Der Er­folgs­ga­rant lobt und mahnt

Nach der erst zwei­ten Play­off-Qua­li­fi­ka­ti­on in der Club­ge­schich­te ist der Langnau­er Er­folgs­trai­ner Heinz Eh­lers aber­mals ge­for­dert. Im In­ter­view er­zählt er, war­um sein Team bes­ser ge­wor­den ist und was ihm trotz­dem Sor­gen be­rei­tet.

Berner Zeitung (Emmental) - - Erste Seite - Mar­co Opp­li­ger

Eis­ho­ckey Heinz Eh­lers blickt mit den SCL Ti­gers auf die er­folg­reichs­te Sai­son der letz­ten dreis­sig Jah­re zu­rück. Im In­ter­view er­klärt der Trai­ner, wes­halb die Langnau­er noch bes­ser ge­wor­den sind und was ihm vor dem Sai­son­start am Frei­tag trotz­dem Sor­gen be­rei­tet. (mob)

Vor ei­nem Jahr sag­ten Sie: Das ist das bes­te Team, das ich seit mei­nem Wech­sel zu Langnau be­treue. Wie sieht es nun aus? Wir sind brei­ter auf­ge­stellt als letz­te Sai­son, und es hat noch ein biss­chen mehr Qua­li­tät im Team.

In wel­chen Be­rei­chen ha­ben sich die SCL Ti­gers ver­stärkt? Als wir vor ei­nem Jahr zu­sam­men spra­chen, ha­ben wir nicht ge­wusst, wie gut Da­mia­no Ciac­cio spie­len wür­de. Das ist be­reits ei­ne Ver­stär­kung, weil wir jetzt zwei Tor­hü­ter ha­ben, die in die­ser Li­ga auf höchs­tem Ni­veau spie­len kön­nen.

Und wel­chen Ein­druck ha­ben Sie von den Zu­zü­gen?

In der Ver­tei­di­gung sind wir jetzt mit Se­bas­ti­an Schilt und Yan­nick Bla­ser, der lan­ge ver­letzt war, brei­ter, grös­ser, stär­ker – vi­el­leicht ein biss­chen un­be­que­mer. Letz­te Sai­son wa­ren wir in der ei­ge­nen Zo­ne oft ein we­nig zu nett. Mit Robbie Earl und Ben Maxwell ha­ben wir zwei gu­te, läu­fe­risch star­ke Aus­län­der en­ga­giert. Und dann ist da noch Ju­li­an Schmutz: Er hat das Po­ten­zi­al, 15 To­re in die­ser Li­ga zu schies­sen.

Was er­hof­fen Sie sich durch das grös­se­re Ka­der?

Mir ist wich­tig, dass wir im­mer ge­nü­gend Spie­ler zur Ver­fü­gung ha­ben. Das war letz­te Sai­son nicht der Fall, als manch­mal ein Ver­tei­di­ger im Sturm spie­len muss­te. Die Kon­kur­renz wird jetzt na­tür­lich grös­ser. Und hof­fent­lich kön­nen sich die Jun­gen so ent­wi­ckeln, dass sie Druck auf die eta­blier­ten Spie­ler ma­chen kön­nen.

Wie lan­ge dau­er­te es ei­gent­lich, bis Sie die 1:8-Nie­der­la­ge im 7. Vier­tel­fi­nal-Spiel in Lau­sanne ver­daut hat­ten?

Für mich ging das ganz schnell. Auch, weil ich da­nach zur Na­tio­nal­mann­schaft ging (Eh­lers ist Na­tio­nal­trai­ner Dä­ne­marks, die Red.). Hät­ten wir in der Over­ti­me

«Für mich ist es kein Fi­as­ko, wenn wir das Play­off nicht er­rei­chen. Aber klar ist es un­ser Ziel.»

ver­lo­ren, wä­re das wahr­schein­lich schmerz­haf­ter ge­we­sen. So war es im letz­ten Spiel ein­fach ein Klas­sen­un­ter­schied.

Kön­nen Sie sich mit ein paar Mo­na­ten Dis­tanz er­klä­ren, wie es zu die­sem Ein­bruch kom­men konn­te?

Ab und zu sind es Klei­nig­kei­ten, die ent­schei­den. Und wenn du 0:3 hin­ten bist, weisst du: Höchst­wahr­schein­lich kön­nen wir das nicht mehr dre­hen. Dann spielst du et­was of­fen­si­ver, was zu Tur­no­vern führt. Und wir hat­ten vie­le Stra­fen. Aber ei­gent­lich ha­be ich we­nig Lust, noch dar­über zu spre­chen. Das bringt nichts.

