Fir­men schi­cken Ler­nen­de in Knig­ge-Kur­se

Berner Zeitung (Emmental) - - Vorderseite -

Wer grüsst wen zu­erst? Und wie isst man ei­nen Mehr­gän­ger rich­tig?

All das er­fah­ren Lehr­lin­ge an spe­zi­el­len Knig­ge-Kur­sen.

Vom Ka­ros­se­rie­speng­ler über In­for­ma­ti­ke­rin­nen bis zu KV-Stif­ten: Sie al­le neh­men teil an den Knig­ge-Kur­sen von Lin­da Hun­zi­ker und Su­san­ne Schwarz. Die bei­den Frau­en ar­bei­ten bei der Be­rufs- und Lauf­bahn­be­ra­tung und bie­ten Knig­ge-Un­ter­richt spe­zi­ell für Ler­nen­de an. Lehr­be­trie­be kön­nen ih­re Schütz­lin­ge dort an­mel­den. Die Nach­fra­ge sei enorm. In ih­rem an­ge­stamm­ten Be­ruf fiel den bei­den Kurs­lei­te­rin­nen auf, wie oft feh­len­des Wis­sen über an­ge­brach­tes Ver­hal­ten in der Er­wach­se­nen­welt zu Kon­flik­ten wäh­rend der Leh­re ge­führt ha­be. «In­tel­lek­tu­el­le und fach­spe­zi­fi­sche Fä­hig­kei­ten sind eben nur ei­ne Sei­te, ver­mehrt sind auch Soft Skills ge­fragt», sagt Lin­da Hun­zi­ker. Im Kurs ler­nen die jun­gen Leu­te et­wa, wie sie ei­ne ge­brauch­te Ser­vi­et­te auf den Tel­ler le­gen, oh­ne dass es ein Af­front ge­gen­über dem Ser­vice­per­so­nal ist. Oder wie man die Che­fin rich­tig grüsst. sar/akn

Im Knig­ge-Kurs in Bern brin­gen Lin­da Hun­zi­ker und Su­san­ne Schwarz Ler­nen­den bei, wie sie sich im Be­rufs­le­ben rich­tig be­neh­men.

Die Nach­fra­ge von­sei­ten der Lehr­be­trie­be sei enorm.

Ein Ler­nen­der trifft beim Stadt­bum­mel mit sei­ner Mut­ter sei­ne Che­fin. Er grüsst höf­lich und stellt die bei­den Frau­en ein­an­der vor. Kann man bei die­ser all­täg­li­chen, ge­ra­de­zu ba­na­len Be­geg­nung et­was falsch ma­chen?

Im Knig­ge-Kurs für Ler­nen­de in Bern wird klar: Ja, man kann – so­gar je­de Men­ge. Denn hin­ter der all­täg­li­chen In­ter­ak­ti­on wir­ken zahl­rei­che Ver­hal­tens- und An­stands­re­geln: Die hier­ar­chisch tie­fer­ge­stell­te Per­son, in die­sem Fall der Ler­nen­de, soll die Vor­ge­setz­te zu­erst grüs­sen. Das Hän­de­schüt­teln wird hin­ge­gen von der hier­ar­chisch hö­her­ge­stell­ten Per­son, in die­sem Fall der Che­fin, in­iti­iert. Da­nach wird die frem­de Per­son, in die­sem Fall die Mut­ter, der Che­fin mit Vor- und Zu­na­men vor­ge­stellt – so­dass die hier­ar­chisch hö­her­ge­stell­te Che­fin weiss, wen sie vor sich hat.

Wer nun denkt, dass Frei­herr Adolph von Knig­ge, Ver­fas­ser des Bu­ches «Über den Um­gang mit Men­schen» und da­mit ge­wis­ser­mas­sen Va­ter der gu­ten Um­gangs­for­men, seit 222 Jah­ren tot ist und der­art kom­pli­zier­te An­stands­re­geln da­mit Schnee von ges­tern sind, dem wi­der­spre­chen die Kurs­lei­te­rin­nen Lin­da Hun­zi­ker und Su­san­ne Schwarz: «Bei Ben­imm­re­geln geht es dar­um, dem Ge­gen­über Re­spekt aus­zu­drü­cken und sich auf Au­gen­hö­he zu be­geg­nen», er­klärt Schwarz. Das zei­ge das klas­si­sche Bei­spiel mit der Ser­vi­et­te, er­gänzt Hun­zi­ker: «Die Ser­vi­et­te wird so ge­fal­tet, dass das Ser­vice­per­so­nal nicht die schmut­zi­ge Ser­vi­et­te an­fas­sen muss.»

Kon­flik­te in der Leh­re

An­fang Au­gust ver­an­stal­ten Schwarz und Hun­zi­ker je­weils Kur­se für Ler­nen­de. Die Nach­fra­ge von­sei­ten der Lehr­be­trie­be, die ih­re neu­en Schütz­lin­ge an-

Su­san­ne Schwarz, Kurs­lei­te­rin

«Bei Ben­imm­re­geln geht es dar­um, dem Ge­gen­über Re­spekt aus­zu­drü­cken und sich auf Au­gen­hö­he zu be­geg­nen.»

mel­den, sei enorm. «Vom Car­ros­se­rie­speng­ler über In­for­ma­ti­ke­rin­nen bis zu KV-Stif­ten ist al­les da­bei», sagt Schwarz.

Schwarz und Hun­zi­ker ar­bei­te­ten bei­de in der Be­rufs- und Lauf- bahn­be­ra­tung. Dort fiel ih­nen auf, wie oft feh­len­des Wis­sen über an­ge­brach­tes Ver­hal­ten in der Er­wach­se­nen­welt zu Kon­flik­ten wäh­rend der Leh­re führ­te. «In­tel­lek­tu­el­le und fach­spe­zi­fi- sche Fä­hig­kei­ten sind eben nur ei­ne Sei­te, ver­mehrt sind auch Soft Skills ge­for­dert», sagt Hun­zi­ker. «Bei uns dreht sich al­les um So­zia­les und Zwi­schen­mensch­li­ches.»

In der sti­ckig heis­sen Gibb, der Ge­werb­lich-In­dus­tri­el­len Be­rufs­schu­le Bern, ler­nen rund zwan­zig Ler­nen­de im ers­ten Lehr­jahr, was Kör­per­spra­che mit­teilt. Mit ei­nem Schau­spie­ler

Das Be­steck be­nutzt man in der Rei­hen­fol­ge von aussen nach in­nen: Die Ler­nen­den Thier­ry Mo­si­mann, Alex­an­dra Boh­ren

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