Der Klas­se­be­weis auf hö­he­rem Ni­veau

Berner Zeitung (Emmental) - - Sport -

Swiss Ath­le­tics po­liert mit zwei wei­te­ren Me­dail­len die Er­folgs­bi­lanz am letz­ten EM-Tag und hält das Ni­veau von 2016.

Na­tür­lich wa­ren die Staf­fel­ren­nen zum Ab­schluss die­ser EM im Ber­li­ner Olym­pia­sta­di­on stim­mungs­mäs­sig der Hö­he­punkt – wie­der wa­ren über 40 000 Zu­schau­er und un­ter ih­nen Tau­sen­de Schwei­zer ge­kom­men und ver­ab­schie­de­ten nun die Ath­le­tin­nen und Ath­le­ten mit Ova­tio­nen. Die Deut­schen wa­ren ei­ne Wo­che lang gu­te und fach­kun­di­ge Gast­ge­ber ge­we­sen, auch wenn or­ga­ni­sa­to­risch und tech­nisch nicht im­mer al­les ge­klappt und ge­klun­gen hat­te.

Dass das Schwei­zer Frau­en­Staf­fel-Quar­tett in die­ser auf­ge­heiz­ten, eu­pho­ri­schen At­mo­sphä­re von den Ein­hei­mi­schen auf der Ziel­ge­ra­den noch auf Platz 4 ver­drängt wur­de, war für die WM-Fünf­ten des ver­gan­ge­nen Jah­res ei­ne grosse Ent­täu­schung. Aber in die­sem Mo­ment wog der Coup ei­ner an­de­ren Schwei­ze­rin viel schwe­rer: Nur Mi­nu­ten zu­vor hat­te Fa­bi­en­ne Schlumpf über 3000 m Steep­le Sil­ber ge­won­nen. Die 27-Jäh­ri­ge krön­te mit ih­rer sou­ve­rä­nen Leis­tung ei­nen Sonn­tag, den Ta­desse Abra­ham über Mit­tag mit der Sil­ber­me­dail­le im Ma­ra­thon er­folg­reich lan­ciert hat­te.

Schwung von 2014 ge­nutzt

Mit vier Me­dail­len, ei­ner gol­de­nen, zwei sil­ber­nen und ei­ner bron­ze­nen so­wie acht Top-8Plät­zen be­en­de­ten die Schwei­zer die EM ähn­lich er­folg­reich wie je­ne vor zwei Jah­ren – mit ei­nem Klas­se­be­weis. Swiss Ath­le­tics ist es ge­lun­gen, den Schwung wei­ter zu nut­zen, den ur­sprüng­lich die Heim-EM 2014 ver­lie­hen hat­te. Und dem Ver­band ist auch ge­lun­gen, den un­säg­li­chen Fall Pas­cal Man­ci­ni mit dem Li­zenz­ent­zug recht­zei­tig in den Hin­ter­grund zu rü­cken. Der Sprin­ter hat­te die un­mit­tel­ba­re Vor­be­rei­tung mit sei­nen rechts­ex­tre­men Face­boo­kIn­hal­ten emp­find­lich ge­stört.

Dass die EM in Ber­lin auf hö­he­rem Ni­veau statt­fin­den wür­de als 2016 (mit fünf Me­dail­len), war zu er­war­ten ge­we­sen. Da­mals folg­ten drei Mo­na­te spä­ter die Olym­pi­schen Spie­le, der Fo­kus lag bei vie­len auf Rio. In die­sem Licht er­scheint die Bi­lanz der Schwei­zer noch bes­ser. Und mit Lea

Für ei­nen Ex­ploit an Ti­tel­kämp­fen fehlt den Schwei­zern wohl ei­ne ge­wis­se Gross­spu­rig­keit.

Sprun­ger hat Swiss Ath­le­tics ei­ne Eu­ro­pa­meis­te­rin mit Zu­kunft und Per­spek­ti­ven. Als 28-Jäh­ri­ge hat sie sich als letz­tes Ziel die Spie­le in To­kio 2020 ge­setzt. Nicht aus­schlies­sen will sie, dass sie in ih­ren letz­ten Kar­rie­re­jah­ren den Dop­pel­start wagt – über 400 m Hür­den und 400 m flach.

