Für wen sich das Wag­nis Swiss Ex­po ge­lohnt hat

Das schöns­te Red-Hol­stein-Rind stammt aus dem Stall von Chris­ti­an Re­ber.

Berner Zeitung (Emmental) - - Erste Seite - Su­san­ne Graf

Zum ers­ten Mal über­haupt hat Chris­ti­an Re­ber (37) den Gang nach Lau­sanne un­ter­nom­men. Wäh­rend der gröss­ten Schwei­zer und welt­weit dritt­wich­tigs­ten Vieh­schau prä­sen­tier­te der Sch­angnau­er im Wel­schen zwei sei­ner Red Hol­stei­ner. Ei­nes da­von, das Rind Ex­tra, räum­te prompt in ei­ner von sie­ben Ka­te­go­ri­en den Ti­tel ab und ent­schied auch das Fi­na­le als Cham­pion­ne für sich. Re­ber und Han­sRu­dolf Eg­li, Ei­gen­tü­mer des aus­ser­or­dent­lich schö­nen Rin­des aus dem Stall Re­bers auf In­nen­berg, kön­nen ihr Glück kaum fas­sen. Der Züch­ter fühlt sich wie ein Sport­ler, der sei­nen Gross­er­folg noch kaum rea­li­siert hat. Es sei­en der­art vie­le hoch­ka­rä­ti­ge Rin­der im Ring ge­we­sen. «In die­ser bis zu­letzt en­gen und über­aus span­nen­den Aus­mar­chung zu ge­win­nen, ist ein­fach ex­trem schön.» (sgs/cd)

Schein­wer­fer zau­bern far­bi­ge Krei­se ins weis­se Sä­ge­mehl, aus Laut­spre­chern er­schallt Pop­mu­sik, rings­um sit­zen Zu­schau­er. Das Rind aus Sch­angnau lässt das al­les kalt. Es weiss nicht, dass es an die­sem Frei­tag­nach­mit­tag an der Swiss Ex­po in Lau­sanne mit den in­ter­na­tio­nal her­aus­ra­gends­ten Kol­le­gin­nen sei­ner Ras­se ver­gli­chen wird.

Für die Prä­sen­ta­ti­on in der Are­na wur­de es von ei­nem Pro­fi zu­recht­ge­macht. Sein Züch­ter Chris­ti­an Re­ber hat in Sa­chen Kuh­sty­ling eben­so we­nig Er­fah­rung wie mit Vieh­schau­en die­ser Art, wo die Tie­re mit al­ler­lei kos­me­ti­schen Tricks ins bes­te Licht ge­rückt wer­den. We­gen tier­quä­le­ri­scher Mass­nah­men sind Aus­stel­lun­gen wie die Swiss Ex­po in jüngs­ter Zeit in die Kri­tik ge­ra­ten. Nun wur­den die Kon­trol­len ver­schärft, ab die­sem Jahr wird Ul­tra­schall ein­ge­setzt, wenn der Ver­dacht be­steht, dass ei­ne Kuh zu lan­ge nicht ge­mol­ken wur­de und nur des­halb ein pral­les Eu­ter vor­weist. Chris­ti­an Re­ber be­grüsst die stren­ge­ren Auf­la­gen. «Ei­ne wirk­lich gu­te Kuh hat kei­ne Ma­ni­pu­la­tio­nen nö­tig», sagt er.

Kein Hof, aber ei­ne Kuh

Der 37-jäh­ri­ge Sch­angnau­er hat in sei­nem Stall auf In­nen­berg vie­le Tie­re, die sei­nen Vor­stel­lun­gen von gu­ten Red Hol­stei­nern ent­spre­chen. Mit den bes­ten von ih­nen hat er sich nun erst­mals an die gröss­te Schwei­zer und dritt­wich­tigs­te Aus­stel­lung der Welt ge­wagt. Da­bei wur­de er be­glei­tet vom Lei­ter des Zi­vil­standsund Bür­ger­rechts­diens­tes des Kan­tons Bern, Hans-Ru­dolf Eg­li. Der 45-Jäh­ri­ge wohnt eben­falls in Sch­angnau, wo er auch auf­ge­wach­sen ist. Bau­ern­hof hat er kei­nen, aber schö­ne Kü­he fas­zi­nier­ten ihn schon im­mer. «Wie sich an­de­re Kin­der auf Weih­nach­ten freu­en, freu­te ich mich auf die Vieh­schau im Dorf.»

Ei­nes Ta­ges woll­te Eg­li nicht mehr bloss als Hel­fer da­bei sein, son­dern sel­ber ei­ne Kuh be­sit­zen. Zu­sam­men mit Re­ber wähl­te er ei­ne aus, die nun auf In­nen­berg lebt. Chris­ti­an Re­ber such­te dann im In­ter­net nach ei­nem Stier, des­sen Ge­ne­tik ver­sprach, die Stär­ken der Kuh zu un­ter­strei­chen und die Schwä­chen zu be­he­ben. «Für die­se Su­che geht je­weils viel Frei­zeit drauf», sagt er. Als am 20. Fe­bru­ar 2018 auf In­nen­berg ein Kalb zur Welt kam, er­hielt es von Eg­li den Na­men Ex­tra. «Man sah früh, dass das ein spe­zi­el­les Tier ist», sagt Re­ber. Des­halb hat er zu­sam­men mit Eg­li be­schlos­sen, die­ses Jahr erst­mals das Aben­teu­er Swiss Ex­po zu wa­gen. Weil er nicht mit ei­nem halb lee­ren Vie­h­an­hän­ger nach Lau­sanne fah­ren woll­te, nahm er auch gleich noch sei­ne bes­te Kuh, die Vi­se­ca, mit.

