Geld oh­ne schlech­tes Ge­wis­sen an­le­gen

Berner Zeitung (Emmental) - - Geld -

Mit ei­ner be­wuss­ten In­ves­ti­ti­on kön­nen An­le­ger nicht nur or­dent­li­che Ren­di­ten er­zie­len, son­dern auch Gu­tes be­wir­ken.

Al­lein der gu­te Wil­le reicht manch­mal nicht, um Gu­tes zu tun. Recht kniff­lig ist dies bei nach­hal­ti­gen An­la­gen. Al­lein schon das Wort« nach­hal­tig» ist in­ter­pre­tat ions be­dürf­tig. Man­che ver­knüp­fen es mit Öko­lo­gie, an­de­re mit Ethik oder so­zia­len Fra­gen. Und ei­ni­ge ver­ste­hen dar­un­ter gar ei­ne an­hal­tend gu­te Ren­di­te. Selbst wer sich an in­ter­na­tio­nal ak­zep­tier­ten Kri­te­ri­en ori­en­tiert, stellt öf­ters be­schämt fest, dass sein Geld zu Kon­zer­nen fliesst, die kei­nes­wegs im Ruf ste­hen, öko­lo­gisch, so­zi­al oder ethisch be­son­ders vor­bild­lich zu sein. Ei­ne kom­pro­miss­los nach­hal­ti­ge Geld­an­la­ge ist fast nicht mög­lich. Zu viel­fäl­tig sind die An­for­de­run­gen und die Ver­flech­tun­gen, un­ter an­de­rem zwi­schen Fir­men, Zu­lie­fe­rern so­wie In­ves­to­ren. Es gibt aber ei­ne Rei­he von Stra­te­gi­en, die da­zu bei­tra­gen, das ei­ge­ne Ver­mö­gen mit we­ni­ger schlech­tem Ge­wis­sen an­le­gen zu kön­nen. Die fol­gen­de Über­sicht zeigt ei­ne Aus­wahl:

Aus­sor­tie­ren

Ei­ne auch für Lai­en leicht nach­voll­zieh­ba­re Me­tho­de ist der Aus­schluss von be­stimm­ten Be­rei­chen. Fast schon stan­dard­mäs­sig ver­zich­ten nach­hal­ti­ge Fonds auf An­tei­le von Waf­fen­pro­du­zen­ten. An­le­ger kön­nen be­stimm­te The­men, ein­zel­ne Un­ter­neh­men, gan­ze Bran­chen oder auch Län­der aus ih­rem Port­fo­lio strei­chen. Wer ei­nen vom An­la­ge­be­ra­ter emp­foh­le­nen Fonds prüft, soll­te sich ge­nau nach den Aus­schluss­kri­te­ri­en er­kun­di­gen. Denn be­son­ders bei ethi­schen Fra­gen gibt es un­ter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen. Ei­ni­ge Nach­hal­tig­keits­fonds schlies­sen zum Bei­spiel Ab­trei­bungs­kli­ni­ken und Her­stel­ler von Phar­ma­zeu­ti­ka für Ab­trei­bun­gen ge­ne­rell aus. Es dürf­te An­le­ger ge­ben, die da­zu ei­ne an­de­re Po­si­ti­on ver­tre­ten, aber ihr Geld trotz­dem nach­hal­tig an­le­gen möch­ten.

Der Klas­sen­bes­te

Beim Best-in-Class-An­satz wer­den nicht ein­zel­ne Be­rei­che aus­ge­schlos­sen, son­dern Un­ter­neh­men mit­ein­an­der ver­gli­chen. In­ner­halb ei­ner Bran­che gibt es grosse Un­ter­schie­de, wenn Un­ter­neh­men zum Bei­spiel am CO2-Aus­stoss ge­mes­sen wer­den. Wer nach die­sem An­satz aus­sor­tiert, in­ves­tiert viel­leicht in No­var­tis, ob­wohl der Kon­zern erst kürz­lich mit Kor­rup­ti­ons- und Be­ste­chungs­vor­wür­fen kon­fron­tiert wur­de. Und Nah­rungs­mit­tel­her­stel­ler bie­ten zwar ei­ne at­trak­ti­ve An­la­ge, wer­den aber beim Ka­kao-An­bau im­mer wie­der mit Kin­der­ar­beit in Ver­bin­dung ge­bracht.

