Ex-Wirt kämpft um Gur­n­igel-Berg­haus

Berner Zeitung (Stadt) - - Region - Ge­mein­de­ver­samm­lung Riggisberg, Au­la Schu­le. Mo, 18. Ju­ni, 20 Uhr.

Der Ber­ner SVPS­tadt­rat und ehe­ma­li­ge Wirt Ro­land Iseli will das Gur­n­igelBerg­haus kau­fen. Die Ge­mein­de eben­falls. Iseli hofft, dass die Ge­mein­de­ver­samm­lung den Kauf ab­lehnt und er den Zu­schlag er­hält.

«Das sind ja mehr Leu­te als an ei­ner Ge­mein­de­ver­samm­lung», sagt Micha­el Bür­ki. Der Ge­mein­de­prä­si­dent von Riggisberg sitzt im vol­len Saal des Re­stau­rants Ad­ler, wäh­rend im­mer mehr Stüh­le her­ein­ge­tra­gen wer­den. Men­schen strö­men her­ein, bald sit­zen rund hun­dert Per­so­nen an und zwi­schen den Ti­schen, ste­hen die Wän­den ent­lang und im Kor­ri­dor. Der An­lass: ei­ne In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung zum Gur­n­igel-Berg­haus, or­ga­ni­siert vom Ber­ner SVP-Stadt­rat Ro­land Iseli (sie­he Kas­ten). Punkt acht Uhr er­greift er das Wort: «So, es isch ach­ti», und er­klärt gleich sei­ne Sicht der Din­ge. Ge­nau­er: war­um er und nicht die Ge­mein­de Riggisberg das Gur­n­igel-Berg­haus kau­fen soll­te.

Nach lan­gem Hin und Her will die Ge­mein­de das Berg­haus er­wer­ben und an Hans-Ul­rich Mül­ler von der Ber­na­park AG wei­ter­ver­kau­fen. Die­ser will es an die vom Na­tur­park in­iti­ier­te Gan­trisch plus AG ver­pach­ten.

Kri­tik an Ge­mein­de

Ro­land Iseli be­grüsst den Ge­mein­de­prä­si­den­ten, Micha­el Bür­ki (SVP), gleich mit ei­ner kal­ten Du­sche: Er kri­ti­siert ihn we­gen sei­ner frü­he­ren Aus­sa­ge, dass der Kauf ei­nes Re­stau­rants nicht Auf­ga­be ei­ner Ge­mein­de sei. «Und jetzt steht die­ser Kauf auf der Trak­tan­den­lis­te der Ge­mein­de­ver­samm­lung!», sagt Iseli und be­tont, er füh­le sich als Da­vid, der den Kampf ge­gen Go­li­ath – Ge­mein­de und Gan­trisch plus AG – auf­neh­me. «Ich will an­tre­ten, fi­nan­zie­re al­les und will auch sel­ber wir­ten.» Zum Pu­bli­kum: «Ich wä­re dank­bar, wenn ihr mich un­ter­stüt­zen und an der Ge­mein­de­ver­samm­lung den Kauf des Berg­hau­ses ab­leh­nen wür­det.»

Meh­re­re aus dem Pu­bli­kum stel­len sich auf Ise­lis Sei­te. Ei­ner sagt: «Ge­nau so ei­nen Mann brau­chen wir. Trotz Na­tur­park geht hier oben al­les vor die Hun­de.» Es ge­he nur noch berg­ab im Gur­n­igel­ge­biet. «So ei­ne Vi­si­on, wie sie Herr Iseli hat, gab es hier noch nie.» Auf die­ses Vo­tum folgt kräf­ti­ger Ap­plaus.

«Ich wä­re dank­bar, wenn ihr an der Ge­mein­de­ver­samm­lung den Kauf des Berg­hau­ses ab­leh­nen wür­det.»

