Der Plan B des Bun­des­rats sorgt für Un­si­cher­heit

Berner Zeitung (Emmental) - - Schweiz -

Die Chan­cen sind ge­stie­gen, dass die EU die Schwei­zer Bör­se drang­sa­liert – und die Re­gie­rung da­ge­gen­hält.

Ein Han­dels­krieg zwi­schen der Schweiz und der EU? Ent­spre­chen­de Be­fürch­tun­gen kur­sie­ren, seit die EU-Kom­mis­si­on im De­zem­ber ei­ne un­ge­wöhn­li­che Mass­nah­me ge­gen die Schwei­zer Bör­se er­griff: Sie be­fris­te­te die An­er­ken­nung der hie­si­gen Bör­sen­re­geln auf ein Jahr und liess of­fen, ob der Be­schluss ver­län­gert wer­de. Die eu­ro­pa­po­li­ti­sche Es­ka­la­ti­on von letz­ter Wo­che hat der Fra­ge neue Dring­lich­keit ver­lie­hen.

Der Still­stand droht

Ei­ne Spre­che­rin der Kom­mis­si­on mach­te deut­lich, dass man in den Ver­hand­lun­gen um das in­sti­tu­tio­nel­le Rah­men­ab­kom­men Fort­schrit­te er­war­te: Je nach Er­geb­nis wer­de die An­er­ken­nung der Bör­se ver­län­gert oder nicht. Doch nach­dem die Ge­werk­schaf­ten am Mitt­woch kom­mu­ni­zier­ten, der EU in ent­schei­den­den Punk­ten nicht ent­ge­gen­zu­kom­men, droht beim Rah­men­ab­kom­men der Still­stand. Da­mit sind die Chan­cen ge­stie­gen, dass der Bun­des­rat En­de Jahr sei­nen Plan B ak­ti­vie­ren könn­te. Fi­nanz­mi­nis­ter Ue­li Mau­rer (SVP) hat­te im Ju­ni mit­ge­teilt, wie man re­agie­ren wür­de, wenn Brüs­sel der Schwei­zer Bör­se den Zu­gang zum EU-Markt ver­wehr­te: Den EUBör­sen soll in die­sem Fall der Han­del mit Schwei­zer Ak­ti­en un­ter­sagt wer­den.

Sind die­se aus den eu­ro­päi­schen Han­dels­plät­zen ver­schwun­den, be­nö­tigt die Schwei­zer Bör­se kei­ne An­er­ken­nung der EU mehr – und eu­ro­päi­sche Ban­ken und Ef­fek­ten­händ­ler dürf­ten wei­ter­hin Schwei­zer Ak­ti­en in der Schweiz kau­fen und ver­kau- fen: So geht je­den­falls Mau­rers Kal­kül.

Ex­tremsze­na­rio denk­bar

Doch die «Even­tu­al­mass­nah­me» (Zi­tat Bun­des­rat) dürf­te um­so mehr zu re­den ge­ben, je wahr­schein­li­cher sie wird. Die Zei­tung «Schweiz am Wo­che­n­en­de» zi­tier­te am Sams­tag be­un­ru­hig­te Stim­men, die von ei­nem «Ex­tremsze­na­rio» spre­chen.

Kri­ti­sche Re­ak­tio­nen kom­men ins­be­son­de­re auch aus der FDP, dem wich­tigs­ten Sprach­rohr der Wirt­schaft. Grund­sätz­lich sei es zwar rich­tig, dass der Bun­des­rat ei­nen Plan B er­ar­bei- te, er­klärt FDP-Prä­si­den­tin Pe­tra Gös­si auf An­fra­ge. Die mit Mau­rers Ma­nö­ver ein­her­ge­hen­de Rechts­un­si­cher­heit sei aber «ge­fähr­lich». Ge­fragt sei­en in ers­ter Li­nie Mass­nah­men zur Stär­kung des Wirt­schafts­stand­or­tes Schweiz.

In je­dem Fall muss sich der Bun­des­rat dar­auf ein­stel­len, dass die Be­wäh­rungs­pro­be bald fol­gen könn­te. In der «Sonn­tags­Zei­tung» for­der­ten die Prä­si­den­ten von SP, CVP und FDP ges­tern, die Ver­hand­lun­gen über das Rah­men­ab­kom­men zu sis­tie­ren. Ent­span­nung sieht an­ders aus.

Fa­bi­an Renz

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