UBS wagt Ho­sen­lupf mit US-Jus­tiz

Statt wie an­de­re Ban­ken zu­vor ei­ne Kla­ge we­gen fau­ler Hy­po­the­ken­pa­pie­re mit ei­ner Zah­lung aus der Welt zu schaf­fen, wagt die Gross­bank den Gang an die Ge­rich­te.

Berner Zeitung (Emmental) - - Vorderseite - Hol­ger Alich

Im Streit mit den Ver­ei­nig­ten Staa­ten we­gen Hy­po­the­ken­ge­schäf­ten vor der USIm­mo­bi­li­en­kri­se nimmt die UBS ei­nen Pro­zess in Kauf und weist Vor­wür­fe des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums zu­rück. Falls sie ver­lö­re, droh­te Scha­den­er­satz in Mil­li­ar­den­hö­he. Im Steu­er­hin­ter­zie­hungs­pro­zess in Frank­reich for­dert die Staats­an­walt­schaft der­weil ei­ne Geld­stra­fe von 3,7 Mil­li­ar­den Eu­ro.

UBS-Chef­ju­rist Mar­kus Die­thelm ist so et­was wie der obers­te Feu­er­wehr­mann von Bank­chef Ser­gio Er­mot­ti. Im­mer wenn die UBS ir­gend­wo Är­ger hat, rückt der pro­mo­vier­te Ju­rist aus und ver­sucht, den Scha­den zu be­gren­zen. Bei Streit­fäl­len wie dem Steu­er­ver­fah­ren in den USA oder je­nem zu den Ma­ni­pu­la­tio­nen des Li­bor­zin­ses such­te Die­thelm im­mer die schnel­le Ei­ni­gung.

Nun än­dert er sei­ne Tak­tik. Und lässt es gleich bei zwei mil­li­ar­den­schwe­ren Rechts­fäl­len auf ei­nen Pro­zess an­kom­men. In Frank­reich wehrt sich die UBS vor dem Pa­ri­ser Straf­ge­richt ge­gen den Vor­wurf der Geld­wä­sche und der un­er­laub­ten Kun­den­an­wer­bung. Nun legt sich Die­thelm mit ei­nem noch ge­fähr­li­che­ren Geg­ner vor Ge­richt an: dem US-Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um. Es droht ei­ne jah­re­lan­ge Hän­ge­par­tie und am En­de mög­li­cher­wei­se ein Ur­teil für ei­nen mil­li­ar­den­schwe­ren Scha­den­er­satz.

Kun­den nicht auf­ge­klärt

Beim Streit geht es um den Vor­wurf, dass die UBS beim Ver­kauf von An­lei­hen, die mit US-Hy­po­the­ken be­si­chert wa­ren, die Kun­den nicht aus­rei­chend über die Ri­si­ken auf­ge­klärt ha­be. Vor der Kri­se be­kam in den USA fak­tisch je­der ei­ne Hy­po­thek. Als Si­cher­heit dien­te das Haus. Ban­ken ver­pack­ten ris­kan­te Kre­di­te mit so­li­de­ren Hy­po­the­ken in Wert­pa­pie­re. Als die Im­mo­bi­li­en­bla­se in den USA platz­te, ver­lo­ren die­se Pa­pie­re mas­siv an Wert.

Das US-Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um stellt sich auf den Stand­punkt, die Ban­ken hät­ten die In­ves­to­ren im Un­kla­ren über die Ver­lust­ri­si­ken ge­las­sen. Ins­ge­samt hat das Mi­nis­te­ri­um 13 Ban­ken des­we­gen ver­klagt. Da­bei hat es über 158,9 Mil­li­ar­den Dol­lar bei Ver­glei­chen her­aus­ge­schla­gen.

Die UBS ist nun die letz­te gros­se Bank, die den Hy­po­the­ken­streit auf­ar­bei­ten muss. Und stellt sich quer: Die Vor­wür­fe des US-Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums sei­en «nicht durch die Fak­ten oder das Ge­setz ge­deckt», teil­te die Gross­bank mit. Die Ver­tei­di­gung stützt sich dar­auf, dass die UBS nie ein wich­ti­ger Play­er beim Ver­pa­cken und Ver­kau­fen der Hy­po­the­ken­pa­pie­re war. Der Ge­samt­markt um­fasst rund 5 Bil­lio­nen Dol­lar. Die UBS ha­be al­len­falls Wert­pa­pie­re über 1,5 Mil­li­ar­den Dol­lar da­von her­aus­ge­ge­ben, er­klärt ein In­si­der.

