Haa­ri­ge Gäs­te

An die­sem Wo­che­n­en­de fin­det in der Markt­hal­le die all­jähr­li­che in­ter­na­tio­na­le Kat­zen­aus­stel­lung statt. Rund 120 Aus­stel­ler aus ganz Eu­ro­pa müs­sen auch ir­gend­wo über­nach­ten. Die Meis­ten von ih­nen kom­men im Ho­tel Berch­told un­ter.

Berner Zeitung (Emmental) - - Vorderseite -

An die­sem Wo­che­n­en­de geht wie­der­um die in­ter­na­tio­na­le Kat­zen­aus­stel­lung über die Büh­ne. 120 Aus­stel­ler aus ganz Eu­ro­pa zei­gen ih­re Vier­bei­ner. Klar, dass die Hal­ter und ih­re ed­len Tie­re an so ei­nem Wo­che­n­en­de auch gut ge­bet­tet sein wol­len. Seit Jah­ren kom­men sie im Ho­tel Berch­told un­ter. Dort freut man sich über die il­lus­tren Gäs­te. Sie be­deu­ten auch er­staun­lich we­nig Auf­wand. Nur ei­ne zu­sätz­li­che Per­son für die Zim­mer­rei­ni­gung muss je­weils ein­ge­teilt werden. We­gen der Kat­zen­haa­re.

Nein, Vor­fäl­le ha­be es noch kei­ne ge­ge­ben, sagt Hans­pe­ter Zim­mer, Di­rek­tor des Ho­tels Berch­told an der Burg­dor­fer Bahn­hof­stras­se. Ein Schmun­zeln kann er sich nicht ver­knei­fen. «Für uns sind es Gäs­te wie al­le an­de­ren auch.» Al­so die Hal­ter, nicht die Tie­re.

An die­sem Wo­che­n­en­de fin­det in der Markt­hal­le die all­jähr­li­che in­ter­na­tio­na­le und hoch­of­fi­zi­el­le Kat­zen­aus­stel­lung statt. An bei­den Ta­gen werden je rund 200 Tie­re zu se­hen sein. In vier Ka­te­go­ri­en auf­ge­teilt, werden die Vier­bei­ner von Rich­tern be­wer­tet. Wie das von­stat­ten­geht, weiss Jürg Kel­ler. Er ist Prä­si­dent des Kat­zen- und Edel­kat­zen­clubs Bern, der den An­lass or­ga­ni­siert. Für je­de von den rund 45 Ras­sen ge­be es ei­nen Stan­dard, wie sie aus­zu­se­hen ha­be. Je nä­her ein Tier an die­sem Stan­dard sei, des­to grös­ser sei die Chan­ce, ins fi­na­le Schau­lau­fen zu kom­men. Am En­de werden die schöns­ten 25 Kat­zen ge­kürt.

Doch nicht nur rein­ras­si­ge Zucht­kat­zen stel­len sich der Ju­ry. In der Klas­se «Haus­kat­ze» kann der Aus­stel­ler auch sei­nen pri­va­ten Stu­ben­ti­ger ins Ren­nen um den Schön­heits­preis schi­cken. Ein­zi­ge Auf­la­ge: die Mit­glied­schaft in ei­nem Kat­zen­club.

Auch ein Mot­to darf na­tür­lich nicht feh­len. In die­sem Jahr heisst es Pi­ra­ten. Was da ge­nau zu er­war­ten ist, weiss Kel­ler nicht. Er freut sich aber schon auf krea­tiv ge­schmück­te Kat­zen­kör­be. To­tal 120 Aus­stel­ler werden ih­re Tie­re prä­sen­tie­ren. 80 Pro­zent von ih­nen kom­men aus der Schweiz, der Rest aus Deutsch­land, Frank­reich, Ita­li­en, Hol­land, aus Por­tu­gal und so­gar aus Weissrussland. Bis zu 1500 Be­su­che­rin­nen und Be­su­cher kön­ne der An­lass schon an­lo­cken, meint Kel­ler, je nach Wet­ter halt.

