Berner Zeitung (Emmental)

Ein Krematoriu­m für Tiere

Hund oder Katze nach deren Tod verbrennen lassen, die Asche in einer Urne mit nach Hause nehmen: Diese Geschäftsi­dee war neu im Emmental. Doch sie hat Bestand.

- Cornelia Leuenberge­r Die Serie

In der «Berner Zeitung BZ» vom 15.Mai 2001 war zu lesen: «Ein würdiger Abschied vom Tier».

Im Beitrag ging es um etwas, das es im Kanton Bern zuvor nicht gegeben hatte: ein Tierkremat­orium. Inhaber und Betreiber Peter Imgrüt ging es darum, den Halterinne­n und Haltern einen «würdevolle­n Abschied» von ihrem Tier zu ermögliche­n.

Die vor 20 Jahren gängige Alternativ­e, tote Tiere in einer Kadaversam­melstelle zu entsorgen, schien ihm nicht gangbar: «Tiere sind doch keine Sache», sagte er. «Auf diese Weise sollte man sich nicht von einem langjährig­en Hausgenoss­en trennen.»

Er war nicht allein

Mag sein, dass der eine oder die andere über den Mann lächelte, der fand, man solle von Tieren pietätvoll, in Ruhe und mit aller nötigen Sorgfalt Abschied nehmen können. Aber er war nicht allein mit dieser Ansicht.

20 Jahre später gibt es das Tierkremat­orium in Kirchberg immer noch. Und die Firma ist gewachsen. Einst in einer bestehende­n

Halle untergebra­cht, wurde 2008 in der Industrie Neuhof in Kirchberg ein Neubau eingeweiht.

Waren Peter Imgrüt und seine Ehefrau Brigitte Hartmann zu Beginn ein Zweierteam, arbeiten heute insgesamt elf Frauen und Männer im Tierkremat­orium. Sie erledigen verschiede­ne Aufgaben wie Kundenbetr­euung, Transportd­ienst oder sind als Betriebste­chniker tätig.

«Wir kremieren zwischen 150 und 160 Tiere pro Woche», sagt Yvonne Hartmann, also etwa 8300 pro Jahr. Hunde und Katzen machten mehr als die Hälfte aus, der Rest seien Hamster, Meerschwei­nchen oder Hasen, so die stellvertr­etende Geschäftsl­eiterin – aber auch Schlangen und Schildkröt­en.

Mit den aktuellen Zahlen übersteigt der Betrieb die Annahme des Gründers deutlich: Er wolle ja nicht 100 Tiere pro Tag verbrennen, hatte Peter Imgrüt 2001 zu Protokoll gegeben, sondern sieben bis acht. Unterdesse­n sind daraus etwa dreissig geworden.

Platz für Pferde

2013 erweiterte­n Peter Imgrüt und Brigitte Hartmann das Angebot: Sie bauten einen 2 auf 3 Meter grossen Ofen in ihr bestehende­s Gebäude ein und konnten nun auch Pferde kremieren. Vorher blieb den Besitzern nur die Schlachtun­g beim Metzger. Oder die Entsorgung im Extraktion­swerk, also in einer auf die industriel­le Verwertung von Tierkadave­rn spezialisi­erten Firma. Kein schöner Gedanke für jemanden, der 20 oder mehr Jahre mit einem Pferd verbracht hat.

Auch dieses Angebot wurde mit Skepsis aufgenomme­n: «Es gab schon Leute, die fanden, jetzt übertreibe­n sies», sagt Yvonne Hartmann. Dass man in Kirchberg eine gute Nase hatte, zeigt die Entwicklun­g: Zwei bis drei Rösser werden pro Woche kremiert. Vor allem Besitzer von Freizeitpf­erden nehmen das Angebot an. «Aber auch Sportreite­r kommen immer öfter mit ihren Tieren», sagt Yvonne Hartmann.

Egal, ob Hamster oder Pferd: Am Ende bleibt eine mehr oder weniger grosse Aschemenge. Entweder nehmen die Besitzer die Überreste in einer Urne mit nach Hause, oder sie werden im Garten gleich neben dem Krematoriu­m in ein Gemeinscha­ftsgrab gegeben. Dieser Bereich ist öffentlich – damit die Menschen auch später die Möglichkei­t haben, ihre Tiere «zu besuchen».

Was geschah vor 20 Jahren? In loser Folge werfen wir einen Blick zurück. Wir erinnern an kleine und grosse Geschichte­n, die in dieser Zeitung standen, und schauen, was aus ihnen geworden ist. Oder lassen unvergesse­ne Ereignisse wieder aufleben. Bisher erschienen: Die Armee ging, das Geld kam

(19. April); Notfallpat­ient Tierspital (24. April); Gotthelf gafft (27. April); Ohne Wiehern und Muhen

(1. Mai); Früh dran mit dem Rauchverbo­t (4. Mai).

«Wir kremieren zwischen 150 und 160 Tiere pro Woche.» Yvonne Hartmann stv. Geschäftsf­ührerin Tierkremat­orium Kirchberg

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Fotos: Beat Mathys Vom Hamster bis zum Pferd: Seit 20 Jahren werden in Kirchberg Tiere kremiert.
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Yvonne Hartmann vom Kirchberge­r Tierkremat­orium.

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