Ro­te Kar­te am «Chil­bi-Eg­ge»

Berner Zeitung (Stadt) - - Region -

Der Kan­ton plant auch im Raum Kie­sen-Ja­berg ver­schie­de­ne Mass­nah­men zum Hoch­was­ser- und Ufer­schutz. Be­son­ders die Neu­ge­stal­tung der Chise-Ein­mün­dung stösst auf gros­se Skep­sis.

Das Pro­jekt Aa­re­was­ser hat der Kan­ton zwar ab­ge­schrie­ben. «Die Pro­ble­me am Fluss­lauf be­ste­hen aber nach wie vor», er­klär­te Pro­jekt­lei­ter Bru­no Ger­ber vom kan­to­na­len Tief­bau­amt an ei­nem In­fo­abend in Kie­sen. Da­her sind nun Mass­nah­men ge­plant.

An der engs­ten Stel­le, wo die Au­to­bahn nur 25 Me­ter vom Fluss weg vor­bei­führt und auch noch ei­ne Was­ser­lei­tung und ein

«Die Pro­ble­me am Fluss­lauf be­ste­hen nach wie vor.»

Bru­no Ger­ber

Wan­der­weg an der Aare ver­lau­fen, soll das Ufer nun mit St­ein­blö­cken und Buh­nen ge­si­chert wer­den. Ge­plant ist dies auf der rech­ten Fluss­sei­te un­ter­halb der Ein­mün­dung der Chise.

Der klei­ne Sei­ten­fluss mün­det heu­te zu­dem ent­ge­gen der Lauf­rich­tung in die Aare. Um die­se Si­tua­ti­on zu ver­bes­sern, wol­len die Ver­ant­wort­li­chen vor der Chise­mün­dung ei­ne Land­zun­ge an­le­gen. Sie wür­de den Was­ser­ver­lauf stär­ker auf das ge­gen­über­lie- gen­de Ufer zu len­ken. Auf die­se Art wür­de das Fluss­bett auf na­tür­li­che Art auf­ge­wei­tet. Wei­ter un­ten wird am lin­ken Ufer ein al­ter Aare­arm re­ak­ti­viert und mit Am­phi­bi­en­wei­hern er­gänzt.

Die­se Plä­ne ga­ben schon am In­fo­abend zu re­den. So fürch­te­te ein di­rekt be­trof­fe­ner An­woh­ner, der «Chil­bi-Eg­ge» an der Chise­mün­dung wer­de durch die Plä­ne des Kantons noch at­trak­ti­ver. Ger­bers Ge­gen­ar­gu­ment, dass mit der Land­zun­ge mehr Platz und so­mit Dis­tanz zu den An­woh­nern ge­schaf­fen wer­de, ver­fing bei den Kri­ti­kern nicht.

Die Lärm- und Ge­ruchs­be­läs­ti­gun­gen der Fei­ern­den sei­en be­reits heut­zu­ta­ge ei­ne Zu­mu­tung, so die Kri­tik an der «Par­ty-In­sel». Wei­ter wur­den Ängs­te ge­äus­sert, dass sich die Chise an der neu­en Land­zun­ge noch stär­ker zu­rück­stau­en wird. Denn: «Wir ha­ben in Kie­sen kein Hoch­was­ser­pro­blem an der Aare, wohl aber ei­nes an der Chise.»

Stimmt der Fahr­plan noch?

Ger­ber be­zif­fer­te die Kos­ten auf 3 bis 6 Mil­lio­nen Fran­ken. Wenn im Rah­men der Ar­bei­ten nur das Ufer ge­si­chert wer­de, müss­ten die Ge­mein­den da­von rund 40 Pro­zent tra­gen, rech­ne­te er vor. Bei wei­ter­ge­hen­den Mass­nah­men wie Re­na­tu­rie­run­gen sin­ke der An­teil mas­siv. Bund und Kan­ton wür­den bis zu 75 Pro­zent über­neh­men, und es sei­en noch wei­te­re Bei­trä­ge zu er­war­ten.

«Wir ha­ben in Kie­sen ei­gent­lich kei­nen gros­sen Be­darf», hat­te Ge­mein­de­prä­si­dent Ernst Wa­ber schon zu Be­ginn kri­tisch an­ge­merkt. In der Kon­sul­ta­tiv­ab­stim­mung am En­de des Abends zeig­ten die An­we­sen­den dem Pro­jekt die Ro­te Kar­te. Vor die­sem Hin­ter­grund ist es frag­lich, ob der Kan­ton sei­nen Fahr­plan ein­hal­ten kann. Die­ser sieht vor, dass nach der Mit­wir­kung bis Herbst ein Vor­pro­jekt er­stellt wird. Nach der Prü­fung durch die Äm­ter sol­len die Plä­ne En­de 2019 auf­ge­legt und 2020 ge­neh­migt wer­den. Theo­re­tisch könn­ten die Bau­ar­bei­ten dann 2021 be­gin­nen. Andre­as Tschopp

Foto: Andre­as Tschopp

Brenn­punkt Chise­mün­dung: Die Land­zun­ge, die hier ge­plant ist, stösst auf hef­ti­ge Kri­tik.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.