1021 Un­ter­schrif­ten ge­gen das Pro­jekt

Neu­er Wi­der­stand ge­gen das Bau­pro­jekt auf der Hoff­mat­te: Der Gwatt-Scho­ren-Buch­holz-Leist hat für das Re­fe­ren­dum ge­gen die vom Stadt­rat be­wil­lig­te Zo­nen­plan­än­de­rung über 1000 Un­ter­schrif­ten ge­sam­melt.

Berner Oberlander - - Vorderseit­e - Micha­el Gurt­ner

Ob das grosse Über­bau­ungs­pro­jekt Hoff­mat­te rea­li­siert wer­den kann, ist noch of­fen. Das Re­fe­ren­dum steht.

Die vom Gwatt-Scho­ren-Buch­holz-Leist ge­star­te­te Un­ter­schrif­ten­samm­lung dau­er­te nur ei­ne Wo­che: In die­ser Zeit ka­men 1021 Si­gna­tu­ren ge­gen die Än­de­rung von Zo­nen­plan und Bau­re­gle­ment be­tref­fend das Ge­biet Hoff­mat­te zu­sam­men – «der gröss­te Teil von Frei­tag bis Sonn­tag», sag­te Leist­prä­si­dent Re­né Feller ges­tern bei der Über­ga­be der Un­ter­schrif­ten an die Stadt. Feller be­ton­te: «Der Im­puls zum Re­fe­ren­dum kam aus der Quar­tier­be­völ­ke­rung.» Bei der Un­ter­schrif­ten­samm­lung hät­ten Leist­mit­glie­der, der Ver­ein Pro Scho­ren so­wie Be­woh­ner des Quar­tiers aber auch an­de­rer Stadt­tei­le mit­ge­hol­fen.

Mit der Än­de­rung des Zo­nen­plans und des Bau­re­gle­ments woll­te die Stadt die Grund­la­ge für ein neu­es Quar­tier schaf­fen. Öst­lich der Pro­duk­ti­ons­hal­le der Hoff­mann Neo­pac AG sind 180 Woh­nun­gen so­wie ein von der Stif­tung Woh­nen im Al­ter (WiA) be­trie­be­nes Al­ters­pfle­ge­heim vor­ge­se­hen. Hin­zu kom­men ei­ne Kin­der­ta­ges­stät­te, ein La­den und öf­fent­li­che Frei- und Grün­räu­me.

Das Are­al ist ei­ne Land­re­ser­ve der Hoff­mann Neo­pac AG und be­fin­det sich heu­te in der Ar­beits­zo­ne. Im Stadt­rat war die Zo­nen­plan­än­de­rung nicht un­um­strit­ten. Hans­pe­ter Ael­lig (FDP) stell­te ei­nen Rück­wei­sungs­an­trag: Das Pro­jekt sei im Quar­tier nicht breit ab­ge­stützt, es dro­he ein Re­fe­ren­dum. Der An­trag wur­de mit 32 zu 3 Stim­men ab­ge­lehnt. Nein-Stim­men gab es schliess­lich zur Zo­nen­plan­än­de­rung nicht – bei 24 JaS­tim­men, aber 12 Ent­hal­tun­gen.

Leist: «Vie­le Fra­gen of­fen»

Dass das Pro­jekt nicht nur auf Ge­gen­lie­be stösst, hat­te sich schon vor ei­nem Jahr ge­zeigt: Da­mals gin­gen ge­gen die Über­bau­ungs­ord­nung in­klu­si­ve Zo­nen­plan­än­de­rung 13 Ein­spra­chen ein – ei­ni­ge da­von Sam­mel­ein­spra­chen. Kri­tik gab es vor al­lem an der Hö­he der Ge­bäu­de so­wie zum The­ma Ver­kehr. «Uns ist wich­tig, dass die An­lie­gen der Quar­tier­be­völ­ke­rung ernst ge­nom­men wer­den», be­ton­te ges­tern Leist­prä­si­dent Re­né Feller. «Wir hat­ten den Ein­druck, dass dies nicht der Fall war. Die Mit­wir­kung ha­ben wir als

Pflicht­übung der Stadt wahr­ge­nom­men.» Im Leist ha­be man stark ge­spürt, dass vie­le Fra­gen of­fen blie­ben – et­wa zum Ver­kehr oder zur Hö­he der ge­plan­ten Bau­ten in di­rek­ter Nach­bar­schaft zu ei­nem nicht sehr dicht be­bau­ten Quar­tier. «Die Fra­ge ist: Wie dicht und in wel­cher Art soll in ei­nem sol­chen Quar­tier ge­baut wer­den?» Das Pro­jekt neh­me zu we­nig Rück­sicht auf das Be­ste­hen­de. Des­halb wün­sche sich der Leist ei­ne Denk­pau­se. Ein oft ge­hör­tes Feed­back bei der Un­ter­schrif­ten­samm­lung sei zu­dem ge­we­sen: «End­lich macht je­mand et­was!»