Den­noch soll­te die po­si­ti­ve Wir­kung die­ser An­la­ge­stra­te­gie nicht un­ter­schätzt wer­den: «Das för­dert bei Un­ter­neh­men den An­reiz, ver­mehrt nach­hal­ti­ge Kri­te­ri­en zu be­ach­ten, und führt spür­bar zu ei­nem Um­den­ken», sagt Sa­bi­ne Dö­beli, Ge­schäfts­füh­re­rin von Swiss Sustainable Fi­nan­ce. Die Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on setzt sich seit 2014 mit In­for­ma­ti­on für ein nach­hal­ti­ges Fi­nanz­ge­schäft ein. Die stei­gen­de Nach­fra­ge nach sol­chen Fi­nanz­pro­duk­ten hat da­zu bei­ge­tra­gen, dass Fir­men heu­te ein Image­pro­blem ha­ben, wenn sie kein Um­welt­be­wusst­sein ent­wi­ckeln.

The­men, die ren­tie­ren

Die Wahl ei­nes The­mas ist selbst für Lai­en leicht nach­voll­zieh­bar. Auch für nach­hal­ti­ge An­la­gen gibt es The­men­fonds, die auf be- stimm­te Be­rei­che wie Ener­gie­ef­fi­zi­enz, Um­welt­tech­no­lo­gie oder Was­ser fo­kus­sie­ren. Man­che Fi­nanz­be­ra­ter er­hof­fen sich da­von grös­se­re Op­por­tu­ni­tä­ten oder, ver­ständ­li­cher aus­ge­drückt, bes­se­re Ren­di­ten. Da Um­welt­pro­ble­me zu­neh­men, darf von In­ves­ti­tio­nen in die Lö­sung die­ser Pro­ble­me zu­min­dest län­ger­fris­tig ei­ne at­trak­ti­ve Ren­di­te er­war­tet wer­den. Ein gros­ses The­ma ist zum Bei­spiel das Was­ser. «In Chi­na und Spa­ni­en sin­ken we­gen ex­ten­si­ver Land­wirt­schaft und stei­gen­der in­dus­tri­el­ler Nut­zung die Grund­was­ser­spie­gel, Ka­li­for­ni­en kämpft ge­gen Dür­ren – da braucht es für die Was­ser­ver­sor­gung mehr In­fra­struk­tur und Auf­be­rei­tungs­an­la­gen», stellt Jan Am­rit Po­ser, Chef­stra­te­ge und Lei­ter Nach­hal­tig­keit bei der Bank J. Saf­ra Sa­ra­sin, fest.

Doch al­lein mit dem rich­ti­gen The­ma ist es nicht ge­tan. Denn längst nicht al­le The­men­fonds schnei­den bei nach­hal­ti­gen Kri­te­ri­en gut ab. Dies ist mit ein Grund da­für, dass Po­ser bei der Bank J. Saf­ra Sa­ra­sin meh­re­re hier er­wähn­te An­sät­ze kop­pelt: Die ein­gangs er­wähn­ten Aus­schluss­kri­te­ri­en ver­hin­dern in ei­nem ers­ten Schritt Re­pu­ta­ti­ons­pro­ble­me, der Best-in­Class-An­satz ver­min­dert Ri­si­ken, in­dem die Schlech­te­ren aus­sor­tiert wer­den, und die The­men­wahl stellt gu­te Ren­di­ten si­cher. Schliess­lich folgt das im nächs­ten Ab­schnitt be­schrie­be­ne Im­pact In­ves­ting, bei dem es um die Wir­kung ei­ner Geld­an­la­ge geht. Hier muss der An­le­ger oft ab­wä­gen, ob ihm letzt­lich die Wir­kung oder die Ren­di­te wich­ti­ger ist.

