Berner Oberlander

Für Prämienzah­lende gibt es Geld zurück

Die grösste Berner Krankenkas­se hat 2020 einen Gewinn von 110,8 Millionen erzielt. Sie baut nun zugunsten der Prämienzah­lenden Reserven ab.

- Julian Witschi

Berns grösste Krankenkas­se Visana hat besonders hohe Reserven angehäuft. Nach einem Überschuss im CoronaJahr 2020 werden 25 Millionen Franken an die Versichert­en rückvergüt­et.

Der Krankenver­sicherer Visana ist trotz der Corona-Krise finanziell gesund. Das Geschäftse­rgebnis 2020 ist besser als das von einigen Konkurrent­en, wie die am Freitag publiziert­e Jahresrech­nung zeigt. Und der Berner Marktführe­r verfügt über beträchtli­che Reserven.

Nach politische­m Druck haben einige Krankenkas­sen ihre Finanzpols­ter abgebaut. Auch die Versichert­en der Visana sollen nun profitiere­n: «Wir haben beschlosse­n, 25 Millionen Franken aus den Reserven an unsere Versichert­en zurückzuza­hlen», sagt Unternehme­nschef Angelo Eggli im Gespräch mit dieser Zeitung. Diese Ausschüttu­ng erfolgt vorbehältl­ich der Zustimmung des Bundesamte­s für Gesundheit (BAG), ob zum Beispiel als einmalige Gutschrift oder als Prämiensen­kung, ist noch offen.

Kürzlich hatte der Bundesrat den Krankenkas­sen den freiwillig­en Abbau von Reserven erleichter­t. Die Reserven können neu auf das Mindestniv­eau von 100 Prozent gesenkt werden. Bisher mussten sie mindestens 150 Prozent betragen, bevor ein Abbau zulässig war.

Zum Vergleich: Beim Stammhaus Visana AG betragen die Reserven 267 Prozent des Mindestniv­eaus. Für viele ist das deutlich zu viel. FDP-Nationalra­t Philippe Nantermond hat einen Vorstoss lanciert, damit die Reserven auf maximal 150 Prozent gesenkt werden müssen.

Gegen neue Vorgabe

Visana-Chef Eggli lehnt diese Vorgabe ab. «Die Reserven gehören den Prämienzah­lenden und sollen ihnen die Sicherheit geben, dass Leistungen auch in Zukunft gewährleis­tet sind», sagt Eggli. «Es ist nicht der richtige Moment, in einer Pandemie die Reserven im grossen Stil aufzulösen.» So wisse man zum Beispiel nicht, welche Folgekoste­n der Pandemie die Krankenkas­sen belasten würden. Stichworte sind CovidLangz­eitfolgen oder regelmässi­g nötige Impfungen.

Corona-bedingte Prämienspr­ünge blieben dank der finanziell­en Stabilität des Unternehme­ns aus. «Wegen Corona müssen wir keine Prämienerh­öhungen machen, auch weil wir mit Reserven für solche Fälle vorgesorgt haben.»,

Bei der Visana-Gruppe haben die Leistungen für die Versichert­en im letzten Jahr nur geringfügi­g abgenommen, von 3,684 auf 3,631 Milliarden Franken. Die Krise zu spüren bekam das Unternehme­n an den Finanzmärk­ten. Der Kapitalerf­olg brach von 119,3 auf 3,5 Millionen Franken ein. Damit hat sich unter dem Strich der Gewinn von 226,7 auf 110,8 Millionen Franken halbiert.

Gestiegen sind die Verwaltung­skosten. Sie gehören mit 333 Millionen Franken aber im Branchenve­rgleich weiterhin zu den tiefsten, wie Eggli betont. Wegen der Pandemie habe die Visana noch stärker in die Digitalisi­erung investiert. Als die Agenturen geschlosse­n werden mussten, ist das digitale Serviceang­ebot rasch ausgebaut worden: mit Videoberat­ungen, einem Ärzte-Chat, dem Onlinevers­and von Medikament­en oder einem 24-Stunden-Kundenserv­ice.

Intern investiert­e die Visana in neue Arbeitswel­ten, damit die Angestellt­en möglichst überall arbeiten können: zu Hause, im Büro oder im Co-Working-Space.

Zwei Drittel Frauen

Die neuen Arbeitsmod­elle sollen zudem erleichter­n, dass junge Mütter im Job bleiben können. «Diese sollen auch mit kleinen Pensen bei uns weiterarbe­iten können», sagt Eggli. Damit dürfte auch der Anteil der Frauen im Kader von 40 Prozent weiter steigen. Zwei Drittel beträgt der Frauenante­il bereits gemessen am gesamten Personalbe­stand von 1400 Mitarbeite­nden.

Die Zahl der Versichert­en ist leicht um 8500 auf 837’500 gesunken. Künftig solle sie aber wieder wachsen. Denn zu Egglis Mission gehört es, die Position der Visana als Platzhirsc­h in Bern mit 24 Prozent Marktantei­l und als landesweit­e Nummer 6 mindestens zu festigen.

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Foto: Christian Pfander Visana-Chef Angelo Eggli (53) will die Digitalisi­erung und das Wachstum des Krankenver­sicherers vorantreib­en.
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