Du­schen, Pe­di­kü­re, Lau­fen

We­gen der Aus­stel­lung hat Re­ber gros­sen Auf­wand be­trie­ben. Bei­de Tie­re hat er seit Herbst mehr­mals ge­scho­ren, da­mit die Haa­re schön dicht nach­wuch­sen. Küm­mert er sich nor­ma­ler­wei­se zwei­mal pro Jahr um die Klau­en sei­ner Kü­he, er­hiel­ten Vi­se­ca und Ex­tra seit Herbst drei­mal ei­ne Pe­di­kü­re. Im De­zem­ber ka­men sie zwei­mal wö­chent­lich und seit Neu­jahr gar je­den zwei­ten Tag un­ter die Du­sche, da­mit die weis­sen Haa­re auch ja kei­ne Fle­cken auf­wie­sen. Nach der Kör­per­pfle­ge üb­te Re­ber mit sei­nen Tie­ren je­weils noch das ru­hi­ge am Half­ter ge­führ­te Ge­hen. Letz­ten Di­ens­tag brach­te er die Tie­re dann nach Lau­sanne, wo er sie ei­nem Team zur Be­treu­ung an­ver­trau­te. Re­ber kehr­te zu­rück auf den Be­trieb, den er auf Neu­jahr von Va­ter Fritz Re­ber (ehe­ma­li­ger SVP-Gross­rat) über­nom­men hat­te. An­de­re Züch­ter lies­sen ih­re Pracht­ex­em­pla­re in Lau­sanne nicht aus den Au­gen, sie schlie­fen und pick­nick­ten im Stall. Als Re­ber am Frei­tag­vor­mit­tag wie­der nach Lau­sanne kommt, liegt Vi­se­ca wie­der­käu­end auf ei­nem di­cken Stroh­bett. «Das zeigt, dass es ihr wohl ist», freut sich der Züch­ter. We­gen Ex­tra muss­te er sich dies­be­züg­lich so­wie­so

«Ei­ne wirk­lich gu­te Kuh hat kei­ne Ma­ni­pu­la­tio­nen nö­tig.» Chris­ti­an Re­ber Züch­ter

nie Sor­gen ma­chen. «Das Rind hat ei­nen aus­ge­spro­chen ru­hi­gen Cha­rak­ter.» Auch Re­ber sel­ber zeigt ein paar St­un­den vor dem gros­sen Auf­tritt kei­ne Ner­vo­si­tät. Er er­war­te ja nicht, weit vor­ne klas­siert zu wer­den. Nur auf ei­ne Schlei­fe für das Rind hof­fe er. Ex­tra müss­te al­so in ih­rer Ka­te­go­rie un­ter die ers­ten fünf kom­men.

Sie­ben Rin­der­ka­te­go­ri­en wer­den vor­ge­führt. Sie­ben­mal schrei­ten Grup­pen von durch­schnitt­lich et­wa zehn Rin­dern ganz lang­sam durch die Are­na, wo sie von ei­nem Rich­ter von al­len Sei­ten be­äugt und be­ur­teilt wer­den. Wäh­rend ei­ni­ge ab und zu bo­cken oder un­ru­hig aus der Rei­he tan­zen, spa­ziert Ex­tra an Re­bers Sei­te ge­las­sen ein­her. Und sie­he da: Sie wird Ers­te ih­rer Ka­te­go­rie und hat die Schlei­fe schon mal auf si­cher. Doch sie kann noch nicht zu­rück auf ihr Stroh­bett. Sie kommt in den Fi­nal und wird, was Re­ber nie zu träu­men ge­wagt hät­te, zur Cham­pion­ne un­ter den Red-Hol­stein-Rin­dern er­ko­ren. Der Züch­ter fühlt sich wie ein Sport­ler, der sei­nen Gross­er­folg auch am Tag da­nach kaum rea­li­siert hat. Es sei­en der­art vie­le hoch­ka­rä­ti­ge Rin­der im Ring ge­we­sen. «In die­ser bis zu­letzt en­gen und über­aus span­nen­den Aus­mar­chung zu ge­win­nen, ist ein­fach ex­trem schön», sagt er über­glück­lich.

Mit Kuh Vi­se­ca konn­te Re­ber an der Swiss Ex­po kei­ne Lor­bee­ren ho­len. Ob­wohl der Züch­ter von ih­rer Qua­li­tät über­zeugt ist, hat­te sie für den Rich­ter ei­nen zu we­nig fei­nen Kör­per­bau. Doch mit dem Ti­tel, den Ex­tra ge­won­nen hat, ver­fügt Chris­ti­an Re­ber nun über ei­nen Aus­weis, der be­sagt, dass er auf das Rich­ti­ge ach­tet, wenn er im Netz nach Sa­men­do­sen sucht.

Fo­tos: Dom Smaz

Schau­lau­fen im Schein­wer­fer­licht: Chris­ti­an Re­ber und Ex­tra, die zur Cham­pion­ne un­ter den Red-Hol­stein-Rin­dern ge­kürt wur­de.

Ein Aben­teu­er für al­le: Rind Ex­tra, Be­sit­zer Hans-Ru­dolf Eg­li (hin­ten) und Züch­ter Chris­ti­an Re­ber.

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