Die Er­fah­rung war für Ih­re Spie­ler schmerz­haft. War sie auch wich­tig? Ich se­he es an­ders, po­si­ti­ver. Es soll­te den Spie­lern ei­gent­lich Selbst­ver­trau­en ge­ben, konn­ten sie Lau­sanne mit die­sem star­ken Ka­der bis in ein 7. Spiel for­dern. Das ist ei­ne star­ke Leis­tung.

Ab­ge­se­hen vom Schluss­punkt bli­cken die SCL Ti­gers auf ei­ne sou­ve­rä­ne Sai­son zu­rück: Rang 6 in der Qua­li­fi­ka­ti­on, nie un­ter dem Strich, Lau­sanne im Play­off al­les ab­ver­langt. Geht es über­haupt noch bes­ser?

Ich muss ehr­lich sa­gen, da ha­be ich ein biss­chen mei­ne Zwei­fel. Seit ich in Langnau bin, sa­ge ich zwar stets: Wir wol­len nächs­te Sai­son bes­ser sein. Aber ir­gend­wann muss man auch rea­lis­tisch wer­den. Letz­te Sai­son wa­ren wir vor Got­té­ron, Da­vos und den ZSC Li­ons klas­siert. Die wer­den wir nun wahr­schein­lich nicht mehr hin­ter uns ha­ben. Ich den­ke, die Li­ga wird noch aus­ge­gli­che­ner. Des­halb muss ich auf­pas­sen, wenn ich sa­ge: Wir wol­len bes­ser wer­den. Es wird schwie­rig, wie­der 78 Punk­te zu ho­len. Aber wir wis­sen, dass wir es kön­nen.

Ha­ben Sie das Ge­fühl, dass die Er­war­tun­gen an die SCL Ti­gers nun höher sind?

Im Club sind wir rea­lis­tisch. Na­tür­lich hof­fen wir, wie­der ei­ne star­ke Sai­son spie­len zu kön­nen. Und wie vor­her ge­sagt: Wir sind brei­ter, wir ha­ben ein biss­chen mehr Qua­li­tät in der Mann­schaft. War­um nicht?

Das of­fi­zi­el­le Sai­son­ziel lau­tet Play­off. Al­les an­de­re wä­re Un­der­state­ment – ein­ver­stan­den? Das stimmt. Aber wenn Zü­rich, Da­vos und Got­té­ron wie­der zu al­ter Stär­ke zu­rück­fin­den, dann sind wir wahr­schein­lich nicht im Play­off. Des­halb muss man auf­pas­sen. Für mich ist es kein Fi­as­ko, wenn wir das Play­off nicht er­rei­chen. Aber klar ist es un­ser Ziel.

Wo ste­hen die SCL Ti­gers in die­ser Li­ga?

Ich se­he uns nicht in den Top 6.

Aber in den Top 8? Das hof­fe ich.

Wie gross ist die Ge­fahr, dass Ih­re Spie­ler die Si­tua­ti­on nach der letz­ten er­folg­rei­chen Sai­son auf die leich­te Schul­ter neh­men?

Es ist mei­ne grosse Auf­ga­be, dass wir mit der glei­chen Ein­stel­lung in die Sai­son ge­hen wer­den wie letz­tes Jahr. Und das macht mir schon ein biss­chen Angst.

Ha­ben Sie dies­be­züg­lich schon mit den Spie­lern ge­spro­chen? Das wer­de ich noch tun.

Spe­zi­ell ist der Auf­takt mit drei Heim­spie­len in Fol­ge. Fin­den Sie das gut oder schlecht? Wenn wir die drei ge­win­nen, dann ist es gut. Ver­lie­ren wir al­le drei, ist es schlecht (lacht).

Ge­gen Ser­vet­te ist Ihr Team am Frei­tag be­reits in der Fa­vo­ri­ten­rol­le.

Das sa­gen Sie. Ich be­wah­re im­mer De­mut. Weil ich weiss, wie schnell es an­ders lau­fen kann. Mir ist auch wich­tig, dass die Spie­ler de­mü­tig blei­ben, und das wer­de ich ih­nen noch­mals deut­lich sa­gen.

Fo­to: Ra­pha­el Mo­ser

Fo­to: Ra­pha­el Mo­ser

Ge­nüg­sam­keit dul­det Heinz Eh­lers nicht. Das wird der Ti­gers-Coach sei­nen Spie­lern noch­mals in Er­in­ne­rung ru­fen.

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