We­nig Op­tio­nen für ei­ne Hoch­zeit im Schloss

Wer sei­ne Hoch­zeit plant und die­se im neu er­öff­ne­ten Schloss Burg­dorf fei­ern möch­te, braucht Glück. Vie­le Termine für ei­ne stan­des­amt­li­che Trau­ung sind in die­sem Jahr aus­ge­bucht.

Berner Zeitung (Emmental) - - Erste Seite - Su­san­na Fri­cke-Mi­chel

Burg­dorf Vie­le Termine für ei­ne stan­des­amt­li­che Trau­ung im Schloss sind in die­sem Jahr aus­ge­bucht. Al­ler­dings we­ni­ger we­gen der grossen Nach­fra­ge als viel­mehr we­gen des eher ra­ren An­ge­bots des Kan­tons.

Auch wenn die öf­fent­li­chen Fei­er­lich­kei­ten rund um die Er­öff­nung des Schlos­ses Burg­dorf En­de April vor­bei sind, kehrt kei­ne Ru­he ein. Das Fei­ern geht wei­ter re­spek­ti­ve für Ver­lieb­te erst rich­tig los: Am 1. Mai hei­ra­ten dort zum ers­ten Mal Paa­re stan­des­amt­lich, be­ur­kun­den ih­re Part­ner­schaft. «Am ers­ten Ze­re­mo­nie­tag im Schloss Burg­dorf dür­fen wir haupt­säch­lich Paa­re aus der Re­gi­on Burg­dorf in den Ha­fen der Ehe be­glei­ten», teilt das Amt für Be­völ­ke­rungs­diens­te des Kan­tons Bern mit.

Sechs­mal Ja pro Tag

Am 22. Mai wer­den sich dann sechs Paa­re am Nach­mit­tag das Jawort ge­ben, das ju­ris­tisch ver­bind­lich ist. Die­ser Hoch­zeits­tag ist eben­so aus­ge­bucht wie die bei­den im Ju­ni und Ju­li. Ins­ge­samt 18 Termine sind am 21. Au­gust, am 18. Sep­tem­ber und am 23. Ok­to­ber noch ver­füg­bar.

Da­tum und Uhr­zeit ei­ner Hoch­zeit kön­nen je­weils frü­hes­tens sechs Mo­na­te vor dem Ter­min beim Zi­vil­stands­amt Em­men­tal in Langnau ge­bucht wer­den. «Auch im kom­men­den Jahr wer­den auf dem Schloss Burg­dorf nicht mehr Da­ten an­ge­bo­ten», hält das Amt wei­ter fest. Für die Be­trei­be­rin der Schloss­an­la­ge, die Schwei­zer Ju­gend­her­ber­gen, sind Hoch­zei­ten aber ei­ne wich­ti­ge Ein­nah­me­quel­le, auch weil Burg­dorf kein tou­ris­ti­scher Hots­pot ist. Das be­stä­tig­te un­längst Kurt Sch­emp, Pro­jekt­ver­ant­wort­li­cher Schwei­zer Ju­gend­her­ber­gen, ge­gen­über die­ser Zei­tung: «Wir müs­sen zu­sätz­li­che Be­su­cher nach Burg­dorf ho­len.»

Be­am­te sind ge­for­dert

War­um macht der Kan­ton Bern, der den Um­bau des Schlos­ses mit­fi­nan­ziert, nicht an mehr Ta­gen Hei­rats­wil­li­gen ein ent­spre­chen­des An­ge­bot? Das zu­stän­di­ge Amt er­klärt: «Wir bie­ten in den sie­ben kan­to­na­len Zi­vil­stands­äm­tern 8 or­dent­li­che so­wie 23 ex­ter­ne Ze­re­mo­nie­lo­ka­le an. Ei­ner­seits sind die An­lie­gen der An­bie­ter von aus­wär­ti­gen Lo­ka­len ein­heit­lich zu be­rück­sich­ti­gen. An­de­rer­seits muss die Pla­nung im Ein­klang mit den vor­han­de­nen per­so­nel­len Res­sour­cen er­fol­gen kön­nen.»

Weil ein Gross­teil der Ze­re­mo­ni­en frei­tags ge­fragt sei, müss­ten die ver­schie­de­nen Lo­kal­an­ge­bo­te auf die ent­spre­chen­den Ta­ge des Mo­nats ver­teilt wer­den. «Da­durch er­gibt sich für je­des ex­ter­ne Lo­kal im Grund­satz ein Ze­re­mo­nie­tag pro Mo­nat», rech­net das Amt für Be­völ­ke­rungs­diens­te vor. Das An­ge­bot von April bis Ok­to­ber rich­te sich nach der Nach­fra­ge. Die­se sei in den käl­te­ren Mo­na­ten kaum vor­han­den.

15 Hoch­zei­ten und mehr

Wie är­ger­lich ist das be­grenz­te An­ge­bot des Stan­des­am­tes für die Be­trei­be­rin des Gas­tro­no­mie­be­trie­bes auf dem Schloss­ho­ger, die auf Events an­ge­wie­sen ist, um fi­nan­zi­ell über den Berg zu kom­men? An­dré Ei­se­le, Di­rek­tor Mar­ke­ting, Kom­mu­ni­ka­ti­on und Me­dien­spre­cher der Schwei­zer Ju­gend­her­ber­gen, nimmt die Si­tua­ti­on ge­las­sen: «Die­se Hand­ha­bung ist bei vie­len Ze­re­mo­nie­lo­ka­len üb­lich. Vie­le Paa­re bu­chen da­her die Hoch­zeits­lo­ka­li­tät

«Die Ka­pel­le ist ide­al für kur­ze ze­re­mo­ni­el­le Fei­er­lich­kei­ten, je­doch nicht für ei­ne of­fi­zi­el­le kirch­li­che Trau­ung.»

