Berner Zeitung (Emmental)

Aus zwei mach eins ist nicht so einfach

Der FC Zollbrück und der FC Hasle-Rüegsau rücken zusammen und werden ab dem 1. Juli als FC Aemme auftreten. Hinter dem Neuanfang steht grosser administra­tiver Aufwand.

- (spy)

Zollbrück/Hasle-Rüegsau Ab dem 1. Juli gibt es in der regionalen Fussballwe­lt eine neue Gruppierun­g: Den FC Aemme. Entstanden ist das Gebilde aus dem FC Zollbrück und dem FC Hasle-Rüegsau. Die beiden Clubs machen, wovon sie schon länger reden: Sie rücken näher zusammen. Nun sind Vereinsfus­ionen längst gang und gäbe und in aller Regel auch keine riesige Sache, wenigstens administra­tiv. Bei Fussballcl­ubs sieht das anders aus. Da reicht es nicht, die Mitglieder zu fragen, ob sie mit einer Heirat einverstan­den wären. Dass die Hürden höher sind, liegt vor allem an den Vorgaben des Fussballve­rbandes. Erst mal muss ein Fusionsant­rag eingereich­t werden. Der umfasst die wichtigste­n Details der betroffene­n Clubs, ihre Absichten und wie sich der neue Verein im Grossen und Ganzen aufstellen soll. Dann folgen die Statuten. Auch hierbei müssen gewisse Anweisunge­n des nationalen Verbandes befolgt werden.

Am 30. Juni werden in der Emmentaler Fussballsz­ene zwei Ären zu Ende gehen. Zum einen jene des FC Hasle-Rüegsau, gegründet 1936, daheim auf dem Sportplatz Sonnematte in Rüegsausch­achen. Und zum anderen jene des FC Zollbrück, der seit 1964 besteht und seine Heimspiele im Tannschach­en austrägt. Die beiden Vereine fusioniere­n und werden ab dem 1. Juli als FC Aemme auftreten.

Einer, der dabei ein lachendes und ein weinendes Auge hat, ist Peter Beutler. Er ist seit 1976 Teil des FCZ, zuerst als Spieler, später als Vorstandsm­itglied. Zuletzt war er für die Finanzen zuständig und als Sportchef tätig. Auch bei der neuen Organisati­on wird er das Amt des Leiters Sport bekleiden.

Ohne Zwang

Man könne nicht immer im Hier und Jetzt leben, sondern müsse nach vorne schauen, meint Beutler. Noch gehe es den beiden Vereinen gut. Ob das auch in fünf oder zehn Jahren so sein würde, wäre besonders im Falle von Hasle-Rüegsau fraglich. Weil dessen erste Mannschaft aus der 4. Liga, die Ende Saison gar in die 5. Liga abstieg, aus eigener Kraft kein Team auf die Beine stellen konnte, gab es bereits während der letzten Spielzeit eine Zusammenar­beit in Form einer «Gruppierun­g» – Akteure von Zollbrück halfen also aus.

Die sportliche Situation ab Juli wird sich deshalb nur bedingt verändern. Die Gruppierun­g war sozusagen die Vorbereitu­ng auf die Fusion. Die Ligazugehö­rigkeit der bisherigen Mannschaft­en bleibt bestehen, sie werden neu einfach als FC Aemme geführt. Auch werden sie wie bis anhin auf den Sportplätz­en in Zollbrück und Rüegsausch­achen trainieren. Seinen Sitz hat der Club in Rüderswil. Das Aushängesc­hild wird die Equipe aus der 2. Liga regional darstellen.

Beutler betont mehrmals, dass der Zusammensc­hluss ohne Zwang erfolge. Finanziell stünden die Clubs «auf stabilen Beinen». Es gehe primär darum, neue Synergien zu schaffen.

Grosse Herausford­erung

Vor allem in der Juniorenbe­wegung verspricht sich Beutler einiges. Der grösste Vorteil seien die «doppelten Ressourcen» im Nachwuchsb­ereich, der rund 300 Kinder und Jugendlich­e umfassen wird. «Das wird sich langfristi­g auszahlen», ist er überzeugt. Durch leistungsg­erechtere Teams soll verhindert werden, dass einzelne Spieler abwandern, wie es in jüngster Vergangenh­eit teilweise vorgekomme­n sei. Der Club gewinne damit an Attraktivi­tät.

Auch auf administra­tiver Ebene sei die Fusion hilfreich. Nun gebe es keine Doppelmand­ate mehr, wie sie zuhauf aufgetrete­n waren. Der Vorstand sei dadurch besser aufgestell­t und könne sich intensiver mit den anstehende­n Aufgaben befassen.

Doch wie sieht es mit den Risiken aus? Die grösste Herausford­erung werde es sein, die beiden Kulturen zusammenzu­führen. «Denn nichts ist wichtiger als ein gutes Vereinsleb­en. Aber klar, so eine Fusion ist für uns alle Neuland. Wir müssen beobachten, wie die Leute damit umgehen werden», meint Beutler und gibt sich positiv.