WiA müss­te Plät­ze strei­chen

«Ein Re­fe­ren­dum zu er­grei­fen, ist ein le­gi­ti­mes de­mo­kra­ti­sches Recht», sag­te Thuns Stadt­prä­si­dent und Pla­nungs­vor­ste­her Ra­pha­el Lanz (SVP) auf An­fra­ge. Und: «Wir wer­den nach der Prü­fung der Un­ter­schrif­ten die Be­völ­ke­rung sach­lich über das Pro­jekt in­for­mie­ren.» Er hof­fe, «dass wir rasch Klar­heit dar­über er­hal­ten, ob wir wie vor­ge­se­hen den in Thun be­nö­tig­ten Wohn­raum für al­le Ge­ne­ra­tio­nen samt Al­ters­pfle­ge­heim der Stif­tung WiA ver­wirk­li­chen kön­nen». Für die WiA kommt das Re­fe­ren­dum nicht über­ra­schend: «Wir ha­ben da­mit ge­rech­net. Schon bei der Mit­wir­kung wur­de klar, dass es Wi­der­stand gibt», sag­te Ste­phan Fried­li, Vor­sit­zen­der der WiA-Ge­schäfts­lei­tung. Wer­de das Pro­jekt durch das Re­fe­ren­dum le­dig­lich ver­zö­gert, «dann kön­nen wir das stem­men», führ­te Fried­li aus. Soll­te das Thu­ner Stimm­volk hin­ge­gen die Zo­nen­plan­än­de­rung bach­ab schi­cken, wä­re das für die WiA laut Fried­li «ei­ne Ka­ta­stro­phe». Zur Er­in­ne­rung: Die Stif­tung WiA be­treibt die Stand­or­te Mar­tin­zen­trum und Sonn­matt. Vor­ge­se­hen war zu­dem ein Neu­bau an der West­stras­se, was sich al­ler­dings zer­schlug (wir be­rich­te­ten). Die Fol­ge ist, dass die WiA das sa­nie­rungs­be­dürf­ti­ge Mar­tin­zen­trum bei vol­lem Be­trieb etap­pen­wei­se sa­nie­ren muss – «das ist viel be­schwer­li­cher und auf­wen­di­ger und ver­nich­tet un­nö­tig Stif­tungs­ka­pi­tal», so Ge­schäfts­füh­rer Ste­phan Fried­li. Wür­de nun auch das Hoff­mat­tePro­jekt ver­un­mög­licht, fal­le wei­te­res Ka­pi­tal weg. «Dann müss­ten wir die Hälf­te der heu­te 240

Bet­ten ab­bau­en.» Ei­gent­lich müs­se die Stif­tung für die Stadt si­cher­stel­len, dass ge­nü­gend Pfle­ge­plät­ze vor­han­den sei­en. Fried­li: «Es gibt heu­te schon ein Un­ter­an­ge­bot, wir brau­chen mehr Pfle­ge­plät­ze. Bei Ver­hin­de­rung des Hoff­mat­te-Pro­jekts lau­fen wir Ge­fahr, dass genau das Ge­gen­teil raus­kommt.»

Dem Wi­der­stand zum Trotz ist Ste­phan Fried­li «zu­ver­sicht­lich, dass die Be­völ­ke­rung das Pro­jekt ge­neh­mi­gen wird». In die­sem Fall wür­de die Stif­tung Woh­nen im Al­ter wie ge­plant im Früh­ling mit der Sa­nie­rung des Mar­tin­zen­trums be­gin­nen – und par­al­lel da­zu in den nächs­ten zwei­ein­halb Jah­ren das Hoff­mat­te-Pro­jekt wei­ter­pla­nen und da­nach rea­li­sie­ren.

Rasch vors Volk

Stadt­schrei­ber Bru­no Hu­wy­ler nahm die Un­ter­schrif­ten ges­tern ent­ge­gen. Die­se wür­den nun kon­trol­liert. Und wann kommt die Hoff­mat­te vors Volk? «Ei­ne fi­xe Frist gibt es nicht», sag­te Hu­wy­ler. Klar sei aber, dass dies beim nächst­mög­li­chen Ab­stim­mungs­ter­min der Fall sein sol­le.

Vi­sua­li­sie­rung: PD

So oder ähn­lich soll die ge­plan­te Über­bau­ung Hoff­mat­te der­einst aus­se­hen. Über die ent­spre­chen­de Zo­nen­plan­än­de­rung be­fin­det nun das Stimm­volk.

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