Swiss-Ski-Plan als Lö­sung für Streit um Lau­ber­horn­ren­nen?

Der Prä­si­dent von Swiss-Ski legt ei­nen Lö­sungs­vor­schlag vor zur Sch­lich­tung des Streits mit dem OK der Lau­ber­horn­ren­nen. Die­ses übt Kri­tik an den Plä­nen.

Berner Oberlander - - Vorderseit­e - Hans Ur­fer/bpm

Bes­se­re Ver­mark­tung, mehr Gel­der der öf­fent­li­chen Hand, und im Fal­le ei­nes De­fi­zits bie­tet der Ver­band Hand: Die­sen 3-Punk­te-Plan zur fi­nan­zi­el­len Ver­bes­se­rung re­spek­ti­ve Ret­tung der in­ter­na­tio­na­len Lau­ber­horn­ren­nen

prä­sen­tier­te Swiss-Ski-Prä­si­dent Urs Leh­mann ges­tern Abend an ei­ner Me­di­en­kon­fe­renz. Leh­mann gab sich op­ti­mis­tisch, dass ei­ne Lö­sung des Zwists zwi­schen dem Lau­ber­horn-Or­ga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tee und dem Ver­band ge­fun­den wird. OKPrä­si­dent Urs Näpflin geht da­von aus, dass Leh­mann mit sei­nen Plä­nen nicht durch­kommt.

In ei­nem am Frei­tag­mor­gen ver­schick­ten of­fe­nen Brief ru­fen Alt-Bun­des­rat Adolf Ogi und an­de­re Ber­ner Po­li­ti­ker zur Ver­nunft auf. Die Or­ga­ni­sa­to­ren und Swiss-Ski sol­len sich «noch ein­mal an den Tisch set­zen und ei­ne

Lö­sung fin­den», um den Event im Ober­land zu ret­ten. Bru­no Ker­nen, der ehe­ma­li­ge Ober­län­der Welt­cup­fah­rer und Lau­ber­horn­sie­ger 2003, macht sich der­weil Sor­gen um die Zu­kunft des Ren­nens: «Ski-Welt­cup oh­ne Lau­ber­horn ist wie For­mel 1 oh­ne Mo­na­co-Ren­nen.»

Wo sich vor sie­ben Jah­ren das Un­fass­ba­re zu­ge­tra­gen hat, pa­cken nun Bau­ar­bei­ter an. An der Bahn­hof­stras­se 47 in Spiez, in un­mit­tel­ba­rer Nä­he von Nie­sen­brü­cke und Bahn­glei­sen, klafft ein gros­ses Loch. Es ist ei­ne Bau­gru­be. Auf je­ner Par­zel­le, wo im Mai 2013 in ei­ner ehe­ma­li­gen Ärz­tevil­la der Lei­ter des Kin­der­hei­mes «Päd­ago­gi­sche Le­bens­ge­mein­schaft» und des­sen Freun­din auf bru­ta­le Wei­se er­mor­det wur­den, wird em­sig ge­baut. Ein In­ves­tor aus der Re­gi­on Thun zieht ein gros­ses Mehr­fa­mi­li­en­haus mit elf Ei­gen­tums­woh­nun­gen in die Hö­he.

Das Re­gio­nal­ge­richt woll­te die Ver­wah­rung

Wäh­rend die 87-jäh­ri­ge Lie­gen­schaft, in des­sen Dach­stock sich die un­fass­ba­re Blut­tat er­eig­net hat­te, be­reits im ver­gan­ge­nen März der Ab­riss­bir­ne zum Op­fer fiel, ist die ju­ris­ti­sche Au­f­ar­bei­tung des Ge­walt­ver­bre­chens bis heu­te nicht ab­ge­schlos­sen. Über­mor­gen Mon­tag wird das Ober­ge­richt des Kan­tons Bern den Fall er­neut ver­han­deln. Es ist das zwei­te Mal. Erst­mals fäll­te das Ober­ge­richt im De­zem­ber 2017 ein Ur­teil. Es stütz­te da­mals den Ent­scheid der Vor­in­stanz aus Thun und sprach den Haupt­tä­ter, ei­nen heu­te 52-jäh­ri­gen Schwei­zer mit ita­lie­ni­schen Wur­zeln, des mehr­fa­chen Mor­des schul­dig. Es be­stä­tig­te da­mit die le­bens­lan­ge Frei­heits­stra­fe, die das Re­gio­nal­ge­richt Ber­ner Ober­land ein Jahr zu­vor ver­hängt hat­te. An­ders je­doch be­ur­teil­te das Ober­ge­richt die Ver­wah­rung, die­se hob es auf. Das Ber­ner Ur­teil wur­de so­wohl vom Dop­pel­mör­der und Va­ter – er war mit sei­nem zur Tat­zeit 16-jäh­ri­gen Sohn zur ver­häng­nis­vol­len Tat ge­schrit­ten – als auch von der Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaft nach Lau­sanne wei­ter­ge­zo­gen. Der Sohn, ein ehe­ma­li­ges Heim­kind in Spiez, war be­reits frü­her vom

