Stad­ler Rail vor schwie­ri­ger Chef-su­che

Nach dem ab­rup­ten Ab­gang von Tho­mas Ahl­burg muss Pe­ter Sp­uh­ler bald ei­nen Nach­fol­ger fin­den. Doch Kan­di­da­ten, die sein Chef sein wol­len, sind dünn ge­sät.

Berner Zeitung (Emmental) - - Erste Seite - Phil­ipp Fel­ber-ei­se­le

Stad­ler Rail zeigt sich nach dem Ab­gang von CEO Tho­mas Ahl­burg äus­serst wort­karg. Nach­fol­ge­kan­di­da­ten gibt es we­ni­ge. Dies nicht nur, weil Pe­ter Sp­uh­ler der prä­gen­de Mann blei­ben wird.

Die Ar­beit mit sei­nem Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent Pe­ter Sp­uh­ler sei ein Mit­ein­an­der, er füh­le sich nicht ein­ge­schränkt: Das sag­te Ex-stad­ler-chef Tho­mas Ahl­burg ver­gan­ge­nes Jahr in ei­nem In­ter­view. Nur kur­ze Zeit spä­ter scheint die­ses Mit­ein­an­der nicht mehr ge­ge­ben zu sein. «Dif­fe­ren­zen hin­sicht­lich der stra­te­gi­schen und or­ga­ni­sa­to­ri­schen Wei­ter­ent­wick­lung» ha­ben zum ab­rup­ten Ab­gang des deut­schen Ma­na­gers ge­führt. So die of­fi­zi­el­le Ver­si­on.

Bei Stad­ler gibt man sich sonst über den Ab­gang äus­serst wort­karg. Ahl­burg blei­be noch bis En­de Jahr als Be­ra­ter bei Stad­ler und wol­le sich da­nach selbst­stän­dig ma­chen. Was klar ist: Fi­nan­zi­ell ha­ben sich die Jah­re bei Stad­ler Rail für ihn ge­lohnt. Er hielt En­de 2019 500’000 Ak­ti­en des Un­ter­neh­mens. Kann er die­se zu ei­nem Preis von rund 40 Fran­ken – der­zeit liegt der Kurs et­was dar­un­ter – ver­kau­fen, wür­de er 20 Mil­lio­nen Fran­ken lö­sen.

Ein mög­li­cher Kan­di­dat

Stad­ler Rail muss sich nun auf die kom­pli­zier­te Su­che nach ei­nem Nach­fol­ger für Ahl­burg be­ge­ben. Denn ei­nes ist klar: Es braucht bald ei­nen neu­en Chef. Aus Go­ver­nan­ce-grün­den ist die Dop­pel­rol­le von Pe­ter Sp­uh­ler als Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent und CEO nicht ger­ne ge­se­hen. Wie lan­ge die­ses In­ter­re­gnum – Sp­uh­ler soll nur ad in­te­rim als Chef am­ten – an­dau­ern soll und ob zum Bei­spiel der Such­pro­zess nach ei­nem neu­en Chef schon de­fi­niert sei: Da­zu will das Un­ter­neh­men nicht Stel­lung neh­men.

Ein mög­li­cher Nach­fol­ger für Ahl­burg wä­re Ans­gar Brock­mey­er. Die­ser wech­sel­te 2019 zu Stad­ler und wur­de zum Ver­triebs­chef er­nannt. Er hat sei­ne Lauf­bahn in ver­schie­de­nen Füh­rungs­funk­tio­nen bei Un­ter­neh­men der Bahn­bran­che ver­bracht. So war er et­wa 12 Jah­re bei Stad­ler-kon­kur­rent Sie­mens tä­tig. Er kennt das Ge­schäft al­so sehr gut.

Brock­mey­er wur­de bei Stad­ler bei of­fi­zi­el­len An­läs­sen als wich­ti­ge Fi­gur ein­ge­führt. An der Bi­lanz­me­di­en­kon­fe­renz im März hat­te er ei­nen Auf­tritt, als Fach­me­di­en über ver­schie­de­ne Pro­jek­te

der Fir­ma in­for­miert wur­den. Bei der Be­kannt­ga­be ei­ner Auf­trags­ver­ga­be an Stad­ler stand er eben­falls im Ram­pen­licht – di­rekt ne­ben Pe­ter Sp­uh­ler. CEO Ahl­burg fehl­te hin­ge­gen.

Ex­ter­ne Be­wer­ber auf den Pos­ten dürf­ten rar sein. Ers­tens ist die Bran­che über­schau­bar. Zwei­tens ist klar, wer bei Stad­ler das Sa­gen hat: Pe­ter Sp­uh­ler, was mit dem ab­rup­ten Ab­gang von Ahl­burg wie­der un­ter Be­weis ge­stellt wur­de. Es dürf­te al­so schwie­rig sein, Kan­di­da­ten für den Top-pos­ten zu fin­den, die ge­willt sind, in die­ser Kon­stel­la­ti­on zu ar­bei­ten.

