Ein Zi­b­e­le­ku­chen zum Va­len­tins­tag

Es ist Va­len­tins­tag. Wo­her die Lust neh­men? Viel­leicht aus ei­nem Zi­b­e­le­ku­chen.

Berner Oberlander - - Vorderseit­e - Ni­na Ko­belt

Zwie­beln und Ero­tik? Das passt! Denn die Knol­le kann al­te Lie­be neu be­le­ben. Dar­um ra­ten wir Ih­nen: Ba­cken Sie für Ih­re Liebs­te oder Ih­ren Liebs­ten heu­te ei­nen währ­schaf­ten Zi­b­e­le­ku­chen.

Die Zwie­bel ent­zieht ge­schickt Gift, wo es nö­tig ist, und löst, was schon zu lan­ge ver­hockt ist.

Ist es nicht schon ei­ne Liebeserkl­ärung, wenn je­mand für an­de­re als sich selbst kocht? Re­gel­mäs­sig in der Kü­che ste­hen und Ge­rich­te zu­be­rei­ten – oder auch nur ein Sand­wich be­le­gen? Wer das ab und zu macht, weiss: Es ist Ar­beit. Die Spass ma­chen kann, na­tür­lich, zu un­ter­schät­zen ist sie aber nie­mals.

Aphro­di­te lock­te mit Fei­gen

Na­tür­lich kann­ten schon die al­ten Grie­chen die lust­för­dern­de Wir­kung von Ge­mü­sen, Kräu­tern und Säf­ten. Die­ses Wis­sen um die aphro­di­sie­ren­den Pro­duk­te wur­de auch von Le­gen­den über die na­mens­ge­ben­de Göt­tin ge­nährt. Tat­säch­lich ist es ein schö­nes Bild, wenn man sich vor­stellt, wie Aphro­di­te ih­rem Gat­ten He­phais­tos Saf­ran in die Spei­sen mischt oder ihn mit ei­nem Gra­nat­ap­fel hin­ter ei­nen weis­sen Vor­hang lockt. Die kras­sen Sa­chen – Chi­li, Mus­kat, Pe­ter­si­lie und Fei­gen – setz­te die Lie­bes­göt­tin üb­ri­gens bei ih­ren uns­terb­li­chen und sterb­li­chen Lo­vern ein, sie trieb es ge­mäss My­tho­lo­gie ziem­lich wild.

Nach heu­ti­gem Wis­sen­stand, wie man so schön sagt, und da­mit sind un­zäh­li­ge Stu­di­en und Un­ter­su­chun­gen ge­meint, gibt es Hun­der­te von Le­bens­mit­teln, die der Lust zu­gu­te­kom­men: Va­nil­le, Spar­gel, Sau­er­amp­fer, Trüf­fel, Ing­wer, Ros­ma­rin, Ba­na­ne und so wei­ter. Der Was­ser­me­lo­ne sagt man so­gar nach, sie ha­be die glei­che Wir­kung wie Via­gra. Chi­lis för­dern die Durch­blu­tung und öff­nen die Po­ren der Haut. Den­ken Sie dar­an, wenn Sie das nächs­te Mal die Liebs­te oder den Liebs­ten mit ei­ner Fe­der strei­cheln oder mit heis­sem Wachs be­tröp­feln. Mit ei­nem Chi­li con car­ne könn­te die Cho­se viel­leicht end­lich mal von Er­folg ge­krönt sein.

Oder auch nicht. Denn ein vol­ler Bauch liebt nicht gern, man weiss es. Doch klar ist auch: Paa­re, die ein so­ge­nannt er­füll­tes Sex­le­ben ha­ben oder sich sonst­wie von­ein­an­der an­ge­zo­gen füh­len, die­se Paa­re fal­len über­ein­an­der her, ob auf dem Herd nun ei­ne Mehl­sup­pe steht oder ei­ne an­ge­fan­ge­ne Pa­ckung Chips auf dem Bei­stell­tisch­chen liegt.