Die US-Kla­ge stützt sich dem Ver­neh­men nach auf 40 An­lei­hen­trans­ak­tio­nen. 39 die­ser Pa­pie­re ha­be die UBS selbst in den Bü­chern be­hal­ten – und wä­re an sol­chen In­vest­ments bei­na­he zu­grun­de ge­gan­gen. «Die­ser Fakt al­lein ne­giert die The­se, dass die UBS ab­sicht­lich be­trü­ge­risch vor­ging», heisst es von der Bank.

Ne­ben der UBS hat es bis­her nur die bri­ti­sche Bank Bar­clays ge­wagt, es auf ei­nen Pro­zess an- kom­men zu las­sen. Im März hat dann aber auch Bar­clays ei­nem Ver­gleich über 2 Mil­li­ar­den Dol­lar zu­ge­stimmt. Die Ana­lys­ten von Mor­gan St­an­ley schät­zen den Preis für ei­ne Ei­ni­gung bei der UBS eben­falls auf 2 Mil­li­ar­den Dol­lar.

Die Un­si­cher­heit be­las­tet

Im Un­ter­schied zum US-Steu­er­ver­fah­ren kann sich UBS-Ju­rist Die­thelm bei der Hy­po­the­ken­kla­ge er­lau­ben, das Ri­si­ko ei­nes Pro­zes­ses ein­zu­ge­hen. Denn es geht hier­bei nur um ei­ne Zi­vil­kla­ge, nicht um ei­ne Straf­kla­ge, die den Zu­sam­men­bruch der Bank zur Fol­ge ha­ben könn­te.

Be­las­tend ist der Zi­vil­pro­zess den­noch. Ein Top­ju­rist sagt: «So ein Ver­fah­ren wird sich über Jah­re hin­zie­hen.» Der Pro­zess dürf­te frü­hes­tens 2021 be­gin­nen. An­le­ger mö­gen sol­che jah­re­lan­gen Un­si­cher­hei­ten nicht; da­her ha­ben die meis­ten Ban­ken in ver­gleich­ba­ren Fäl­len ge­zahlt. So die Cre­dit Suis­se. Sie stimm­te im Ja­nu­ar 2017 ei­nem Ver­gleich im Hy­po­ver­fah­ren zu, der zwei Ele­men­te hat­te: zum ei­nen ei­ne Scha­den­er­satz­zah­lung über 2,48 Mil­li­ar­den Dol­lar, zum an­de­ren Kun­den­ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen über 2,8 Mil­li­ar­den Dol­lar. Doch de fac­to kom­men Ban­ken bei die­sen Kun­den­ent­schä­di­gun­gen güns­ti­ger weg. So auch die Cre­dit Suis­se, wie ein Blick in die Rück­stel­lun­gen er­gibt. Dort ver­buch­te die Bank für die Kos­ten der Ei­ni­gung nur 2,6 Mil­li­ar­den Dol­lar. Das ist im­mer noch viel Geld. Fi­nanz­krei- se ver­wei­sen aber dar­auf, dass die Cre­dit Suis­se nicht die Op­ti­on hat­te, sich auf ei­nen lang­wie­ri­gen Rechts­streit ein­zu­las­sen. Denn 2017 steck­te die Bank in­mit­ten ih­res Um­baus und be­rei­te­te ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung und den Bör­sen­gang des Schwei­zGe­schäfts vor. Statt die­ser teu­ren Si­cher­heit zieht die UBS nun ei­ne Pha­se der Un­si­cher­heit vor. Ob das Kal­kül von Mar­kus Die­thelm auf­geht, liegt nun bald in den Hän­den der Ge­schwo­re­nen.

Fo­to: Reu­ters

Die US-Zi­vil­kla­ge ist nicht ge­schäfts­ge­fähr­dend: Kon­zern­chef Ser­gio Er­mot­ti geht das Ri­si­ko ei­nes Pro­zes­ses ein.

Fo­to: PD

Mar­kus Die­thelm, Chef­ju­rist der UBS, ist ge­for­dert.

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