Wachs­tum als Pro­blem

Der neue CEO wird ei­ni­ges zu tun ha­ben. Et­wa in Sa­chen Wachs­tum: 4 Mil­li­ar­den Fran­ken Um­satz im Jahr 2020 war das Ziel der Fir­ma beim Bör­sen­gang 2019. Die­ses Jah­res wur­de die­se Pro­gno­se kor­ri­giert, auf 3,5 Mil­li­ar­den Fran­ken. Jetzt wur­de – vor dem Hin­ter­grund der Co­ro­nak­ri­se – das Ziel gar aus­ge­setzt.

Der Sprung von 2 Mil­li­ar­den Um­satz 2018 auf 3,2 Mil­li­ar­den im Jahr 2019 ist zwar be­acht­lich. Das ra­san­te Wachs­tum ist aber nicht oh­ne Pro­ble­me über die Büh­ne ge­gan­gen. Es gab Pro­ble­me bei ei­nem Auf­trag in En­g­land, Wäh­rungs­ver­lus­te und nicht zu­letzt In­ef­fi­zi­en­zen beim ope­ra­ti­ven Be­trieb. Die Pro­fi­ta­bi­li­tät des Un­ter­neh­mens sank. Da­bei woll­te Stad­ler so­wohl Um­satz wie auch

Pro­fi­ta­bi­li­tät gleich­zei­tig stei­gern. Die­se am­bi­tio­nier­te Kom­bi­na­ti­on ist bis­her nicht ge­lun­gen. Ent­spre­chend be­we­gen sich die Ak­ti­en seit dem Bör­sen­gang vor ei­nem Jahr bes­ten­falls seit­wärts.

Ei­ne an­de­re Bau­stel­le für den neu­en Chef ist das Si­gnal­ge­schäft, wo Stad­ler wach­sen will. In die­sem Be­reich könn­te sich bald ei­ne Zu­kauf-mög­lich­keit er­ge­ben. Denn der fran­zö­si­sche Kon­zern Al­st­om will die Zug­s­par­te von Bom­bar­dier über­neh­men. Ähn­li­che Plä­ne zwi­schen Al­st­om und Sie­mens schei­ter­ten – weil der fu­sio­nier­te Kon­zern beim Si­gnal­ge­schäft zu mäch­tig ge­we­sen wä­re. Al­len­falls müss­ten da­her nun Al­st­om und Bom­bar­dier Tei­le ih­res Si­gnal­ge­schäfts ab­ge­ben, um ih­ren Zu­sam­men­schluss durch­zu­brin­gen. Da könn­te Stad­ler Rail zu­schla­gen.

In der Schweiz steht ei­ne pres­ti­ge­träch­ti­ge Ver­ga­be in Mil­li­ar­den­hö­he

an. Neue Re­gio­nal­zü­ge für die SBB und wei­te­re Bah­nen sind in Pla­nung. Zu­min­dest bei die­sem Auf­trag kommt Stad­ler die staat­li­che chi­ne­si­sche CRRC nicht in die Que­re. Die SBB ver­lan­gen Roll­ma­te­ri­al, das sich in Eu­ro­pa be­reits be­währt hat. Was die Chi­ne­sen nicht bie­ten kön­nen.

Dass die Chi­ne­sen der­einst Fuss fas­sen wer­den, scheint aber kein Ding der Un­mög­lich­keit zu sein. Und dann steht die gan­ze Bran­che in Eu­ro­pa vor gros­sen Her­aus­for­de­run­gen. Und die Chi­ne­sen sind ge­willt, in den Markt ein­zu­tre­ten. Selbst bei ei­nem ver­gleichs­wei­se klei­nen Auf­trag der Mat­ter­horn-gott­hard-bahn, bei dem Stad­ler am En­de den Auf­trag er­hielt, ha­ben die Chi­ne­sen laut gut un­ter­rich­te­ten Qu­el­len zu­min­dest ihr In­ter­es­se be­kun­det, am En­de aber kei­ne Ein­ga­be ge­macht.

Fo­to: Keysto­ne

Fer­ti­gungs­hal­le von Stad­ler Rail in Bussnang: In der Schweiz ste­hen pres­ti­ge­träch­ti­ge Auf­trags­ver­ga­ben für Roll­ma­te­ri­al an.

Fo­tos: Keysto­ne

Pe­ter Sp­uh­ler (l.) und Tho­mas Ahl­burg.

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