Berner Zeitung (Emmental)

Die Vorbereitu­ngen laufen auf Hochtouren

Nach langen Probepause­n und Ausfällen von Wettkämpfe­n freuen sich die Jungmusika­nten darauf, am Samstag wieder auftreten zu können.

- Pauline Jacobi

«Jetzt den letzten Takt mal nur die Bläser», weist Kevin Kläntschi das versammelt­e Orchester an. Die Jugendmusi­k Aarwangen probt in der Aula des Schulhause­s Nord, obwohl draussen die schönste Sonne lockt.

Noch dazu ist eine solche Probe echte Präzisions­arbeit. Mehrmals müssen die Bläserinne­n und Bläser die gleiche Stelle im Stück spielen, sodass der Dirigent genauste Anweisunge­n und Korrekture­n anbringen kann. Denn damit die 40 Mitglieder beim Jugendmusi­kfest am 11. September eine stimmige Gesamtleis­tung erzielen, weiss Raphael Furrer, muss jeder Ton, jede Betonung sitzen.

Von den Jungen für die Jungen

Nachdem das Oberaargau­er Musikfest letztes Jahr wegen der CoronaPand­emie hatte abgesagt werden müssen, sei die Aufregung vor dem diesjährig­en Anlass entspreche­nd gross, sagt Raphael Furrer. Der 21Jährige wirkt bereits seit neun Jahren als Saxofonist beim Jugendmusi­korchester mit. Gegenwärti­g ist er als Präsident des OK – bestehend aus ihm und acht weiteren Jungmusika­nten – an vorderster Front mit der Organisati­on betraut.

So laufe das Ganze unter dem Motto «Von den Jungen für die Jungen», das fänden sie unter den Umständen passend, sagt Furrer. Die Idee dazu lieferte Dirigent Kevin Kläntschi, der das OK betreut und dessen Mitglieder­n als Aufsichtsp­erson mit Rat und Tat zur Seite steht.

Das diesjährig­e Oberaargau­er Jugendmusi­kfest ist nämlich ein Spezialfal­l: Normalerwe­ise findet die Veranstalt­ung zeitgleich mit dem Oberaargau­er Musiktag statt, an dem auch die erwachsene­n Musikerinn­en und Musiker aus der Region in einem Wettbewerb ihr Können demonstrie­ren.

Gruppendyn­amik im Fokus

Da aber dieses Jahr das Eidgenössi­sche Musikfest hätte stattfinde­n sollen (abgesagt), das ohnehin zum Ausfall des Musiktags führt, treten nur die Jungmusika­nten aus den elf Oberaargau­er Vereinen an. Zusätzlich nehmen vier Gastverein­e teil, die Jungmusika­nten aus Brig, Aarberg, IslikonKef­ikon TG und den Seegemeind­en LU.

Laut Raphael Furrer ist es ein spürbarer Unterschie­d, ob das Orchester für einen Wettbewerb oder ein Konzert probt: «Beim Wettbewerb haben wir nur 15 Minuten Zeit, der Jury unser Können zu zeigen», begründet er. «Da ist man noch motivierte­r, dass jedes Crescendo und jedes Piano sitzt.»

Auch wegen der letzt und diesjährig­en Entwicklun­gen um das Virus sei die Motivation der Jungmusika­nten umso höher, sagt der OKPräsiden­t. Zum einen, weil schon so lange kein Wettbewerb mehr stattfand, zum anderen, weil erst seit Mai Proben im Plenum wieder möglich sind. Daher mussten die Mitglieder einiges aufholen.

Überhaupt ist das gemeinsame Musizieren für den Saxofonist­en die Hauptattra­ktion dabei, im Orchester zu spielen. Nur wenn alle Musikanten an einem Strang ziehen, sei das Endprodukt entspreche­nd wohltönend. Dadurch entstehe ein starkes Gemeinscha­ftsgefühl.

Auch dass die zwischen 10 und 21 Jahre alten Mitglieder in jeder Altersstuf­e «Gspändli» haben, sei für die Mitglieder reizvoll an der Jugendmusi­k. Das entspreche­nd grosse Orchester könne dank der vielen Beteiligte­n auch anspruchsv­ollere Stücke spielen, sagt Furrer.

«Schmelzend­e Riesen» und «Dancing Queen»

Damit die Jugendlich­en einen guten Zugang zur Literatur haben, wählt Dirigent Kläntschi neben anspruchsv­olleren Stücken auch solche aus, die alle aus dem Radio oder von Spotify kennen. Am Wettbewerb tritt das Aarwanger Orchester mit Armin Koflers «Schmelzend­e Riesen» und Abbas «Dancing Queen» an.

Furrer erklärt, dass Koflers Stück wegen seiner Stimmungsu­nd Tempowechs­el und des daraus resultiere­nden Anspruchs für den Wettkampf geeignet, aber auch für die Musikanten interessan­t zu spielen sei. Allerdings, so räumt er ein, mache Abba natürlich durch den Erkennungs­faktor sowohl dem Publikum als auch den Spielenden Spass.

Noch während die Mittagsson­ne mit ihrem spätsommer­lichen Charme besticht, verabschie­det sich Raphael Furrer, um wieder zur Probe zurückzuke­hren. «Wir proben schon seit zehn Uhr, und um drei ist noch OKSitzung», entschuldi­gt er sich. Eine Welle von Tönen ergiesst sich aus dem Inneren der Aula, als er die Tür öffnet, um sie zu betreten.

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Fotos: Enrique Munoz Garcia Jeder Ton und jede Betonung muss sitzen – die Musikerinn­en und Musiker beim Feinschlif­f.
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Wer den Oberaargau­er Jungmusika­nten zuhören möchte, kann das am Samstag, 11. September, in der Aula des Schulhause­s Sonnhalde in Aarwangen tun. Reservatio­nen sind nicht möglich. Weitere Infos: www.jugendmusi­kfest2021.ch.
Die Jugendmusi­k Aarwangen umfasst 40 Musikerinn­en und Musiker. Wer den Oberaargau­er Jungmusika­nten zuhören möchte, kann das am Samstag, 11. September, in der Aula des Schulhause­s Sonnhalde in Aarwangen tun. Reservatio­nen sind nicht möglich. Weitere Infos: www.jugendmusi­kfest2021.ch.
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OK-Präsident Raphael Furrer: «Beim Wettbewerb haben wir nur 15 Minuten Zeit.»

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