Stadt­be­hör­de geht ei­nen Schritt auf Hin­dus zu

Die feh­len­de In­fra­struk­tur war ein Grund, wes­halb Burg­dorf hin­du­is­ti­sche Ab­dan­kun­gen auf dem Fried­hof stark ein­schränk­te. Ein Ver­suchs­be­trieb fällt nun po­si­tiv aus und wird um vier Jah­re ver­län­gert.

Berner Zeitung (Emmental) - - Erste Seite - Urs Eg­li

Burg­dorf Hin­du­is­ti­sche Ab­dan­kun­gen wa­ren auf dem Fried­hof Burg­dorf über Jah­re er­laubt, bis die Stadt 2017 ih­re Pra­xis än­der­te. Der Grund: Die In­fra­struk­tur ist nicht auf Trau­er­ge­mein­den mit weit mehr als hun­dert Per­so­nen aus­ge­legt. Be­son­ders zu dis­ku­tie­ren gab die Ein­schrän­kung, dass aus­wär­ti­ge Per­so­nen – ins­be­son­de­re aus den um­lie­gen­den Ge­mein­den – auf dem

Fried­hof für die Auf­bah­rung und die Ab­dan­kung nicht mehr zu­ge­las­sen wur­den. Die ge­än­der­te Pra­xis wur­de nun in den letz­ten zwei Jah­ren er­probt. Die Er­fah­run­gen sind aus Sicht der Stadt Burg­dorf und aus je­ner der hin­du­is­ti­schen Ge­mein­schaft po­si­tiv. Die 2017 be­schlos­se­ne Ein­schrän­kung wird jetzt ge­lo­ckert, der Ver­suchs­be­trieb aber um vier Jah­re wei­ter­ge­führt.

Ta­mi­lisch-hin­du­is­ti­sche Ab­dan­kun­gen wa­ren bis 2017 auf dem Fried­hof Burg­dorf er­laubt. Doch dann hät­ten die Ein­woh­ner- und Si­cher­heits­di­rek­ti­on so­wie die Bau­di­rek­ti­on der Zäh­rin­ger­stadt «die Not­brem­se» zie­hen müs­sen, tei­len die­se jetzt in ei­nem Com­mu­ni­qué mit. Den Hin­ter­blie­be­nen ei­nes Ta­mi­len hin­du­is­ti­schen Glau­bens aus Ober­burg war die Ab­dan­kungs­fei­er auf dem städ­ti­schen Fried­hof nicht ge­stat­tet wor­den, weil pri­mär die In­fra­struk­tur für vie­le Trau­er­gäs­te fehl­te. Die­se Kehrt­wen­de ver­är­ger­te nicht nur die Hin­du, son­dern auch zwei Mit­glie­der des ber­ni­schen Gros­sen Ra­tes. Weil das Be­stat­tungs- und Fried­hof­we­sen Sa­che der Ge­mein­den ist, konn­ten sie al­ler­dings kei­ne Pra­xis­än­de­rung er­wir­ken. Ei­ne Lö­sung konn­te zwi­schen den Be­tei­lig­ten jetzt – nach ei­nem zwei­jäh­ri­gen Pi­lot­ver­such – trotz­dem ge­fun­den wer­den.

En­de Ok­to­ber ha­ben sich Ver­tre­ter der hin­du­is­ti­schen Ge­mein­schaft, der re­for­mier­ten Kir­che so­wie ver­schie­de­ner Di­rek­tio­nen der Stadt zu ei­ner Aus­wer­tung des Ver­suchs­be­trie­bes ge­trof­fen. Wäh­rend der zwei Jah­re sei­en nur we­ni­ge Ak­ti­vi­tä­ten der hin­du­is­ti­schen Glau­bens­ge­mein­schaft zu ver­mer­ken, teil­te die Stadt­ver­wal­tung mit. Die Er­fah­run­gen sei­en aus Sicht der Stadt Burg­dorf wie auch aus Sicht der hin­du­is­ti­schen Ge­mein­schaft po­si­tiv. «Die Kom­mu­ni­ka­ti­on, die Ab­ma­chun­gen und die Zu­sam­men­ar­beit ha­ben gut funk­tio­niert. Die bis­he­ri­ge Ar­beit war für die ge­gen­sei­ti­ge Sen­si­bi­li­sie­rung aus­ge­spro­chen wert­voll.»

An­ge­bot wird et­was ge­öff­net

Der Ge­mein­de­rat und die Ver­ant­wort­li­chen der Bau­di­rek­ti­on und der Ein­woh­ner- und Si­cher­heits­di­rek­ti­on ha­ben nun in Ab­spra­che mit Ver­tre­tern der hin­du­is­ti­schen Ge­mein­schaft die Wei­ter­füh­rung des Ver­suchs­be­triebs für vier Jah­re mit pro­be­wei­ser Öff­nung des An­ge­bo­tes für ge­eig­ne­te Auf­bah­run­gen und Ab­dan­kun­gen auch für Ver­stor­be­ne aus um­lie­gen­den Ge­mein­den be­schlos­sen, so­fern der Fried­hof­be­trieb dies zu­las­se. Der ab­schlies­sen­de Ent­scheid zur Zu­las­sung lie­ge bei den zu­stän­di­gen Stel­len des Fried­hofs und wer­de je­weils mit den Trau­er­fa­mi­li­en oder den An­sprech­per­so­nen der hin­du­is­ti­schen Ge­mein­schaft be­spro­chen. Ziel die­ser Öff­nung sei es, Er­fah­rungs­wer­ten in Be­zug auf die hin­du­is­ti­schen Ab­dan­kun­gen zu sam­meln, heisst es in der Mit­tei­lung.

Zu Pro­ble­men war es vor gut zwei Jah­ren bei hin­du­is­ti­schen Ab­dan­kun­gen ge­kom­men. Ins­be­son­de­re we­gen der feh­len­den Park­plät­zen. Zur Ver­fü­gung ste­hen nur rund 30 öf­fent­li­che Park­plät­ze. Grund wa­ren aber auch die Ri­tua­le der hin­du­is­ti­schen Glau­bens­ge­mein­schaf­ten in den Auf­bah­rungs­räu­men, in der Ab­dan­kungs­hal­le und im Ofen­raum des Kre­ma­to­ri­ums.

«Auf­grund der or­ga­ni­sa­to­risch und si­cher­heits­tech­nisch nicht mehr to­le­rier­ba­ren Zu­stän­de muss­te ei­ne Ein­schrän­kung be­züg­lich hin­du­is­ti­scher Ab­dan­kun­gen vor­ge­nom­men wer­den», ver­tei­di­gen die bei­den Di­rek­tio­nen ihr Han­deln. Auf­grund von Me­dien­be­rich­ten hat­te die Ein­schrän­kung für Em­pö­rung ge­sorgt, dass aus­wär­ti­ge Per­so­nen – ins­be­son­de­re aus den um­lie­gen­den Ge­mein­den und dem Em­men­tal – auf dem Fried­hof für die Auf­bah­rung und Ab­dan­kung nicht mehr zu­ge­las­sen wur­den.

Fo­to: top

Die Ab­dan­kungs­hal­le ist zu klein für grosse Ab­dan­kun­gen.

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