Das fa­ta­le Ver­spre­chen an Wi­le­rol­ti­gen

Das Ver­kehrs­re­gime rund um den Au­to­bahn­rast­platz sorgt für Är­ger.

Berner Zeitung (Emmental) - - Erste Seite - Ste­phan Kün­zi

Das Ver­spre­chen scheint ge­bro­chen zu sein, be­vor der Kan­ton sich über­haupt dar­an­ma­chen konn­te, es ein­zu­lö­sen. So kommt vie­len Leu­ten vor, was der­zeit rund um die Fah­ren­den auf dem Au­to­bahn­rast­platz Wi­le­rol­ti­gen pas­siert: Weil sich die Zu- und Weg­fahrt zum pro­vi­so­ri­schen Stand­platz nur über die Bar­rie­re an der Be­triebs­zu­fahrt wirk­sam re­gu­lie­ren lässt, dür­fen sie ein Sträss­chen be­nüt­zen, das oh­ne gros­se Um­we­ge di­rekt nach Wi­le­rol­ti­gen führt.

Vor Ort sorgt das für ro­te Köp­fe. Im­mer­hin hat der Kan­ton Wi­le­rol­ti­gen einst in Aus­sicht ge­stellt, dass die Fah­ren­den die Re­gi­on nur über die Au­to­bahn er­rei­chen wer­den und so das Dorf buch­stäb­lich links lie­gen las­sen. For­mu­liert hat er das Ver­spre­chen zwar mit Blick auf den ge­plan­ten Tran­sit­platz, doch vie­le, die dem Pro­jekt mit Arg­wohn be­geg­nen, fra­gen sich: Was ist ein sol­cher Satz wert, wenn er schon vor Be­ginn der Bau­ar­bei­ten nicht mehr gilt?

Noch sind die Gren­zen we­gen der Co­ro­na-pan­de­mie dicht. Trotz­dem sind die aus­län­di­schen Fah­ren­den be­reits sehr zahl­reich un­ter­wegs. Ent­spre­chend gross ist der Druck auf die paar we­ni­gen vor­han­de­nen Stand­plät­ze, und er wird wohl noch grös­ser, wenn Mit­te Ju­ni die Gren­zen auf­ge­hen. Zu at­trak­tiv sind hier­zu­lan­de die Ver­dienst­mög­lich­kei­ten im Ver­gleich zu dem, was im Mo­ment zum Bei­spiel in Frank­reich mög­lich ist.

Ein klein we­nig Ent­span­nung zeich­net sich bei al­le­dem ab: Gam­pe­len ar­bei­tet mit Hoch­druck dar­an, sei­nen Tran­sit­platz end­lich er­öff­nen zu kön­nen. We­gen Co­ro­na fiel der ur­sprüng­li­che Ter­min von An­fang April ins Was­ser.

Das Ver­spre­chen war gross, und es hat­te den Zweck, die auf­ge­brach­ten Ge­mü­ter vor Ort mög­lichst zu be­ru­hi­gen. Mit Blick auf die denk­wür­di­ge Ab­stim­mung zum Tran­sit­platz bei Wi­le­rol­ti­gen wur­den die Be­hör­den An­fang Jahr nicht mü­de zu be­to­nen: Von den aus­län­di­schen Fah­ren­den, die auf der fes­ten An­la­ge di­rekt ne­ben dem Au­to­bahn­rast­platz der­einst halt­ma­chen, wer­de die Be­völ­ke­rung we­nig bis gar nichts mer­ken. Dass das Ge­län­de nur von der Au­to­bahn her zu­gäng­lich sei, ge­hö­re näm­lich zu den gros­sen Vor­tei­len des 3,3-Mil­lio­nen-pro­jekts.

Um auf den Platz zu ge­lan­gen, wer­den die Fah­ren­den al­so be­reits in Ker­zers und da­mit drei Ki­lo­me­ter vor Wi­le­rol­ti­gen auf die Au­to­bahn ein­bie­gen. Und wenn sie das Ge­län­de wie­der ver­las­sen, müs­sen sie gar elf Ki­lo­me­ter bis zum An­schluss Bern­brün­nen zu­rück­le­gen – mit die­sem Re­gime sei die Dis­tanz zum Dorf mehr als ge­wahrt.