Die Wir­kung zählt

Wer will, dass sein Ver­mö­gen ge­zielt zu ei­ner nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung bei­trägt, kann sich bei sei­ner Bank nach Im­pact In­ves­ting er­kun­di­gen. Sol­che An­la­gen ori­en­tie­ren sich an der Wir­kung, die ein Un­ter­neh­men er­zielt. Zum Bei­spiel ei­ne Fir­ma, die aus re­zy­klier­tem Ma­te­ri­al Pro­duk­te her­stellt, re­du­ziert Ab­fall­men­ge und Um­welt­be­las­tung. Aber auch Be­rei­che, wel­che nicht di­rekt Um­welt­fra­gen be­tref­fen, ge­hö­ren da­zu. So die Fi­nan­zie­rung von Mi­kro­kre­di­ten in Ent­wick­lungs­län­dern.

Die Al­ter­na­ti­ve Bank Schweiz setzt bei ih­ren An­la­ge­pro­duk­ten wenn im­mer mög­lich auf Im­pact In­ves­ting. An­la­ge­chef Micha­el Diaz ver­steht un­ter dem Be­griff, sich mit ei­ner In­ves­ti­ti­on in­halt­lich aus­ein­an­der­zu­set­zen und dem Kun­den in ei­ner Ge­schich­te die Wir­kung schil­dern zu kön­nen. «Trotz der wach­sen­den Po­pu­la­ri­tät sol­cher An­la­gen gibt es hier bei den meis­ten Ban­ken noch ein gros­ses Man­ko», sagt er. In neun von zehn Fäl­len könn­ten Bank­be­ra­ter im­mer noch nichts über die Wir­kung ei­nes Fi­nanz­pro­dukts sa­gen.

Bei der Al­ter­na­ti­ven Bank Schweiz hat die Nach­hal­tig­keit Prio­ri­tät vor der Ren­di­te. Doch das ei­ne muss das an­de­re nicht aus­schlies­sen: «Nach­hal­ti­ge An­la­gen brin­gen grund­sätz­lich kei­ne Ren­di­ten­ach­tei­le, im Ge­gen­teil», sagt Da­li­bor Kol­ca­va vom VZ Ver­mö­gens­zen­trum. Das zei­ge un­ter an­de­rem der Ver­gleich zwi­schen tra­di­tio­nel­len und nach­hal­ti­gen An­la­gen der in­ter­na­tio­nal an­er­kann­ten MCSI-In­dex­fa­mi­lie. Auch meh­re­re nam­haf­te Stu­di­en kom­men zum glei­chen Schluss.

Ent­schei­de be­ein­flus­sen

Die Fach­be­grif­fe «En­ga­ge­ment» oder «Ac­tive Ow­nership» um­schrei­ben Ex­per­ten oft als Dia­log zwi­schen An­le­gern und Un­ter­neh­men. Kon­kret geht es um den Ein­fluss auf Fir­men­ent­schei­de. Das ge­lingt ge­le­gent­lich. Ein Bei­spiel be­trifft mit ExxonMo­bil ei­nes der wert­volls­ten Un­ter­neh­men der Welt. Ge­gen den Wil­len des Ma­nage­ments for­der­ten ver­gan­ge­nes Jahr des­sen In­ves­to­ren, dass der Erd­öl­kon­zern die Ri­si­ken des Kli­ma­wan­dels für das ei­ge­ne Ge­schäft un­ter­su­che.

Es gibt Fonds, wel­che sich an Ak­tio­närs­ver­samm­lun­gen für nach­hal­ti­ge An­lie­gen ein­set­zen. In der Schweiz pocht zum Bei­spiel die Stif­tung Ethos im­mer wie­der auf ei­ne gu­te Un­ter­neh­mens­füh­rung. Ei­ni­ge Fonds schlies­sen sich manch­mal auch zu­sam­men, um mehr Ge­wicht zu er­hal­ten.

Bern­hard Kis­lig

Die stei­gen­de Nach­fra­ge hat da­zu bei­ge­tra­gen, dass Fir­men heu­te ein Image­pro­blem ha­ben, wenn sie kein Um­welt­be­wusst­sein ent­wi­ckeln.

Fo­to: Ca­va­lier Mi­chel (he­mis.fr)

Längst nicht al­le Un­ter­neh­men ar­bei­ten öko­lo­gisch und ethisch vor­bild­lich: Öl­raf­fi­ne­rie im fran­zö­si­schen Fos-sur-Mer.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.