Der Be­ruf hat ihn nach Über­see ge­führt

Der letz­te Meis­ter­cap­tain des BSV Bern lebt seit zwei­ein­halb Jahr­zehn­ten an der West­küs­te der USA.

Berner Zeitung (Emmental) - - Erste Seite - Re­to Pfis­ter

Hand­ball Ste­fan Lan­ker führ­te 1985 den BSV Bern als Cap­tain zum bis­her letz­ten Ti­tel. Heu­te ist der 57-Jäh­ri­ge nur noch sel­ten in Bern. Lan­ker lebt in Port­land in den USA.

Im­mer noch spricht er ak­zent­frei Bern­deutsch. In der Bun­des­stadt hält sich Ste­fan Lan­ker aber nur noch sel­ten auf. «Drei- bis vier­mal pro Jahr bin ich hier», sagt der 57-Jäh­ri­ge. Sein Le­bens­mit­tel­punkt ist die West­küs­te der USA, in Port­land (Ore­gon) ist er als wis­sen­schaft­li­cher Di­rek­tor ei­ner Bio­tech­fir­ma tä­tig, de­ren haupt­säch­li­che Tä­tig­keit die Ent­wick­lung ver­bes­ser­ter Me­di­ka­men­te zur Be­hand­lung der Ner­ven­krank­heit mul­ti­ple Sk­le­ro­se (MS) ist. «Je­der Kran­ke soll die auf ihn persönlich ab­ge­stimm­ten Heil­mit­tel er­hal­ten kön­nen», nennt Lan­ker das Ziel, das sein Ar­beit­ge­ber ver­folgt. Er war der Letz­te, der als Cap­tain des BSV Bern ei­nen Meis­ter­po­kal in die Hö­he stem­men konn­te. Lan­ker war da­mals 23 Jah­re alt. «Man hat mich an­ge­fragt, ob ich Cap­tain wer­den wol­le», sagt er. «Ich ha­be zu­ge­sagt, weil ich schon da­mals gern da­für ge­sorgt ha­be, dass Leu­te zu­sam­men et­was er­rei­chen kön­nen.» Der Kreis­läu­fer

war als Ju­gend­li­cher Leicht­ath­let und Hand­bal­ler; er ent­schied sich schliess­lich für die Team­sport­art. «Hand­ball ist kör­per­lich in­ten­siv und gleich­zei­tig we­gen der kom­ple­xen Spiel­zü­ge ei­ne Kopf­sport­art.» Was ei­ne Er­klä­rung ist, war­um vie­le an­ge­hen­de Aka­de­mi­ker sich auf dem Par­kett tum­meln.

Nichts ver­dient

Auch Lan­ker ge­hört in die­se Ka­te­go­rie. In den 80er-Jah­ren war es noch viel wich­ti­ger als heu­te, par­al­lel zur sport­li­chen die be­ruf­li­che Lauf­bahn vor­an­zu­trei­ben. Die Spie­ler ver­dien­ten auch als Na­tio­nal­spie­ler, der Lan­ker sei­ner­zeit war, in den Ver­ei­nen nichts. Er stu­dier­te Che­mie und Bio­che­mie, dok­to­rier­te. Und ent­schied sich 1993, zu­sam­men mit sei­ner Part­ne­rin, in die USA zu über­sie­deln. Im ka­li­for­ni­schen San Die­go er­hielt das Paar at­trak­ti­ve Mög­lich­kei­ten, sei­ne Post­doc-Stu­di­en zu ab­sol­vie­ren. Der Ber­ner woll­te auch in Über­see noch nicht aufs Hand­ball­spie­len ver­zich­ten. In den USA ist die Sport­art wie in al­len an­gel­säch­si­schen Län­dern je­doch we­nig ver­brei­tet. «Ich ha­be an der gan­zen West­küs­te nach ei­nem Hand­ball­club ge­sucht, aber nichts ge­fun­den», sagt Lan­ker. Sport­lich ist er bis heu­te ge­blie­ben, fährt Rad und hält sich gern in den Ber­gen auf.

Zu sei­ner ak­ti­ven Zeit wa­ren von den Mit­spie­lern Kon­rad Af­fol­ter und Beat Schies­ser sei­ne bes­ten Freun­de. Am Sams­tag kam es zum Wie­der­se­hen, als der Ver­ein sein 60-jäh­ri­ges Be­ste­hen fei­er­te. Lan­ker in­ter­es­siert sich im­mer noch für die Ber­ner Hand­bal­ler, im In­ter­net in­for­miert er sich über die Ent­wick­lung des Ver­eins. Und hat so mit­be­kom­men, dass ei­ne neue Hal­le ge­baut wur­de. «Sie ist su­per, die Gestal­tung in den Far­ben Schwarz-Rot ge­fällt mir sehr», ge­rät er ins Schwär­men. Bald wer­den sei­ne Kin­der in die Schweiz zie­hen; der Sohn ist Soft­ware-In­ge­nieur, die Toch­ter stu­diert Me­di­zin. «Es ist nicht aus­ge­schlos­sen, dass mei­ne Frau und ich in ein paar Jah­ren wie­der hier le­ben wer­den», sagt Lan­ker. Und dann wür­de man ihn wohl ab und zu auch wie­der an BSV-Spie­len an­tref­fen.

Fo­to: Ma­nu­el Zingg

Ste­fan Lan­ker be­trat erst­mals die neue BSV-Are­na.

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