im Team. Er hat­te die ver­gan­ge­ne Sai­son nach ei­nem Kreuz­band­riss ver­passt. Beim 7:2-Er­folg vom ver­gan­ge­nen Di­ens­tag ge­gen den EHC Bern 96 bleibt Vra­na oh­ne Sko­r­er­punkt. Mit Neu­zu­gang Ra­dek Hu­bacek hat Lu­kas Vra­na wie­der ei­nen tsche­chi­schen Sturm­part­ner. Der 34-Jäh­ri­ge ist ein ähn­li­cher Spie­ler­typ wie Vra­na, blockt vie­le Schüs­se. «Für bei­de Spie­ler kommt die De­fen­si­ve an ers­ter Stel­le», sagt Andrew Zur­schmie­de. Eis­ho­ckey stand so­wohl für Hu­bacek wie auch Vra­na bis­lang an ers­ter Stel­le. Für Vra­na ist Bö­ni­gen die ers­te Sta­ti­on nach der Pro­fi­kar­rie­re.

Hu­bacek spiel­te in der ver­gan­ge­nen Sai­son beim SV Silz in Ös­ter­reich Ama­teu­reis­ho­ckey und ar­bei­te­te am Ski­lift.

Pro­fi mit 1000 Eu­ro Ge­halt

Nun ha­ben bei­de ei­ne Stel­le im Ber­ner Ober­land. Lu­kas Vra­na ar­bei­tet für ei­ne Kü­chen­bau­fir­ma, in der Andrew Zur­schmie­de ei­ne lei­ten­de Funk­ti­on hat. Ra­dek Hu­bacek ver­dient sein Geld bei ei­ner Ka­nal­tech­nik­fir­ma im Diem­tig­tal. Auch hier sorg­te Zur­schmie­de für den Kon­takt und half, die bü­ro­kra­ti­schen Hür­den zu über­win­den. Bei­de ver­die­nen im Ber­ner Ober­land das Viel­fa­che ih­rer Pro­fi­ge­häl­ter in Tsche­chi­en. Rund 1000 Eu­ro im Mo­nat ha­be er in der zweit­höchs­ten Li­ga sei­nes Hei­mat­lan­des ver­dient, er­zählt Lu­kas Vra­na. Das ist selbst ge­mes­sen am we­sent­lich tie­fe­ren Lohn­ni­veau in

Tsche­chi­en nicht viel. Geld al­lein hat ihn aber nicht zum Wech­sel ins Ber­ner Ober­land be­wo­gen. «Es passt ein­fach al­les hier», sagt Vra­na. «Die Schweiz ist ein Traum­land. Die Ber­ge und Se­en hier sind wun­der­schön.» Auch bei sei­nem neu­en Ver­ein stimmt die Che­mie. «Al­le Spie­ler sind sehr hilfs­be­reit. Das ist ganz an­ders als bei mei­ner Zeit in Tsche­chi­en, wo man als neu­er Spie­ler ein­fach nur als wei­te­rer Kon­kur­rent um ei­nen Stamm­platz an­ge­se­hen wur­de.» Und «ir­gend­wie re­lax­ter» sei es im Ber­ner Ober­land.

Auch wenn das nicht für das Eis­ho­ckey gel­te, er­zählt Lu­kas Vra­na, der dank in­ten­si­ven Kur­sen mitt­ler­wei­le auch gut Deutsch spricht: «Ich war an­fangs sehr über­rascht, wie hoch das Le­vel und die In­ten­si­tät im Trai­ning sind. Das ha­be ich nicht er­war­tet.» Auch beim SCB ist man von den Tsche­chen be­geis­tert. «Die Ein­stel­lung von Vra­na und Hu­bacek ist sehr gut. Al­le im Team pro­fi­tie­ren von ih­rer Lei­den­schaft und ih­rer Tech­nik», sagt Zur­schmie­de. Aber ver­drän­gen die Im­port­spie­ler nicht Ei­gen­ge­wäch­se? «Nein», ent­geg­net Zur­schmie­de. «Wir wür­den ger­ne mehr jun­ge Spie­ler aus dem ei­ge­nen Nach­wuchs ein­bau­en. Aber da­von ha­ben wir schlicht zu we­ni­ge.» Auch des­halb sind die bei­den Tsche­chen ein Teil der Er­folgs­ge­schich­te beim SC Bö­ni­gen. Nicht in ers­ter Li­nie we­gen ih­rer Sko­r­er­qua­li­tä­ten, son­dern weil sich die bei­den Ex-Pro­fis bes­tens in das ge­sun­de Te­am­ge­fü­ge ein­rei­hen. Die nächs­te Ge­le­gen­heit für ih­re ers­ten Sai­son­tref­fer hat das tsche­chi­sche Duo am Frei­tag, 15. No­vem­ber, beim Heim­spiel ge­gen Rot-Blau Bern.

Foto: Bru­no Pe­tro­ni

Lu­kas Vra­na war als Pro­fi in Un­garn nicht mehr glück­lich und wech­sel­te wäh­rend der Sai­son 2017/2018 zum SC Bö­ni­gen.

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