Was die Er­war­tun­gen an die­se Ti­tel­kämp­fe be­trifft, wa­ren sie ganz eng mit ei­nem Na­men ver­bun­den: mit Mu­jin­ga Kam­bund­ji. Aber nicht ein­mal ei­ne Staf­fel­me­dail­le hät­te sie wohl über ih­re bei­den vier­ten Plät­ze in den Ein­zel­sprints hin­weg­ge­trös­tet. Die An­sprü­che und Zie­le der Ber­ne­rin wa­ren hoch ge­we­sen, leis­tungs­mäs­sig ist sie die­sen mit ih­rer zweit­bes­ten Zeit über 200 m und der dritt­bes­ten über 100 m ge- recht ge­wor­den – rang­mäs­sig ha­ben sich die Ef­forts aber nicht aus­be­zahlt. In Ams­ter­dam hät­ten ih­re Zei­ten zu zwei Sil­ber­me­dail­len ge­führt. Ih­re Sai­son ist mit ih­rem hoch­ste­hen­den Schwei­zer Re­kord (10,95) und Bron­ze an der Hal­len-WM den­noch er­folg­reich, doch dürf­te Kam­bund­ji hin­sicht­lich der nächst­jäh­ri­gen WM in Do­ha ge­warnt sein: Ih­re noch im­mer nicht ganz ge­klär­te Trai­ner­si­tua­ti­on be­darf ei­ner Lö­sung.

All­ge­mein lässt sich sa­gen: Die meis­ten der Rou­ti­niers meis­ter­ten ih­re Auf­ga­ben er­folg­reich. Abra­ham ge­wann in­nert zwei Jah­ren die drit­te EM-Me­dail­le, Alex Wil­son setz­te sei­nen in den letz­ten Jah­ren er­höh­ten Auf­wand um, und doch ver­misst man – ab­ge­se­hen von der nach­no­mi- nier­ten 800-m-Läu­fe­rin Lo­re Hoff­mann (22), die an ih­rer ers­ten Eli­te-EM in den Halb­fi­nal stürm­te – ei­nen Ex­ploit. Da­für fehlt den Schwei­zern an Ti­tel­kämp­fen wohl ein­fach ei­ne ge­wis­se Gross­spu­rig­keit.

Den Jun­gen kann man kei­nen Vor­wurf ma­chen. Sie hat­ten ih­ren Sai­son­hö­he­punkt frü­her, an Ti­tel­kämp­fen ih­rer Al­ters­ka­te­go­rie. Oder über­rasch­ten in Ber­lin so­gar wie Yas­min Gi­ger (19) über 400 m Hür­den mit ih­rem U-20-Eu­ro­pa­re­kord. Über­haupt die 400 m Hür­den: Es ist die Dis­zi­plin, in der auch Leis­tungs­sport­chef Pe­ter Haas einst ak­tiv war. Nun stell­te er – im letz­ten Jahr in die­ser Funk­ti­on – ge­nüss­lich fest, dass seit 2014 ge­nau da sie­ben Me­dail­len ge­won­nen wur­den (Hus­sein zwei, Sprun­ger zwei, Gi­ger drei). Und wer­weiss­te, ob sein Nach­fol­ger, der eins­ti­ge 5000-m-Läu­fer Phil­ip­pe Ban­di, einst wohl Ähn­li­ches vor­wei­sen kön­ne. An­ge­wie­sen wä­re er auf Ju­li­en Wan­ders. So mu­tig wie in die­ser Wo­che, nur fri­scher.

Mo­ni­ca Schnei­der, Ber­lin

Die Schwei­zer Me­dail­len

Fo­to: Wal­ter Bie­ri (Keysto­ne)

Fa­bi­en­ne Schlumpf be­schliesst ihn mit Rang 2 im Steep­le, nach­dem Ta­desse Abra­ham zu­vor im Ma­ra­thon Zwei­ter ge­wor­den war.

Sil­ber­ner Schwei­zer Sonn­tag:

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