Ro­land Iseli

Die Kä­se­rei

Im Berg­haus ist ei­ne Schau­kä­se­rei vor­ge­se­hen. Die­se fin­det Iseli un­nö­tig, die­je­ni­ge in Af­fol­tern ha­be ja stän­dig Geld­pro­ble­me. Zu­dem sei­en die Kü­he ja nur rund hun­dert Ta­ge pro Jahr auf und um den Gur­n­igel. Den Rest des Jah­res müss­te man täg­lich die Milch hin­auf­kar­ren, um kä­sen zu kön­nen. «Das ist we­der wirt­schaft­lich noch öko­lo­gisch. Ich wür­de auf die Kä­se­rei ver­zich­ten und mich auf das Re­stau­rant und die Un­ter­künf­te kon­zen­trie­ren.» Letz­te­re möch­te er ent­stau­ben und mo­der­ni­sie­ren. «Aus den Mas­sen­la­gern könn­te man Dop­pel­zim­mer mit Bad ma­chen», sagt Iseli und wen­det sich an Daniel Bau­mann von der Gan­trisch plus AG: «Was sa­gen Sie zu mei­nen Plä­nen?» Bau­mann re­agiert rasch: «Schön zu hö­ren, wie Herr Iseli schwärmt. Ich bin über­zeugt, dass er das Berg­haus füh­ren könn­te. Ei­gent­lich soll­ten wir zu­sam­men­ar­bei­ten.»

Das Vor­kaufs­recht

Die Ge­mein­de hat ein Vor­kaufs­recht, auf­grund des­sen sie der Ar­ma­su­is­se die Lie­gen­schaft zum Ver­kaufs­richt­preis von 620 000 Fran­ken ab­kau­fen kann. Die­sen Be­trag hat auch Iseli of­fe­riert. Er gibt sich über­zeugt: «Wenn die Ge­mein­de­ver­samm­lung den Kauf des Berg­hau­ses ab­lehnt, krie­ge ich es. Das kann ich euch ver­spre­chen.» Und ern­tet Wi­der­spruch von Ge­mein­de­prä­si­dent Micha­el Bür­ki: «Das Vor­kaufs­recht er­laubt uns, die Lie­gen­schaft zum Schat­zungs­preis zu kau­fen. Auf dem frei­en Markt wä­re das Berg­haus we­sent­lich teu­rer.» Zu­dem sei un­ter­des­sen der Pas­sus, dass das Berg­haus ein Re­stau­rant blei­ben müs­se, in den Ver­kaufs­be­din­gun­gen der Ar­ma­su­is­se ge­stri­chen wor­den, sagt Bür­ki. Um das Berg­haus als sol­ches zu er­hal­ten, müs­se die Ge­mein­de das Haus kau­fen. Iseli ent­geg­net: «Falls es ei­ne Op­ti­on wä­re, könn­te ich an­stel­le der Ber­na­park AG der Ge­mein­de das Berg­haus ab­kau­fen.» Bür­ki über­legt und sagt: «Das wä­re mög­lich. Aber es müss­te zu den glei­chen Be­din­gun­gen sein, die wir beim Ver­kauf an die Ber­na­park an­wen­den wür­den.»

Die Frei­luft­kü­che

Ei­ne gros­se Rös­tip­fan­ne hat der lang­jäh­ri­ge Wirt des Ber­ner Re­stau­rants Fi­scher­mät­te­li be­reits ge­kauft. Er will nicht mehr in der Stadt wir­ten, son­dern auf dem Land oder in den Ber­gen. Er möch­te auf der Ter­ras­se des Gur­n­igel-Berg­hau­ses Rös­ti und Brat­würs­te bra­ten, draus­sen Fon­due und Risot­to ko­chen – un­kom­pli­ziert und rus­ti­kal. Und für die, wel­che nicht im Re­stau­rant es­sen wol­len, gä­be es ei­nen Ki­osk. «Ich mag es ein­fach und bo­den­stän­dig», er­klärt Iseli und zählt auch gleich sei­ne Hob­bys auf: ko­chen, Gäs­te be­wir­ten und Töff fah­ren. «Da wä­re ich ja rich­tig auf dem Gur­n­igel.» Lau­ra Fehl­mann

Fo­tos: Ra­pha­el Mo­ser

Ro­land Iseli er­klärt der Be­völ­ke­rung von Riggisberg, wes­halb er das Gur­n­igel-Berg­haus kau­fen möch­te. Der Gas­tro­nom möch­te un­be­dingt im Berg­ge­biet wir­ten.

Rund hun­dert Per­so­nen hör­ten Ise­lis Aus­füh­run­gen zu.

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