«Die Selbst­kon­trol­le hat ver­sagt»

Spe­sen Der Gen­fer Stadt­prä­si­dent äus­sert sich zu den ho­hen Spe­sen der Stadt­rä­te.

Berner Zeitung (Emmental) - - Schweiz - Sa­mi Ka­na­an

Cock­tails in ei­ner Ka­rao­ke­bar, Ta­xi­fahr­ten an Pri­vat­adres­sen, Pri­vatdin­ner und ex­or­bi­tan­te Han­dy­rech­nun­gen: Der Gen­fer Rech­nungs­hof hat die Spe­sen­rech­nun­gen der fünf Gen­fer Stadt­rä­te fürs ver­gan­ge­ne Jahr durch­leuch­tet. Die Ex­zes­se wa­ren zahl­reich, wor­auf die Stadt­re­gie­rung sämt­li­che Spe­sen der letz­ten zehn Jah­re pu­bli­zier­te. Jähr­li­che Spe­sen von über 40 000 Fran­ken wa­ren kei­ne Sel­ten­heit.

Herr Ka­na­an, auch Ih­re Spe­sen fal­len im Be­richt des Rech­nungs­hofs auf. Seit Ih­rem Amts­an­tritt 2011 ver­rech­ne­ten Sie im Schnitt 29 000 Fran­ken pro Jahr, trotz ei­ner Spe­sen­pau­scha­le von 13 200 Fran­ken. Wenn der Ver­dacht auf­kommt, öf­fent­li­ches Geld sei nicht sach­ge­recht aus­ge­ge­ben wor­den, sind star­ke Re­ak­tio­nen ver­ständ­lich. Im Ver­gleich zum Ge­samt­bud­get der Stadt sind das kei­ne enor­men Be­trä­ge. Aber es geht um Spe­sen, wo­mit wir in un­se­rem Ver­hal­ten bei­spiel­haft sein müs­sen. Wir Stadt­rä­te setz­ten auf Selbst­kon­trol­le, Ver­trau­en und den ge­sun­den Men­schen­ver­stand, was of­fen­sicht­lich nicht ge­nügt. Der Be­richt des Rech­nungs­hofs hat uns die Au­gen ge­öff­net. Wir ha­ben Mass­nah­men ge­trof­fen. Die Spe­sen wer­den sin­ken. Das ha­be ich dank des Be­richts des Rech­nungs­ho­fes er­fah­ren. Das mit der Selbst­dis­zi­plin hat bei ge­wis­sen Kol­le­gen nicht funk­tio­niert und ist höchst be­dau­er­lich.

Ist das feh­len­der Re­spekt ge­gen­über dem Amt?

In den spe­zi­fi­schen, im Be­richt er­wähn­ten Fäl­len kann man das so sa­gen.

Wenn Ihr Kol­le­ge Guil­lau­me Ba­raz­zo­ne er­klärt, er ver­wechs­le sei­ne pri­va­te Kre­dit­kar­te manch­mal mit je­ner der Stadt, weil sie gleich aus­se­he und er den­sel­ben Pin ver­wen­de, fragt man sich: Wie ist er fä­hig, ein De­par­te­ment zu füh­ren? Sei­ne Er­klä­rung ist ab­surd. Ich ha­be ihm das auch ge­sagt. Spä­tes­tens am Schluss des ers­ten Mo­nats soll­te man mer­ken, was man be­zahlt hat und was auf der Kre­dit­kar­ten­ab­rech­nung fehlt.

Da­zu kommt, dass Herr Ba­raz­zo­ne sein Ho­no­rar als Na­tio­nal­rat be­hal­ten darf.

Es stimmt, dass er der Stadt für sein Dop­pel­man­dat nichts ab­gibt. Der Stadt­rat ist ein Voll­zeit­man­dat. An sich sind sol­che Dop­pel­man­da­te we­der vor­ge­se­hen noch sinn­voll.

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