In­ter­net­sei­te Schloss Burg­dorf

für das Fest weit im Vor­aus und nicht zwin­gend am glei­chen Tag wie die zi­vi­le Hoch­zeit.»

Zur­zeit sei­en für das Jahr 2020 auf Schloss Burg­dorf 40 Ver­an­stal­tun­gen, da­von 15 Hoch­zeits­an­läs­se, ge­plant. Un­ter den Hoch­zei­ten fin­den sich zi­vi­le Trau­un­gen, aber auch Hoch­zeits­fes­te oder Hoch­zeits­apé­ros.

Die An­la­ge er­mög­licht ei­ner Hoch­zeits­ge­sell­schaft mehr als nur den Akt vor dem Zi­vil­stands­be­am­ten, Kost und Lo­gis und be­geis­tert laut An­dré Ei­se­le Paa­re aus al­len Re­gio­nen der Schweiz, «die ei­ne un­kom­pli­zier­te Hoch­zeit vor ei­ner ein­zig­ar­ti­gen Ku­lis­se su­chen». Bei der Wahl der Lo­ka­li­tät sei­en die Raum­grös­se und das Rah­men­pro­gramm ent­schei­dend. Mit der Kom­bi­na­ti­on von Schloss, Mu­se­um, Ju­gend­her­ber­ge und Gastro­be­trie­ben «bie­tet Schloss Burg­dorf die idea­len Vor­aus­set­zun­gen für aus­ser­ge­wöhn­li­che Events», wirbt der Me­dien­spre­cher. Bis­her ha­be noch kein Paar ei­nen Korb er­hal­ten, weil der Be­trieb aus­ge­bucht ge­we­sen sei.

Nicht nur auf Stan­des­amt

Auf dem Schloss kön­nen auch freie Trau­un­gen ge­fei­ert wer­den, et­wa im Turm­gar­ten, der bei Re­gen über­dacht wer­den kann. Ne­ben di­ver­sen his­to­ri­schen, un­ter­schied­lich grossen Räu­men steht auch der­je­ni­ge zur Ver­fü­gung, in dem an sie­ben Ta­gen im Jahr die stan­des­amt­li­chen Ze­re­mo­ni­en statt­fin­den. Zu­dem gibt es ei­ne haus­ei­ge­ne Ka­pel­le. Das Amt für Be­völ­ke­rungs­dienst be­tont dies­be­züg­lich: «Die ze­re­mo­ni­el­len Fei­er­lich­kei­ten dür­fen nicht mit stan­des­amt­li­chen Ze­re­mo­ni­en ver­wech­selt wer­den.» Da ein Zi­vil­stands­be­am­ter staat­li­che Auf­ga­ben ver­rich­te, dür­fe er dies nicht in ei­ner Kir­che oder ei­ner Ka­pel­le ma­chen.

Der In­ter­net­sei­te des Schlos­ses Burg­dorf ist zu ent­neh­men: «Die Ka­pel­le ist ide­al für kur­ze ze­re­mo­ni­el­le Fei­er­lich­kei­ten, je­doch nicht für ei­ne of­fi­zi­el­le kirch­li­che Trau­ung.» Das ver­wun­dert An­ne-Kath­rin Fank­hau­ser:

«Wir Pfar­re­rin­nen und Pfar­rer der re­for­mier­ten Kir­che ha­ben ei­nen re­la­tiv grossen Spiel­raum, wo wir Paa­re kirch­lich ver­hei­ra­ten dür­fen. Da­zu ge­hört auch ei­ne Schloss­ka­pel­le.» Die Kir­chen­ord­nung des Evan­ge­lisch-re­for­mier­ten Syn­odal­ver­ban­des Bern hal­te le­dig­lich fest, dass die Trau­ung in ei­nem wür­di­gen, got­tes­dienst­li­chen Rah­men statt­zu­fin­den ha­be.

Be­dürf­nis nach Tra­di­ti­on

Die re­for­mier­te Pfar­re­rin von Burg­dorf weist dar­auf hin, dass die ka­tho­li­sche Kir­che Trau­un­gen nur in ge­weih­ten Räu­men er­lau­be, al­so «ih­ren» Kir­chen­räu­men. Die Ka­pel­le im Schloss Burg­dorf ge­hört der­zeit nicht da­zu.

An­ne-Kath­rin Fank­hau­ser kann es sich aber sehr gut vor­stel­len, Paa­re auf dem Schloss­ho­ger zu ver­hei­ra­ten, sei es nun im Hof, im Gar­ten oder sonst wo. «Ich ma­che auch aus­ser­halb ei­ner Kir­che sehr ger­ne Trau­un­gen. Aber eben in ei­nem wür­di­gen Rah­men und nicht un­ter Was­ser im Tauch­an­zug», sagt Fank­hau­ser.

Sie und ih­re Kol­le­gen so­wie Kol­le­gin­nen stel­len zu­dem fest, dass ge­ra­de jun­ge Men­schen zu­neh­mend nicht nur stan­des­amt­lich, son­dern auch kirch­lich hei­ra­ten wür­den, dass das aber nicht zwin­gend in ei­ner Kir­che ge­sche­hen müs­se. Sie führt das auf das zu­neh­men­de Be­dürf­nis nach Tra­di­ti­on und Brauch­tum zu­rück.

Foto: Ra­pha­el Mo­ser

Auf Schloss Burg­dorf sind im Jahr 2020 bloss noch 18 Termine frei.

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