Nicht mehr bei der Ge­mein­de vor­spre­chen

Ab Fe­bru­ar kön­nen sich Neu­zu­zü­ger on­li­ne an­mel­den.

Berner Zeitung (Emmental) - - Erste Seite - (ue)

Ein Um­zug bringt ei­ni­ges an Auf­wand mit sich. Und sind die Kis­ten erst ein­mal al­le aus­ge­packt, gilt es, sich noch bei der Ge­mein­de an­zu­mel­den. Zu Bü­ro­zei­ten, ver­steht sich. In Ober­burg wird das An­mel­de­pro­ze­de­re ab An­fang Fe­bru­ar 2019 nicht mehr mit ei­nem Be­such bei der Ver­wal­tung ver­bun­den sein. Die For­ma­li­tä­ten kön­nen von zu Hau­se aus am Com­pu­ter er­le­digt wer­den.

Die Ge­mein­de be­tei­ligt sich näm­lich als ein­zi­ge im Em­men­tal an ei­nem Pi­lot­ver­such des Kan­tons Bern. Wird der Ver­such zum Er­folg, könn­te man sich dem­nächst auch in an­de­ren Ge­mein­den mit ein paar Klicks on­li­ne an­mel­den.

Sei­te 3

Mit Müh­sal ver­bun­den ist ein Um­zug. Ist ei­ne neue Woh­nung ge­fun­den, muss der Trans­port der Mö­bel or­ga­ni­siert wer­den. Und zu gu­ter Letzt holt man bei der bis­he­ri­gen Wohn­ge­mein­de den Hei­mat­schein, um die­sen dann am neu­en Wohn­ort wie­der bei der Ver­wal­tung ab­zu­ge­ben und ei­ne Ge­bühr von 20 Fran­ken zu ent­rich­ten. Ab 1. Fe­bru­ar 2019 wird die­ses Pro­ze­de­re in Ober­burg deut­lich ver­ein­facht: Die Um­zugs­for­ma­li­tä­ten kön­nen elek­tro­nisch er­le­digt wer­den. Die­se Neue­rung gilt dann wäh­rend neun Mo­na­ten. So lan­ge dau­ert der Pi­lot­ver­such, an dem sich ne­ben Ober­burg auch Lan­gen­thal, Bä­ris­wil, Münsingen, St­ef­fis­burg, Thun, Woh­len und Zol­lik­ofen be­tei­li­gen wer­den. War­um sei­ne Ge­mein­de als ein­zi­ge im Em­men­tal vom Kan­ton für die­sen Ver­such an­ge­fragt wor­den ist, weiss Mar­tin Zur­flüh nicht. Aber: «Wir sind Neu­em ge­gen­über ge­ne­rell of­fen. So ge­hö­ren wir auch bei den elek­tro­ni­schen Bau­ge­su­chen zu den Pi­lot­ge­mein­den.» Für den Ge­mein­de­ver­wal­ter ist klar, dass es ein Vor­teil ist, wenn man als Pi­lot­ge­mein­de da­bei sein kann: «So kön­nen wir von An­fang an mit­re­den und Ver­bes­se­run­gen an­re­gen.»

Ge­bühr per Kre­dit­kar­te

Heu­te müs­sen sich Bür­ge­rin­nen und Bür­ger im Kan­ton Bern bei ei­nem Um­zug zwin­gend per­sön­lich bei der neu­en Wohn­ge­mein­de an­mel­den. So schreibt es das Ge­setz über Nie­der­las­sung und Auf­ent­halt vor. Der Re­gie­rungs­rat ist nun al­ler­dings auf­grund des «ge­sell­schaft­li­chen Wan­dels und des Stands der In­for­ma­tik» zum Schluss ge­kom­men, dass die bis­he­ri­ge Pra­xis nicht mehr zeit­ge­mäss sei. Des­halb hat die Kan­tons­re­gie­rung ei­ne Ver­suchs­ver­ord­nung zum elek­tro­ni­schen Um­zug er­las­sen. Wer sich al­so ab Fe­bru­ar des nächs­ten Jah­res in ei­ner der acht ge­nann­ten Kom­mu­nen nie­der­lässt, muss nicht mehr bei der Ver­wal­tung vor­spre­chen, son­dern kann die Um­zugs­for­ma­li­tä­ten on­li­ne er­le­di­gen. Der Hei­mat­schein kann per Post zu­ge­stellt wer­den. Wer zwi­schen zwei Pi­lot­ge­mein­den um­zieht, muss sich nicht ein­mal um den Hei­mat­schein küm­mern. Zu­dem kann die Ge­bühr von 20 Fran­ken mit­tels Kre­dit­kar­te be­gli­chen wer­den.

