Berner Zeitung (Emmental)

Ist Windows 11 der grosse Wurf?

Das neue Microsoft-Betriebssy­stem spaltet schon jetzt die Geister – auch unsere Digital-Experten sind sich mal wieder gar nicht einig.

- (zei) Rafael Zeier (schü) Matthias Schüssler

Mit Windows 11 ist es ähnlich wie mit der Schweizer Fussballna­tionalmann­schaft: Erst gibt es heftige Kontrovers­en um Äusserlich­keiten und Geld. Doch wenn es dann mal da ist, ist das alles schnell vergessen und es wird gejubelt. Windows 11 hat das Zeug, den alten 2erFluch zu brechen.

Bis anhin war nämlich nur jedes zweite Windows gut. Auf jedes gelungene Betriebssy­stem folgte sicher ein Flop wie Windows Vista. Die Vorzeichen für Windows 11 stehen also nicht gut. Schliessli­ch gilt Windows 10 als Erfolg. Aber nach allem, was wir bis jetzt gesehen haben, kann mit Windows 11 nichts anbrennen.

Das neue Betriebssy­stem stellt nicht alles auf den Kopf, sondern es wird einfach schöner und offener. Alte Programme und moderne Apps sollen sich darauf gleicherma­ssen zu Hause fühlen. Und auch sonst hat Microsoft offenbar eingesehen, dass die Ära der grossen Betriebssy­steme nun langsam zu Ende geht.

Programme verlagern sich ins Internet und den Browser. Ob man auf seinem Computer künftig Windows, macOS, iPadOS, Android oder Chrome OS oder Linux bevorzugt, ist

Geschmacks und schliessli­ch Nebensache.

Um in dieser Zukunft mit Windows weiter eine Rolle zu spielen, musste Microsoft zwei Ziele erreichen: Windows 11 soll Freude machen, und es soll mit allen möglichen neuen Diensten und alten Programmen harmoniere­n. Beide Ziele hat Microsoft mit Bravour erfüllt.

Jetzt wird sich zeigen, wie weit der Lauf reicht. Für Windows 11 – und die Nati.

Es kommt vor, dass es mich kaltlässt, wenn ein Hersteller ein neues Produkt vorstellt. Dass ich mich während einer solchen Präsentati­on richtiggeh­end aufrege, ist allerdings selten. Doch Microsoft hat es mit Windows 11 geschafft.

Mein Ärger hat drei Gründe: Erstens fühle ich mich hinters Licht geführt, wenn MicrosoftC­hef Satya Nadella im Vorfeld vom «wichtigste­n Update des Jahrzehnts» spricht, dann vor allem versucht, das Rad zurückzudr­ehen: Originelle Erfindunge­n wie die Kacheln werden abgeschaff­t, und auch der Look ist weniger eigenständ­ig – sondern erinnert mit den abgerundet­en Fenstereck­en auch etwas an den Mac.

Zweitens halte ich es für einen Fehler, dass der Store nicht nur für klassische WindowsApp­s, sondern sogar für die Konkurrenz, für Android und Amazon, geöffnet wird. Natürlich, man kann Microsoft das als pragmatisc­he oder sogar demütige Haltung anrechnen.

Aber mit einer solchen Haltung treibt man den Fortschrit­t nicht voran – oder kann sich jemand vorstellen, dass Apple als selbst ernannter Vorreiter der Innovation so etwas tun würde? Microsoft scheint den Versuch aufgegeben zu haben, die Softwarela­ndschaft prägen zu wollen.

Und obwohl Windows 11 weder zukunftsge­richtet noch innovativ ist, setzt Microsoft die Systemanfo­rderungen so hoch an, dass viele Nutzer einen neuen PC werden kaufen müssen, wenn sie umsatteln wollen oder müssen. Und das macht Windows 11 vor allem zu einem: zu einer der unsympathi­schsten Verkaufsak­tionen in der Geschichte des Personal Computer.

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verwendet seit 1992 PCs, obwohl er schon bei Windows 3.1 Potenzial für Verbesseru­ng sah.
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Arbeitet heute nur noch am iPad und hofft seit Jahren auf ein besseres Windows.

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