Die Zweif­ler lies­sen sich nie ganz be­sänf­ti­gen. Sie frag­ten sich, ob der Ver­kehr zum Tran­sit­platz nicht plötz­lich über die be­ste­hen­de Be­triebs­zu­fahrt zum Au­to­bahn­rast­platz rol­len wird. Die­se ist oh­ne ki­lo­me­ter­lan­ge Um­we­ge di­rekt vom Wi­le­rol­ti­ger Dorf­zen­trum her zu er­rei­chen – die Alarm­glo­cken schrill­ten de­fi­ni­tiv, als auf­merk­sa­me An­woh­ner in den letz­ten Ta­gen merk­ten: Die Fah­ren­den nut­zen den ei­gent­lich mit Fahr­ver­bot be­leg­ten Hin­ter­ein­gang schon heu­te. Mit hoch­of­fi­zi­el­ler Er­laub­nis.

«Ein­zi­ge Mög­lich­keit»

Was ist pas­siert? Ob­wohl vom Tran­sit­platz über­haupt noch nichts zu se­hen ist, ma­chen aus­län­di­sche Fah­ren­de seit Wo­chen halt in Wi­le­rol­ti­gen. Sie nüt­zen – not­ge­drun­gen – den be­ste­hen­den Au­to­bahn­rast­platz, be­le­gen die­sen mal mit mehr, mal mit we­ni­ger Fahr­zeu­gen. Vor Wo­chen­frist war der Zu­zug so gross ge­wor­den, dass das für das Are­al ver­ant­wort­li­che Bun­des­amt für Stras­sen (As­tra) die Reiss­lei­ne zog und den Platz kur­zer­hand für die All­ge­mein­heit schloss.

Mit den aktuell rund fünf­zig Ge­span­nen sei die Si­cher­heit nicht mehr ge­währ­leis­tet, er­klär­te das As­tra. Auf dem Are­al sei­en zu vie­le Fuss­gän­ger – «auch Kin­der» – un­ter­wegs, hei­kel wer­de es auch, wenn Fahr­zeu­ge ent­ge­gen der of­fi­zi­el­len Fahrt­rich­tung ma­nö­vriert wür­den.

Um wei­te­ren Zu­zug zu ver­hin­dern, ver­bar­ri­ka­dier­te das As­tra aber die Ein- und Aus­fahrt zur

Au­to­bahn hin mit schwe­ren Ele­men­ten. Die Fa­mi­li­en, die schon da wa­ren, durf­ten zwar blei­ben, doch sie hat­ten nun ein Pro­blem: Sie wa­ren qua­si ein­ge­sperrt, konn­ten we­der für die Ar­beit noch zum Ein­kau­fen weg­fah­ren.

In die­ser Si­tua­ti­on be­sann sich das As­tra auf die Be­triebs­zu­fahrt und dar­auf, dass der Ver­kehr auf die­sem Sträss­chen mit ei­ner Bar­rie­re ge­re­gelt wer­den kann. Mark Sie­gen­tha­ler vom As­tra spricht von der «ein­zi­gen Mög­lich­keit, wie wir die Sa­che rasch und ein­fach lö­sen konn­ten», und er be­tont gleich­zei­tig: Die Schran­ke wird nur für die Fah­ren­den auf Platz ge­ho­ben. Fa­mi­li­en, die neu an­kom­men und Ein­lass be­geh­ren, wer­den kon­se­quent weg­ge­wie­sen.

«So kurz wie mög­lich»

Dass die­se Lö­sung in und um Wi­le­rol­ti­gen die Emo­tio­nen hoch­ge­hen lässt, kann Sie­gen­tha­ler ver­ste­hen. Gleich­zei­tig bit­tet er um Ver­ständ­nis da­für, dass das As­tra Zeit braucht, um die Si­tua­ti­on wie­der in den Griff zu be­kom­men. Ziel sei es, die Zahl der Ge­span­ne auf 20 bis 25 zu re­du­zie­ren und die für die Fah­ren­den re­ser­vier­te Flä­che ent­spre­chend zu ver­klei­nern. Die Au­to­fah­rer und Last­wa­gen­chauf­feu­re hät­ten dann wie­der Platz, der Rast­platz könn­te wie­der auf­ge­hen.

Um den Zu­tritt re­gu­lie­ren zu kön­nen, wird das As­tra nun wohl auch zur Au­to­bahn hin ei­ne Bar­rie­re auf­stel­len. Be­dient wird sie am Hin­ter­ein­gang vom Si­cher­heits­dienst, der oh­ne­hin rund um die Uhr auf dem Rast­platz Prä­senz mar­kiert.

Wann es so weit sein wird, lässt Mark Sie­gen­tha­ler zur­zeit of­fen. Auf die Fra­ge nach ei­nem zeit­li­chen Ho­ri­zont bleibt er all­ge­mein. «Wir möch­ten die Schlies­sung so kurz wie mög­lich hal­ten.»

Fo­to: Chris­ti­an Pfan­der

Das Fahr­ver­bot ist pro­vi­so­risch ab­ge­deckt.

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