Lehr­plan 21 ist in Kraft

Berner Zeitung (Emmental) - - Vorderseite - Mir­jam Mes­ser­li

Mehr Lek­tio­nen und we­ni­ger Haus­auf­ga­ben: Das sind zwei der Merk­ma­le des Lehr­plans 21, der heu­te im Kan­ton Bern mit dem Start ins neue Schul­jahr in Kraft tritt. Er ver­ein­heit­licht die Schul­bil­dung in der deutsch­spra­chi­gen Schweiz. Mit dem Lehr­plan 21 wer­den die Schul­kin­der we­ni­ger Beur­tei­lungs­be­rich­te – sprich Zeug­nis­se – er­hal­ten als bis­her. Da­für soll die För­de­rung von Schü­lern und Schü­le­rin­nen mehr Ge­wicht be­kom­men.

Ei­ne der Lehr­per­so­nen, die sich in­ten­siv mit dem neu­en Bil­dungs­werk aus­ein­an­der­ge­setzt ha­ben, ist Mi­rel­la Mi­ra­bel­li aus Hutt­wil. Seit ins­ge­samt 26 Jah­ren un­ter­rich­tet sie, nun hat sie sich in je­dem ih­rer Fä­cher in Wei­ter­bil­dun­gen päd­ago­gisch auf den neus­ten Stand brin­gen las­sen. mm

«Die Grös­se der Klas­se könn­te ei­ne Her­aus­for­de­rung wer­den, auf al­le Kin­der in­di­vi­du­ell ein­zu­ge­hen, so wie das eben der neue Lehr­plan vor­sieht.»

Leh­re­rin Mi­rel­la Mi­ra­bel­li

Mit dem Start des neu­en Schul­jahrs tritt auch der Lehr­plan 21 in Kraft. Ober­stu­fen­leh­re­rin Mi­rel­la Mi­ra­bel­li aus Hutt­wil hat sich mit Wei­ter­bil­dun­gen vor­be­rei­tet. Auf­ge­regt ist sie vor dem ers­ten Schul­tag al­ler­dings nicht we­gen des neu­en Lehr­plans.

Al­les wie im­mer nach den lan­gen Som­mer­fe­ri­en: «Herz­lich will­kom­men» hat Leh­re­rin Mi­rel­la Mi­ra­bel­li an die Wand­ta­fel ge­schrie­ben, Por­trät­fo­tos samt Na­men al­ler 25 Ju­gend­li­chen ih­rer Klas­se auf­ge­hängt, die nächs­ten Ter­mi­ne für die 7b ne­ben der Tür auf ei­nem Whi­te­board notiert. Auf den Pul­ten lie­gen Hef­te und Ord­ner pa­rat.

Al­les wie im­mer? Nicht ganz, denn ab heu­te gilt im gan­zen Kan­ton Bern ein neu­er Lehr­plan, der Lehr­plan 21 (sie­he Kas­ten). Die Schü­le­rin­nen und Schü­ler wer­den wahr­schein­lich da­von gar nicht viel mer­ken – schliess­lich sind sie zum ers­ten Mal in ih­rem je­wei­li­gen Schul­jahr und ha­ben kei­ne Ver­gleichs­mög­lich­kei­ten. Ih­re Klas­sen­leh­re­rin hin­ge­gen schon. Mi­rel­la Mi­ra­bel­li un­ter­rich­tet seit 26 Jah­ren, 18 da­von hier an der Ober­stu­fen­schu­le Hof­matt in Hutt­wil. Sie hat sich

in­ten­siv auf den neu­en Lehr­plan vor­be­rei­tet. So wie das ge­sam­te Kol­le­gi­um. «Al­ler­dings nicht erst wäh­rend der Som­mer­fe­ri­en, son­dern kon­ti­nu­ier­lich in den letz­ten Wo­chen und Mo­na­ten.»

Die Ein­füh­rung des neu­en Lehr­plans sei ein Pro­zess, sagt auch Schul­lei­ter Pier­re Ze­si­ger. Be­gon­nen ha­be die­ser schon mit der Ein­füh­rung der neu­en Lehr­mit­tel im Fran­zö­sisch- und im Eng­lisch­un­ter­richt. «Es ist al­so nicht so, dass der neue Lehr­plan am Mon­tag­mor­gen mit ei­nem Knall star­tet.»