Ju­gend­ge­richt Bern rechts­kräf­tig zur Höchst­stra­fe von vier Jah­ren Frei­heits­ent­zug ver­ur­teilt wor­den – mit an­schlies­sen­der Schutz­mass­nah­me. Die Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaft ver­lang­te vom Bun­des­ge­richt ent­we­der die or­dent­li­che Ver­wah­rung des Stadt­ber­ners oder al­ter­na­tiv die Rück­wei­sung des Ver­fah­rens an die Vor­in­stanz, da­mit die­se es um ei­ne Ver­wah­rung er­gän­zen kön­ne.

Lau­sanne rüf­fel­te das Ber­ner Ober­ge­richt

Das Bun­des­ge­richt hiess Mit­te De­zem­ber 2018 die Be­schwer­de der Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaft Bern mit ei­nem 4:1-Be­schluss gut, mit ei­ner Mehr­heit von 3:2 Rich­ter­stim­men wies es die Be­schwer­de an die Vor­in­stanz zu­rück. Die höchs­ten Schwei­zer Rich­ter wa­ren der An­sicht, das Ober­ge­richt ha­be das psych­ia­tri­sche Gut­ach­ten des Tä­ters will­kür­lich ge­wür­digt, weil es die Grau­sam­keit der Tat in den Er­wä­gun­gen rund um die Ver­wah­rung zu we­nig be­rück­sich­tigt ha­be. Über­dies hielt das Bun­des­ge­richt das Gut­ach­ten für un­voll­stän­dig. Dar­um wies es den Fall zwecks Ein­ho­len ei­nes Er­gän­zungs­gut­ach­tens und an­schlies­sen­der Neu­be­ur­tei­lung zu­rück ans Ber­ner Ober­ge­richt.

Die Be­schwer­de des Haupt­tä­ters wur­de von den Lau­san­ner Rich­tern in sämt­li­chen Punk­ten ab­ge­wie­sen, wo­mit des­sen le­bens­lan­ge Frei­heits­stra­fe Rechts­kraft er­lang­te.

Spä­te Ra­che für er­lit­te­ne De­mü­ti­gung

Der Spie­zer Dop­pel­mord sorg­te im Früh­ling 2013 lan­des­weit für Ent­set­zen. Der 53-jäh­ri­ge Lei­ter des pri­va­ten Kin­der­heims und des­sen zu­fäl­lig im Haus an­we­sen­de Freun­din aus Win­ter­thur wa­ren mit 120 Mes­ser­sti­chen er­mor­det wor­den. Erst acht­zehn Mo­na­te nach der Blut­tat gin­gen der Ber­ner Va­ter und des­sen Sohn der Po­li­zei ins Netz. Als Mo­tiv für die Wahn­sinns­tat ent­pupp­te sich Ra­che: Der Sohn hat­te als 6-Jäh­ri­ger ei­ni­ge Wo­chen im Spie­zer Heim ge­lebt und die Be­hand­lung dort ge­mäss spä­te­ren Aus­sa­gen als de­mü­ti­gend emp­fun­den.

Die ein­tä­gi­ge Ver­hand­lung vor dem ber­ni­schen Ober­ge­richt ist über­mor­gen Mon­tag im As­si­sen­saal des Ber­ner Amt­hau­ses an­ge­setzt. Das Ur­teil wird an sel­ber Stät­te vier Ta­ge spä­ter am Frei­tag, 29. Mai, er­öff­net.

Fo­to: Jürg Spiel­mann

Das ehe­ma­li­ge Spie­zer Kin­der­heim ist nicht mehr: Die fast 90-jäh­ri­ge Ärz­tevil­la, in wel­cher sich im Mai 2013 der bru­ta­le Dop­pel­mord er­eig­net hat­te, wur­de An­fang März für den Neu­bau ei­nes Wohn­blocks ab­ge­ris­sen.

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