«Gut, wur­de ich er­wischt»

Ein Va­ter aus dem Obe­ra­ar­gau ver­schwin­det für 42 Mo­na­te hin­ter Git­tern. Der psy­chisch an­ge­schla­ge­ne Mann hat­te sich dut­zend­fach an sei­ner Toch­ter ver­gan­gen.

Berner Zeitung (Emmental) - - Region -

Zwei­ein­halb Jah­re lang leb­te ein Obe­ra­ar­gau­er sei­ne se­xu­el­len Fan­ta­si­en an sei­ner Toch­ter aus. «Min­des­tens 30- bis 40-mal» ha­be er sich an dem Kind ver­grif­fen, heisst es in der An­kla­ge­schrift. Zum Zeit­punkt der ers­ten Vor­fäl­le war das Mäd­chen vier Jah­re jung. Wenn es je­man­dem von sei­nen «Spiel­chen» er­zäh­le, wür­de er ver­haf­tet, liess der Tä­ter das Op­fer wis­sen.

Bei ei­ner Durch­su­chung sei­nes Com­pu­ters ent­deck­ten die Er­mitt­ler Hun­der­te von Bil­dern und Fil­men, wel­che se­xu­el­le Hand­lun­gen mit Kin­dern zeig­ten. Auf ei­ner Auf­nah­me war zu se­hen, wie der Mann sei­ner Toch­ter un­ter die Un­ter­ho­se greift. Um sei­ne pä­do­phi­len Nei­gun­gen ha­be er schon vor der Ge­burt der Toch­ter ge­wusst, sag­te der An­ge­klag­te vor dem in Drei­er­be­set­zung ta­gen­den Re­gio­nal­ge­richt Em­men­tal-Obe­ra­ar­gau. Von ei­ner Be­hand­lung ha­be er je­doch ab­ge­se­hen, weil er nicht ge­wusst ha­be, wie er sei­ner ei­fer­süch­ti­gen Frau die da­für nö­ti­gen Ab­sen­zen er­klä­ren soll.

«Ich bin froh, dass ich er­wischt wur­de», gab der ge­stän­di­ge Be­schul­dig­te zu Pro­to­koll. Was er ge­tan ha­be, tue ihm sehr leid. Kon­takt zur Fa­mi­lie hat er kei­nen mehr: Die Frau hat sich von ihm ge­trennt. Sei­ne heu­te acht­jäh­ri­ge Toch­ter liess ihm über ei­ne An­wäl­tin aus­rich­ten, er ha­be ihr «das Herz ge­bro­chen». Auch die an­de­ren Kin­der wol­len nichts mehr von ihm wis­sen.

In The­ra­pie

Der Mann lebt nun in ei­nem Wohn­heim für psy­chisch er­krank­te Men­schen. Mit ei­nem Psy­cho­lo­gen ver­su­che er, zu ver­ste­hen, was da­mals wie­so pas­siert sei, sag­te er. Und si­cher­zu­stel­len, dass «so et­was nie wie­der pas­sie­ren kann». «Ver­mut­lich blei­be ich für den Rest mei­nes Le­bens in The­ra­pie», stell­te er fest.

Die Ver­tre­te­rin der Staats­an­walt­schaft kon­sta­tier­te, der Mann ha­be das Zärt­lich­keits­be­dürf­nis des Mäd­chens «rück­sichts­los aus­ge­nutzt», um sei­ne Be­dürf­nis­se zu be­frie­di­gen. Zu­gu­te zu hal­ten sei ihm die Ko­ope­ra­ti­ons­be­reit­schaft nach der Ver­haf­tung. Wäh­rend der Un­ter­su­chung des Falls ha­be der Mann sei­ne per­sön­li­chen In­ter­es­sen im­mer hin­ter je­ne des Kin­des ge­stellt.

«Das ist schlimm»

Das Ge­richt ver­ur­teil­te den nicht vor­be­straf­ten An­ge­klag­ten we­gen se­xu­el­ler Nö­ti­gung, se­xu­el­ler Hand­lun­gen mit Kin­dern und Por­no­gra­fie zu ei­ner Frei­heits­stra­fe von 42 Mo­na­ten und ord­ne­te ei­ne voll­zugs­be­glei­ten­de The­ra­pie an. Wei­ter un­ter­sag­te es ihm für die nächs­ten zehn Jah­re je­de be­ruf­li­che und or­ga­ni­sier­te aus­ser­be­ruf­li­che Tä­tig­keit, die ei­nen re­gel­mäs­si­gen Kon­takt zu Min­der­jäh­ri­gen um­fasst. Die Ver­fah­rens­kos­ten von knapp 40 000 Fran­ken muss der Mann be­zah­len, so­bald er sei­nen Schul­den­berg in sechs­stel­li­ger Hö­he ab­ge­tra­gen hat. Der Pro­zess wur­de als ab­ge­kürz­tes Ver­fah­ren ab­ge­wi­ckelt. Dem Mäd­chen blieb da­mit ei­ne wei­te­re Ein­ver­nah­me er­spart. «Mit Ih­ren Ta­ten ha­ben Sie Ih­re Fa­mi­lie aus­ein­an­der­ge­ris­sen. Ih­re Kin­der ver­lo­ren ih­ren Va­ter. Das ist schlimm», gab Ge­richts­prä­si­den­tin Ni­co­le Fank­hau­ser dem Mann mit auf den Weg.

Jo­han­nes Hof­stet­ter

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.