Mar­cel Hir­scher schreibt Ge­schich­te

Dank Ra­mon Zen­häu­sern (5.) und Da­ni­el Yu­le (8.) en­det der Sla­lom von Adel­bo­den für die Schwei­zer ver­söhn­lich. Für die Show sorgt aber ein­mal mehr Mar­cel Hir­scher. Der Ös­ter­rei­cher schreibt am Chue­nis­bär­g­li Ge­schich­te.

Berner Zeitung (Emmental) - - Erste Seite - Mar­co Opp­li­ger

Ski al­pin Der Ös­ter­rei­cher Mar­cel Hir­scher tri­um­phiert am Chue­nis­bär­g­li in bei­den Ren­nen. Die Schwei­zer müs­sen der­weil wei­ter auf ei­nen Po­dest­platz in Adel­bo­den war­ten.

Und dann be­ginnt der Kes­sel erst­mals an die­sem Wo­che­n­en­de rich­tig zu ko­chen. Ra­mon Zen­häu­sern ver­setzt das Pu­bli­kum auf der stei­len Tri­bü­ne in Adel­bo­den in Ek­s­ta­se. Kaum ab­ge­schwun­gen, wirft er erst ei­nen Skistock und dann ei­nen Hand­schuh durch die Luft. Ei­ne Se­kun­de Vor­sprung hat er im zwei­ten Lauf des Sla­loms auf den Füh­ren­den Eli­as Ko­le­ga her­aus­ge­holt. Ge­wiss, acht Fah­rer ste­hen noch oben. Aber ers­tens wer­den die Be­din­gun­gen mit dem Schnee­re­gen im­mer schlech­ter, und zwei­tens lie­fer­te Zen­häu­sern ei­ne ein­drück­li­che Leis­tung. Ent­spre­chend hof­fen nicht nur die Zu­schau­er, den ers­ten Schwei­zer Po­dest­platz am Chue­nis­bär­g­li seit 2008 fei­ern zu kön­nen. Zen­häu­sern wird spä­ter sa­gen: «Ehr­lich ge­sagt, mit die­ser Se­kun­de Vor­sprung dach­te ich, dass es rei­chen könn­te.»

Doch es kommt an­ders – näm­lich genau so, wie es in ei­nem Sla­lom seit ge­rau­mer Zeit fast im­mer kommt. Mar­cel Hir­scher kann im zwei­ten Durch­gang noch­mals zu­le­gen und tri­um­phiert vor Clé­ment No­ël und Hen­rik Kristof­fer­sen. Und weil der Ös­ter­rei­cher be­reits am Sams­tag im Rie­sen­sla­lom re­üs­sier­te, steht er nun in Adel­bo­den bei neun Sie­gen und schreibt da­mit ein wei­te­res Ka­pi­tel Ski­ge­schich­te: Kei­nem Fah­rer ist es je ge­lun­gen, so oft am sel­ben Ort zu ge­win­nen. Für Zen­häu­sern re­sul­tiert Rang fünf. Der Olym­pia­zwei­te mag dar­ob nicht ha­dern, «es ist mein bes­tes Re­sul­tat hier, das neh­me ich gern.»

Yu­les Zu­ver­sicht

Der Schwei­zer Auf­tritt ist ge­prägt von Glücks­ge­füh­len, vor al­lem am Vor­mit­tag, als mit Zen­häu­sern, Da­ni­el Yu­le, Re­to Schmi­di­ger und Lu­ca Aer­ni gleich vier Ein­hei­mi­sche in die Top 10 fah­ren. Aber er ist auch ge­prägt von klei­nen Ent­täu­schun­gen, vor al­lem am Nach­mit­tag, weil die ge­weck­ten Er­war­tun­gen auf ei­nen Coup nicht er­füllt wer­den. Aer­ni fä­delt im 2. Lauf eben­so ein wie Schmi­di­ger. Wo­bei sich ge­ra­de Letz­te­rer über sei­nen Aus­fall nicht be­kla­gen mag. Schliess­lich er­reich­te er erst­mals seit sei­ner im De­zem­ber 2017 er­lit­te­nen schwe­ren Knie­ver­let­zung wie­der ei­nen zwei­ten Lauf. «Ich ver­las­se Adel­bo­den mit ei­nem La­chen. Denn der Som­mer war har­zig und die ers­te Pha­se der Sai­son eben­so. Das heu­te hat mir auf­ge­zeigt: Dr­an­blei­ben lohnt sich.»

Letzt­lich lässt sich aus Schwei­zer Op­tik von ei­nem or­dent­li­chen Auf­tritt schrei­ben, be­legt doch auch Da­ni­el Yu­le (8.) ei­nen Platz in der er­wei­ter­ten Spit­ze. Der Un­ter­wal­li­ser ist der­zeit der si­chers­te Wert im Sla­lom-En­sem­ble; in die­sem Win­ter fuhr er stets in die Top 10, wo­bei sein Sieg in Ma­don­na di Cam­piglio na­tür­lich das High­light dar­stellt. «Die­se Kon­stanz über die ge­sam­te Sai­son wird sich aus­zah­len. Ma­che ich so wei­ter, wer­de ich hof­fent­lich bald wie­der auf das Po­dest fah­ren», hält er fest.

Zen­häu­serns An­sa­ge

Das War­ten auf ei­nen Er­folg ei­nes Ein­hei­mi­schen am Chue­nis­bär­g­li, es geht al­so wei­ter. Doch nun folgt Wen­gen – und die­sen Ort ver­bin­den die Schwei­zer mit un­gleich schö­ne­ren Er­in­ne­run­gen. Al­ler­dings be­schrän­ken sich die­se vor­ab auf die Dis­zi­pli­nen Ab­fahrt und Kom­bi­na­ti­on. Wer nach dem letz­ten Schwei­zer Po­dest­platz in ei­nem Sla­lom von Wen­gen sucht, muss lan­ge zu­rück­bli­cken. 1999 war es, Micha­el von Grü­ni­gen wur­de hin­ter Ben­ja­min Raich Zwei­ter. Doch Zen­häu­sern war im Vor­jahr mit Rang 4 na­he dran. Dar­auf an­ge­spro­chen, lä­chelt er und sagt dann: «Das Ge­län­de in Wen­gen ist fast noch in­ter­es­san­ter als hier.»

Fo­to: Chris­ti­an Pfan­der

Zwei­ter Lauf, ei­ne Se­kun­de her­aus­ge­holt: Ra­mon Zen­häu­sern ver­setzt das Pu­bli­kum in Ek­s­ta­se.

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