Kaum Kon­takt zu Zu­zü­gern

Die Ein­spa­rung von Kos­ten sei nicht das pri­mä­re Ziel der elek­tro­ni­schen An­mel­dung, son­dern die Kun­den­freund­lich­keit, sagt Mar­tin Zur­flüh: «Fle­xi­bi­li­tät und Un­ab­hän­gig­keit sind ge­fragt.» Nur: Geht als Fol­ge die­ser An­ony­mi­sie­rung nicht der Kon­takt mit den Zu­ge­zo­ge­nen ver­lo­ren? Ei­ne per­sön­li­che Bin­dung sei zwar ei­ne Ide­al­vor­stel­lung, die heu­te aber nicht mehr der Rea­li­tät ent­spre­che, meint der Ge­mein­de­ver­wal­ter. Denn: «Bei ei­ner Ge­mein­de mit 3000 und mehr Ein­woh­nern sieht man die Zu­zie­hen­den meist nur dann, wenn sie sich an­mel­den und den Hei­mat­schein ab­ge­ben. Da­nach ha­ben wir kei­nen Kon­takt mehr.»

Der Da­ten­schutz

Ei­nen ers­ten Schritt in Rich­tung Di­gi­ta­li­sie­rung hat Ober­burg in die­sem Be­reich oh­ne­hin be­reits ge­tan: Schon heu­te kann man sich on­li­ne an­mel­den, muss je­doch noch per­sön­lich bei der Ver­wal­tung vor­spre­chen.

Im Rah­men des Pi­lot­ver­suchs sol­len in ers­ter Li­nie die An­for­de­run­gen an die Tech­nik, die In­for­ma­ti­ons­si­cher­heit und der Da­ten­schutz ge­prüft wer­den. Zu­dem wer­den die ad­mi­nis­tra­ti­ven Ab­läu­fe ge­tes­tet und die Ak­zep­tanz bei den Be­trof­fe­nen er­mit­telt. Der Re­gie­rungs­rat wird ge­stützt auf ei­nen von der Ver­wal­tung zu er­ar­bei­ten­den Con­trol­ling- und Eva­lua­ti­ons­be­richt ent­schei­den, ob der elek­tro­ni­sche Um­zug im or­dent­li­chen Recht ver­an­kert wer­den soll. Neu­land wür­de Bern da­mit nicht be­tre­ten. In den Kan­to­nen Uri, Zug, Zü­rich und in Tei­len des Aar­g­aus kön­nen die Um­zugs­for­ma­li­tä­ten längst elek­tro­nisch er­le­digt wer­den. So­fern im Kan­ton Bern wäh­rend des Pi­lot­ver­suchs kei­ne gros­sen tech­ni­schen und da­ten­schüt­ze­ri­schen Pro­ble­me auf­tre­ten, wird die Ver­suchs­pha­se für sämt­li­che in­ter­es­sier­ten Ge­mein­den ge­öff­net.

Die An­for­de­run­gen

Wenn die Ge­mein­den An­for­de­run­gen an die Soft­ware und die Web­site er­fül­len so­wie die Schu­lung des Kan­tons ab­sol­viert ha­ben, er­hal­ten sie die Zu­stim­mung zur Teil­nah­me. Der elek­tro­ni­sche Um­zug steht Schwei­zer Bür­ge­rin­nen und Bür­gern so­wie, je nach Auf­ent­halts­sta­tus, aus­län­di­schen Per­so­nen mit Wohn­sitz in der Schweiz zur Ver­fü­gung.

Fo­to:iStock

Bald müs­sen nach dem Um­zug kei­ne For­mu­la­re mehr hand­schrift­lich aus­ge­füllt wer­den.

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