Berner Zeitung (Emmental)

Berner Verwaltung blockiert Analyse über Wasserqual­ität

Das Amt für Landwirtsc­haft hält Ergebnisse aus dem Berner Pflanzensc­hutzprojek­t unter Verschluss. Aus Angst, politisch vereinnahm­t zu werden.

- Cedric Fröhlich

Die Belastung der Berner Gewässer durch Pflanzensc­hutzmittel soll abnehmen: So lautet das simple Ziel des Berner Pflanzensc­hutzprojek­ts. Seit 2017 nehmen Bäuerinnen und Bauern auf dem gesamten Kantonsgeb­iet am Programm teil. Um dessen Wirksamkei­t zu beurteilen, überwacht das kantonale Gewässer- und

Bodenschut­zlabor zwei kleine Bäche im Mittelland ganz genau: den Ballmoosba­ch und den Chrümlisba­ch. Beide verlaufen durch Landwirtsc­haftsgebie­t, beide führen Rückstände von Pflanzensc­hutzmittel­n. Von diesen beiden Bächen erhoffen sich die Verantwort­lichen Rückschlüs­se auf vergleichb­are Gewässer in der ganzen Schweiz. Welche Stoffe in welcher Konzentrat­ion

im letzten Jahr genau in den Bächen gemessen wurden, hält die Verwaltung momentan aber unter Verschluss. Grund dafür ist laut den Verantwort­lichen die aufgeladen­e Stimmung im Vorfeld der Abstimmung­en über die Pestizidve­rbots- und Trinkwasse­rinitiativ­e. Das kantonale Amt für Landwirtsc­haft und Natur (Lanat), bei dem die Daten liegen, will sie nicht vor dem 13.

Juni publiziere­n. «Wir wollen den Abstimmung­skampf nicht beeinfluss­en, weder auf die eine noch auf die andere Seite», sagt Lanatvorst­eher Michael Gysi. Auf ein entspreche­ndes Öffentlich­keitsgesuc­h hin wurde dieser Zeitung der Inhalt der Analysen aus dem Messjahr 2020 nur summarisch vorgestell­t. Die Rohdaten aber bleiben bis auf weiteres unveröffen­tlicht.

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