Klar, dass die­se Edel­tie­re und ih­re dis­tin­gu­ier­ten Hal­ter an so ei­nem auf­rei­ben­den Wo­che­n­en­de auch gut ge­bet­tet sein wol­len. Seit min­des­tens sechs Jah-

ren ist das Ho­tel Berch­told die be­vor­zug­te Un­ter­kunft. Di­rek­tor Hans­pe­ter Zim­mer­mann kommt das äus­serst ge­le­gen, da sein Bu­si­ness­ho­tel am Wo­che­n­en­de doch eher schlecht als recht aus­ge­las­tet ist.

Und so­wie­so sind dort Haus­tie­re durch­aus will­kom­men. «Es kommt im­mer wie­der mal vor, dass Bu­si­ness­gäs­te ih­re Hun­de mit­brin­gen, weil sie sie nir­gends sonst un­ter­brin­gen konn­ten», sagt Zim­mer­mann. Al­le 36 Zim­mer sind an die­sem Wo­che­n­en­de be­legt. Min­des­tens 80 Pro­zent der Gäs­te ha­ben Kat­zen da­bei. Für Zim­mer­mann und sein Team be­deu­tet das er­staun­lich we­nig Auf­wand. An­ders, als man das viel­leicht den­ken wür­de, sind die Gäs­te nicht an­spruchs­vol­ler als an­de­re — we­der die vier- noch die zwei­bei­ni­gen. Es gibt we­der Spe­zi­al­wün­sche noch ex­tra Edel­kat-

zen-Spei­se­kar­ten, wie das in Fünf­stern­ho­tels laut Zim­mer­mann durch­aus vor­kommt. «Un­se­re Gäs­te wis­sen am bes­ten, was für ih­re Tie­re gut ist, und brin­gen das sel­ber mit», sagt er. «Das Ri­si­ko wä­re wohl auch zu gross, dem ed­len Tier den Ma­gen zu ver­der­ben.» Und auch Kat­zen­kist­chen muss das Ho­tel kei­ne be­reit­stel­len.

Doch ein we­nig mehr zu tun gibt es dann eben schon. Ein­mal im Zim­mer an­ge­kom­men, müs­sen die Kat­zen näm­lich nicht in ih­ren Körb­chen blei­ben und dür­fen sich frei be­we­gen, was wie­der­um die Putz­zeit der Räu­me um bis zu ei­ne hal­be St­un­de ver­län­gert. «Je nach­dem, wie lang halt die Haa­re sind», sagt Zim­mer­mann. Des­halb ist für die zwei Ta­ge ei­ne zu­sätz­li­che Per­son für die Rei­ni­gung ein­ge­teilt. Al­les in al­lem ist die Kat­zen­aus­stel­lung für das

Ho­tel Berch­told und für die Stadt aber ei­ne «gu­te Ge­schich­te», wie Zim­mer­mann sagt.

Die an­de­ren Ho­tels in Burg­dorf spü­ren üb­ri­gens kaum et­was vom Kat­zen­an­sturm. Im Or­chi­dee weiss die Ré­cep­tio­nis­tin nichts von Gäs­ten mit Kat­zen, im Stadt­haus gab es eben­falls nie­man­den mit ei­ner «spe­zi­fi­schen Re­ser­vie­rung». Im Land­haus hat sich nur ein Gast mit ei­ner Kat­ze an­ge­mel­det, da­für mit Me­nüwunsch. Für den An­rei­se­tag sor­ge die Frau noch sel­ber für die Ver­pfle­gung, ist vom Emp­fang zu er­fah­ren. Da­mit das Tier aber auch am Sonn­tag noch ei­ne war­me Mahl­zeit be­kom­me, ha­be die Frau po­chier­te Pou­let­schen­kel oh­ne Salz vor­be­stellt. Um was für ein ed­les Ge­schöpf es sich bei der Kat­ze han­delt, war nicht in Er­fah­rung zu brin­gen.

Mar­tin Burk­hal­ter

«Un­se­re Gäs­te wis­sen am bes­ten, was für ih­re Tie­re gut ist, und brin­gen das Es­sen sel­ber mit.»

Hans­pe­ter Zim­mer­mann, Di­rek­tor Ho­tel Berch­told

Fo­to: Olaf Nör­ren­berg

Ges­tern war die gros­se An­kunft: Auch Bar­ba­ra Mai­ni­ni aus Ita­li­en check­te mit ih­rer Rag­doll-Kat­ze ein.

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