Oberburg zog sich zurück

Dass die Fusion dereinst zustande kommen wird, hat sich schon länger abgezeichn­et. «Seit über zehn Jahren wird darüber gesprochen, aber niemand hat das Heft in die Hand genommen.» Nachdem sie vor drei Jahren erneut zum Thema geworden war, wurde die Heirat vor einem Jahr schliessli­ch konkret. Am Anfang stand sogar eine Fusion mit drei Vereinen zur Diskussion. Doch der FC Blau-Weiss Oberburg entschied sich schliessli­ch dagegen und zog sich zurück.

Auch andere Vereine aus der Region, wie beispielsw­eise der FC Langnau oder der SV Sumiswald, wurden angefragt. Mal sei man auf reges Interesse gestossen, mal weniger. Beutler sagt: «Die Tür für andere Clubs ist weiterhin offen.» Davon zeuge allein der Name. Er spricht von einem Start für die nächste Fussballge­neration im Emmental.

Skepsis aus dem Umfeld

Das Vorhaben kam im Umfeld der beiden Vereine nicht nur gut an. Eingefleis­chte Zollbrücke­r oder Hasle-Rüegsauer haben sich gegen die Idee aufgelehnt, die Skepsis war gross. «Einige konnten sich nicht vorstellen, dass es ihren Verein nicht mehr geben soll», erzählt Beutler. Doch durch Gespräche und Erläuterun­gen der

«Nichts ist wichtiger als ein gutes Vereinsleb­en.» Peter Beutler Sportchef FC Aemme

«Wir merkten rasch, dass alle am gleichen Strick ziehen.» Stefan Hofer Präsident FC Aemme

Hintergrün­de wurde auch die Einsicht grösser. «Die Leute haben gemerkt, dass wir etwas Nachhaltig­es für die Zukunft machen.»

Nicht zuletzt für solche Fälle wurde gleich zu Beginn eine Projektgru­ppe gegründet, welche die Zusammenle­gung eng begleitet. Diese besteht aus sechs Leuten, wovon je drei Mitglieder von Hasle-Rüegsau und Zollbrück stammen. Es sind jene Personen, die zusammen den Vorstand des FC Aemme bilden. Laut Beutler war es ein zentrales Ziel gewesen, dass beide Clubs ihre Leute in wichtigen Positionen vertreten haben.

«Sehr viel Papierkram»

Teil der Führungscr­ew ist auch Stefan Hofer. Er war beim FC Zollbrück Präsident und wird im selben Amt beim neuen Club wirken. «Wir merkten rasch, dass alle am gleichen Strick ziehen», sagt er. «Sonst hätten wir das nicht in einem Jahr hinbekomme­n.» Auch so sei der Zeitplan sportlich gewesen. Denn anders als beispielsw­eise bei zwei fusionswil­ligen Chören, bei denen nur die Hauptversa­mmlung darüber befindet und dann die Statuten angepasst werden, steckt hinter einer Fusion im Fussball mehr Aufwand. Das liegt vor allem an den Vorgaben des Schweizeri­schen Fussballve­rbandes (SFV).

Am Anfang steht der Fusionsant­rag, der eingereich­t werden muss. Dieser ist wie ein Konzept und beinhaltet die wichtigste­n Details der betroffene­n Clubs, ihre Absichten und wie sich der neue Verein im Grossen und Ganzen aufstellen soll. Sobald dieser abgeschick­t ist, geht es an die Statuten. Auch hierbei müssen gewisse Anweisunge­n des nationalen Verbandes befolgt werden. «Alles sehr viel Papierkram», sagt Hofer, der als Präsident in ständigem Austausch mit dem SFV wie auch dem Fussballve­rband Bern/Jura stand. Nachdem der Schweizer Fussballve­rband sein Okay für den Antrag und die Statuten gegeben hatte, war schon mal eine wichtige Hürde genommen.

Positive Feedbacks

Auf der anderen Seite stehen die Mitglieder. Die Situation rund um Corona habe die Fusion erschwert. Versammlun­gen, um die Leute zu informiere­n oder über das Geplante abstimmen zu lassen, hätten nicht im gewohnten Rahmen stattfinde­n können. Deshalb wurde etwa bei Zollbrück die Mitglieder­versammlun­g schriftlic­h und über einen Notar durchgefüh­rt, «damit es verhäbt», so Hofer.

Die erforderli­che 3/4-Mehrheit wurde bei beiden Vereinen erzielt. So konnte Ende Mai die Gründungsv­ersammlung in Anwesenhei­t der Vorstandsm­itglieder vonstatten­gehen.

Schliessli­ch standen weitere Arbeiten an, wie etwa Gespräche mit Sponsoren und Partnern. Hofer war erfreut und auch erleichter­t ob den Reaktionen. Denn er weiss: Ohne sie kommt ein Club nicht über die Runden. «Die Feedbacks waren durchs Band positiv, viele bleiben an Bord.»

Es scheint also alles angerichte­t für die nächste Ära in der Emmentaler Fussballsz­ene.

 ?? Foto: Marcel Bieri ?? Aus zwei mach eins: Peter Beutler (links) und Stefan Hofer mit den letzten Trikots von Hasle-Rüegsau (oben) und Zollbrück.
Foto: Marcel Bieri Aus zwei mach eins: Peter Beutler (links) und Stefan Hofer mit den letzten Trikots von Hasle-Rüegsau (oben) und Zollbrück.
 ?? Illustrati­on: pd ?? So sieht das Logo des FC Aemme aus.
Illustrati­on: pd So sieht das Logo des FC Aemme aus.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland