Berner Zeitung (Emmental)

So treibt der Arzt Ihren Blutdruck in die Höhe

- Stefan Aerni

Das haben wohl alle schon erlebt: Beim Arzt oder im Spital wird einem der Blutdruck gemessen – und die Werte sind dann zu hoch. Jetzt haben italienisc­he Forscher dieses Phänomen, bekannt als «Weisskitte­l-Hochdruck», genauer untersucht: Wenn ein Arzt oder eine Ärztin die Messung vornahm, war bei den Testperson­en der obere (systolisch­e) Blutdruck im Schnitt um 14 Einheiten (Millimeter­Quecksilbe­rsäule) höher, als wenn kein Arzt dabei war. Auch die Herzfreque­nz erhöhte sich um 11 Schläge pro Minute.

Die Erklärung dieses Phänomens liegt in der Evolution des Menschen begründet: Bei einer Bedrohungs- und Angstsitua­tion ist es ganz normal, dass Blutdruck und Herzfreque­nz ansteigen: Durch eine Verengung der Blutgefäss­e und eine stärkere Durchblutu­ng der Muskulatur ist es möglich, schnell davonzulau­fen – oder sich auf einen Kampf einzulasse­n. Studienlei­ter Guido Grassi von der Universitä­t Milano-Bicocca in Mailand: «Die Resultate zeigen die Komplexitä­t von Blutdruckm­essungen und wie sie durch unwillkürl­iche Reaktionen des Nervensyst­ems beeinfluss­t werden. Messungen ohne Präsenz eines Arztes können die wahren Blutdruckw­erte besser widerspieg­eln.»

Das ist denn auch ein Grund, weshalb immer mehr Fachleute empfehlen, den Blutdruck in vertrauter Umgebung zu Hause zu messen. Doch worauf gilt es dabei zu achten?

Wie Sie richtig messen

Thomas Kistler, Chefarzt Nephrologi­e/Dialyse am Kantonsspi­tal Winterthur, gibt die folgenden Tipps für eine möglichst genaue Messung:

— Setzen Sie sich an einen Tisch. — Ruhen Sie sich fünf bis zehn Minuten aus.

— Benutzen Sie am besten ein Blutdruckm­essgerät mit einer Oberarm-Manschette (Handgelenk­geräte sind fehleranfä­lliger). — Wenn Sie ein Handgelenk­gerät benutzen, achten Sie zumindest darauf, dass das Handgelenk auf Herzhöhe ist (am besten Arm auf die Brust legen). — Im Idealfall messen Sie den Blutdruck dreimal und ermitteln den Durchschni­tt.

Den Blutdruck zu kennen, sei für Hochdruckp­atienten wichtig, erklärt Facharzt Kistler: «So können wir Über- oder Unterbehan­dlungen vermeiden.»

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