In drei Zy­klen bis zur 9. Klas­se

Ein Lehr­plan legt fest, was Schü­le­rin­nen und Schü­ler in je­dem Fach und in den ver­schie­de­nen Al­ters­stu­fen ler­nen. Neu spricht man nicht mehr von Un­ter- und Ober­stu­fe, son­dern vom Zy­klus 1 (Kin­der­gar­ten, 1. und 2. Klas­se), vom Zy­klus 2 (3. bis 6. Klas­se) so- wie vom Zy­klus 3 (7. bis 9. Klas­se). Im Früh­ling ka­men in Hutt­wil die 70 Lehr­per­so­nen al­ler Zy­klen zu­sam­men, um letz­te Fra­gen zur Um­set­zung des Lehr­plans 21 im All­tag zu klä­ren. «Ich neh­me un­ser Kol­le­gi­um als of­fen für die Ve­rän­de­run­gen wahr», sagt der Schul­lei­ter.

Ver­wand­te The­men, ein Fach

Mi­rel­la Mi­ra­bel­li un­ter­rich­tet Fran­zö­sisch, Deutsch, Ita­lie­nisch und bild­ne­ri­sches Ge­stal­ten. Sie hat sich in je­dem Fach wei­ter­ge­bil­det, um päd­ago­gisch auf dem neus­ten Stand zu sein. Dem neu­en Lehr­plan ge­gen­über ist sie grund­sätz­lich po­si­tiv ein­ge­stellt. Et­was Sor­gen be­rei­tet ihr höchs­tens die Grös­se ih­rer Klas­se. «Es könn­te ei­ne Her­aus­for­de­rung wer­den, auf al­le Kin­der so in­di­vi­du­ell ein­zu­ge­hen, wie das eben der neue Lehr­plan vor­sieht.» Den Grund­ge­dan­ken trägt sie aber voll mit: Mehr auf den ein­zel­nen Schü­ler und sei­ne Be­dürf­nis­se zu ach­ten. Auch neue Fä­cher wird die Leh­re­rin un­ter­rich­ten. Ei­nes da­von heisst «Ethik, Re­li­gio­nen, Ge­mein­schaft», kurz ERG. «Es ist sinn­voll, ver­wand­te The­men in ei­nem Fach zu­sam­men­zu­fas­sen», fin­det sie. Wei­te­re the­men­über­grei­fen­de Fä­cher sind WAH: Wirt­schaft, Ar­beit, Haus­halt und RZG: Räu­me, Zei­ten, Ge­sell­schaf­ten.

Aber auch in die­sen Be­rei­chen sei der neue Lehr­plan «nicht re­vo­lu­tio­när», be­tont Schul­lei­ter Ze­si­ger. «Zu­min­dest nicht für den Kan­ton Bern.» Hier un­ter­rich­te man seit Jah­ren in die­sem Sin­ne. «Schon frü­her ha­ben Lehr­per­so­nen häu­fig ein Ober­the­ma ge­wählt und es dann aus ver­schie­de­nen Blick­win­keln be­trach­tet – ein Land zum Bei­spiel ge­schicht­lich, mu­sisch, wirt­schaft­lich und ge­sell­schaft­lich.»

Übun­gen on­li­ne

Im Klas­sen­zim­mer der 7b steht ei­ne Kis­te mit 25 Lap­tops. Je­de Schü­le­rin und je­der Schü­ler be­kommt am ers­ten Tag sein

per­sön­li­ches Ge­rät. Der neue Lehr­plan bringt es auch mit sich, dass die Schu­len tech­nisch auf­rüs­ten müs­sen. In zahl­rei­chen Fä­chern wer­den Übun­gen on­li­ne ge­macht. Das neue Fach «Me­di­en und In­for­ma­tik» be­fasst sich gar aus­schliess­lich mit die­sem The­ma. «Es gibt na­tür­lich Ge­mein­den, die fi­nan­zi­ell an ih­re Gren­zen stos­sen, wenn ih­re Schu­len all die­se Ge­rä­te be­nö­ti­gen», sagt Schul­lei­ter Ze­si­ger. An der Ober- stu­fen­schu­le Hutt­wil hat man Glück und ist heu­te be­reits tech­nisch sehr gut aus­ge­rüs­tet und auf dem neus­ten Stand.

In Mi­rel­la Mi­ra­bel­lis Klas­sen­zim­mer ist beim Be­such am Don­ners­tag al­les pa­rat. Vor dem ers­ten Schul­tag ist sie et­was auf­ge­regt. Al­ler­dings nicht we­gen des neu­en Lehr­plans. «Es ist im­mer ein klei­nes Aben­teu­er, mit ei­ner neu­en 7. Klas­se zu star­ten.»

Fo­to: Beat Ma­thys

Al­les be­reit: Leh­re­rin Mi­rel­la Mi­ra­bel­li und Schul­lei­ter Pier­re Ze­si­ger vor dem neu­en Schul­jahr.

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