«Cock au vin»

Aber es gibt ja ver­schie­de­ne Lie­ben. Bei vie­len reicht es wahr­schein­lich, sich am Va­len­tins­tag (und an al­len an­de­ren Ta­gen!) die Zeit zu neh­men und «Se­xa­ghet­ti al pes­to» oder «Cock au vin» ko­chen. Wenn lus­ti­ge Na­men nicht zu ei­nem ge­lun­ge­nen Abend bei­tra­gen, dann liegt das Pro­blem viel­leicht so­wie­so wo­an­ders. Und da­mit sind wir bei den Lie­ben­den an­ge­langt, die viel­leicht am häu­figs­ten an­zu­tref­fen sind: dem Paar, bei dem die Lie­be – auch die kör­per­li­che – viel­leicht et­was ein­ge­ros­tet ist. Bei dem vie­les im All­tag un­ter­geht, Sie wis­sen schon. Bei dem das Han­dy wich­ti­ger ist als die Part­ne­rin oder die Kin­der sämt­li­che Ener­gie auf­fres­sen.

Ab­ge­se­hen da­von, dass es in un­se­ren Zei­ten frag­wür­dig ist, Cre­vet­ten und Aus­tern von ir­gend­wo her­zu­schaf­fen oder im Fe­bru­ar Erd­bee­ren zum Cham­pa­gner auf­zu­trei­ben, braucht die­se Lie­be et­was an­de­res. Und zwar die Zwie­bel. Weil sie vie­les flies­sen lässt, nicht nur Trä­nen, sie ent­zieht ge­schickt Gift, wo es nö­tig ist, und löst, was schon zu lan­ge ver­hockt ist.

Weg mit Vor­ur­tei­len!

Wenn sie Ber­ne­rin oder Ber­ner sind, ha­ben Sie von Na­tur aus und dank dem Zi­b­ele­mä­rit ein un­ge­zwun­ge­nes Ver­hält­nis zu der Knol­le. Falls nicht, ver­ges­sen Sie al­le Vor­ur­tei­le. Man muss sie ja nicht roh es­sen, son­dern kann sie in Form ei­nes Zi­b­e­le­ku­chens ge­nies­sen.

Viel­leicht ha­ben Sie wel­chen vor­rä­tig im Tief­küh­ler oder neh­men sich heu­te die (kur­ze) Zeit, sel­ber ei­nen zu ba­cken. Das Re­zept da­für stammt aus dem äl­te­ren, höchst in­ter­es­san­ten Buch von Dé­si­rée Wü­sch­ner «War­um Chi­lis scharf ma­chen» (im AT­Ver­lag er­schie­nen). Da­rin wird die Zwie­bel eben­falls als li­bi­do­sti­mu­lie­ren­des Ge­mü­se be­schrie­ben, das der «Er­star­rung in lang­jäh­ri­gen Part­ner­schaf­ten» ent­ge­gen­wir­ken kann. Das Schö­ne an solch ein­fa­chen Re­zep­ten ist ja: Man hat da­vor, wäh­rend und nach dem Ko­chen ge­nü­gend Zeit für an­de­re Din­ge. Für die Lie­be zum Bei­spiel.

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Ist ein­fach zu ba­cken und kann al­te Lie­be neu be­le­ben: Zi­b­e­le­ku­chen. Re­zept für Zi­b­e­le­ku­chen – 5 mit­tel­gros­se Zwie­beln, in Rin­gen – 2 bis 3 Knob­lauch­ze­hen, zer­klei­nert (fa­kul­ta­tiv) – 1 EL But­ter – 1 EL Zu­cker – 1 TL Bouil­lon – Salz, Pfef­fer, Ro­sen­pa­pri­ka – 1 Pa­ckung Fer­tig-Blät­ter­teig – 1 Be­cher Sau­er­rahm – 2 Eier But­ter heiss wer­den las­sen, Zu­cker ein­streu­en und Zwie­beln gla­sig bra­ten. Knob­lauch und Ge­wür­ze zu­ge­ben und ab­küh­len las­sen. Back­ofen auf 200 °C vor­hei­zen, Sau­er­rahm und Eier zur Zwie­bel­mi­schung ge­ben und gut ver­rüh­ren. Al­les auf dem Teig ver­tei­len und im Ofen 15–20 Mi­nu­ten gold­braun ba­cken.

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