Mas­si­ver Wi­der­stand ge­gen Swiss­com-Plä­ne im Schloss

14 Ein­spra­chen mit un­zäh­li­gen Un­ter­schrif­ten: Das Vor­ha­ben für ei­ne neue Mo­bil­funk­an­la­ge im his­to­ri­schen Schloss­turm ist hef­ti­gem Ge­gen­wind aus­ge­setzt.

Berner Oberlander - - Vorderseit­e - Jürg Spiel­mann

Es hat­te sich schon vor Wo­chen ab­ge­zeich­net: Dass die Swiss­com in der Turm­spit­ze des Spie­zer Schlos­ses ei­ne neue Mo­bil­funk­an­la­ge mit zwei An­ten­nen er­stel­len will, sorgt im Ort für ro­te

Köp­fe. Und ei­ne ent­spre­chen­de An­zahl Ein­ga­ben ge­gen das Bau­pro­jekt. Kon­kret gin­gen wäh­rend der Auf­la­ge­frist bei der Ge­mein­de Spiez 14 Ein­spra­chen ein – zwei da­von Sam­mel­ein­spra­chen. Wie der Ver­fas­ser ei­ner Kol­lek­tiv­ein­spra­che weiss, ha­ben ins­ge­samt über 300 Bür­ge­rin­nen und Bür­ger ih­ren Un­mut mit ih­rer Un­ter­schrift be­kun­det. Wie vie­ler­orts schei­nen auch im Win­zer­ort das Un­be­ha­gen und die Un­si­cher­heit ge­gen­über der neu­en, su­per­schnel­len 5G-Tech­no­lo­gie gross. Ge­sund­heit­li­che Be­den­ken

sind denn auch der Grund, wes­halb das Vor­ha­ben ei­nen brei­ten Wi­der­stand er­fährt. Wird es zu Ein­spra­che­ver­hand­lun­gen kom­men? Und wür­de ein all­fäl­li­ger Bau­ent­scheid für die Swiss­com von den Geg­nern an­ge­foch­ten?

Zum Ab­schluss der Ur­teils­ver­kün­di­gung wünsch­te Ge­richts­prä­si­den­tin Nat­ha­lie Fritz «ei­nen schö­nen Abend». Zu­min­dest für den Ver­ur­teil­ten, der der Ur­teils­be­grün­dung ru­hig ge­folgt war, dürf­te er nicht schön sein. Bei den Ein­ver­nah­men und Par­tei­vor­trä­gen tags­über war die Öf­fent­lich­keit aus­ge­schlos­sen. Die Ge­scheh­nis­se vom 12. Mai 2018 ka­men so nicht de­tail­liert öf­fent­lich zur Spra­che.

Be­trof­fen war ein da­mals 13-jäh­ri­ges Mäd­chen, das in ei­ner Pfle­ge­fa­mi­lie lebt und zu Be­such bei sei­ner leib­li­chen Mut­ter und de­ren Freund im Ober­land war. Das Mäd­chen be­sucht ei­ne Son­der­schu­le, hat li­mi­tier­te ko­gni­ti­ve Fä­hig­kei­ten und in der Kind­heit Ge­walt er­fah­ren. Die An­kla­ge­schrift führt re­la­tiv de­tail­liert auf, was pas­siert ist: Der Mann be­rühr­te das Mäd­chen im Schlaf­zim­mer sei­ner Woh­nung an den Brüs­ten, liess es sei­nen Pe­nis in die Hand neh­men und ver­such­te va­gi­nal und anal ein­zu­drin­gen. Ob­jek­ti­ve Be­weis­mit­tel gabs nicht. Die An­zei­ge er­folg­te zwei Wo­chen nach der Tat. Die gy­nä­ko­lo­gi­sche Un­ter­su­chung er­gab kei­nen ein­deu­ti­gen Be­fund. Auf dem Han­dy des Op­fers gabs kei­ne Hin­wei­se, in der durch­such­ten Woh­nung des Tä­ters auch nicht.

Aus­sa­ge ge­gen Aus­sa­ge

Der An­ge­klag­te hat­te die Tat­vor­wür­fe be­strit­ten. Die Ge­richts­prä­si­den­tin be­ur­teil­te die Aus­sa­gen des Mäd­chens, die per Vi­deo ge­macht wur­den, als in sich stim­mig. «Der The­ra­pie­be­richt sagt aus, dass an je­nem Abend et­was Gra­vie­ren­des pas­siert ist, das das Mäd­chen aus dem see­li­schen Gleich­ge­wicht ge­bracht hat», stell­te die Ge­richts­prä­si­den­tin fest. Dia­gnos­ti­ziert wur­de ei­ne ho­he Trau­ma­ti­sie­rung. «Die Tat ver­ur­sach­te ei­nen Ein­schnitt in das Le­ben des Mäd­chens, wie ich ihn noch sel­ten ge­se­hen ha­be», sag­te die Ge­richts­prä­si­den­tin. Ge­walt ha­be der Tä­ter nicht an­ge­wen­det. Das Mäd­chen ha­be mit sei­ner Mut­ter und de­ren Freund ein Ver­trau­ens­ver­hält­nis ge­habt, und die­ses sei miss­braucht wor­den; das wer­de es le­bens­lang be­glei­ten. Das Mäd­chen ha­be Angst und sei sich auch der Am­bi­va­lenz der Stel­lung sei­ner Mut­ter be­wusst. Die Tat­kom­po­nen­te be­ur­teil­te sie bei der Ur­teils­fin­dung mit den doch kom­ple­xen se­xu­el­len Hand­lun­gen als re­la­tiv schwer, die Tä­ter­kom­po­nen­te als neu­tral. Er sei nicht vor­be­straft, le­be in ge­ord­ne­ten Ver­hält­nis­sen, und es sei sein Recht, kein Ge­ständ­nis ab­zu­le­gen und des­halb auch kei­ne Reue zu zei­gen.

Sie senk­te das Straf­mass, das die Staats­an­walt­schaft be­an­tragt hat­te, von elf auf zehn Mo­na­te be­dingt. Der Tä­ter, der amt­lich ver­tei­digt wur­de, darf für zehn Jah­re kei­ne Ar­beit oder or­ga­ni­sier­te Frei­wil­li­gen­ar­beit über­neh­men, in der er re­gel­mäs­si­gen Kon­takt mit Min­der­jäh­ri­gen hat. Ge­richts­kos­ten und An­walts­kos­ten muss er über­neh­men. Im Zi­vil­punkt muss der Tä­ter dem Op­fer ei­ne Ge­nug­tu­ung von 12000 Fran­ken zah­len.

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