Wenn der fal­sche mit dem ech­ten Psy­cho­lo­gen

Berner Zeitung (Stadt) - - Schweiz -

Der fal­sche Psy­cho­lo­ge des Schwei­zer Ge­heim­diens­tes half auch beim Bun­des­amt für Po­li­zei aus.

Der Ret­tungs­sa­ni­tä­ter, der sich oh­ne ent­spre­chen­des Stu­di­um als «Dr. phil. Psy­cho­lo­gie» aus­gab, ist nicht nur seit Jah­ren beim Nach­rich­ten­dienst des Bun­des (NDB) ak­tiv. Der Fa­ke-Psy­cho­lo­ge kam eben­so beim Bun­des­amt für Po­li­zei (Fed­pol) zum Einsatz – wenn auch in deut­lich ge­rin­ge­rem Aus­mass. Ein­mal schul­te der End­vier­zi­ger Po­li­zei­mit­ar­bei­ter, wie das Fed­pol be­stä­tigt. Zu­dem mach­te der fal­sche Psy­cho­lo­ge des Ge­heim­diens­tes mit dem ech­ten Psy­cho­lo­gen der Bun­des­po­li­zei ei­ne In­ter­vi­si­on. Das be- deu­tet: Der an­geb­li­che und der tat­säch­li­che Fach­mann tausch­ten sich über psy­cho­lo­gi­sche Fra­gen aus und un­ter­stütz­ten sich ge­gen­sei­tig.

Das Fed­pol ist so­fort ak­tiv ge­wor­den, nach­dem es von der Sa­che er­fah­ren hat­te. Man wer­de «die wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit mit die­ser Per­son prü­fen», hält es fest. «Wir sind da­von aus­ge­gan­gen, dass er Psy­cho­lo­ge ist.»

Si­cher­heits­prü­fung ab­sol­viert

Die­se Zei­tung hat ver­gan­ge­ne Wo­che pu­blik ge­macht, dass der lang­jäh­ri­ge NDB-An­ge­stell­te über kei­ne Aus­bil­dung ver­fügt, die ihn zum Tra­gen des ge­schütz­ten Psy­cho­lo­gen­ti­tels be­rech­tigt. Der Ge­heim­dienst geht in ei­ner Stel­lung­nah­me da­von aus, dass «er kein di­plo­mier­ter Psy­cho­lo­ge ist». Der NDB stellt nun «er­gän­zen­de Re­cher­chen» an. Be­kannt gibt er, dass der Sa­ni­tä­ter im Jahr 2011 von der Mi­li­tä­ri­schen Si­cher­heit, der Po­li­zei­trup­pe der Ar­mee, zum Ge­heim­dienst ge­stos­sen sei. Er sei ei­ner Per­so­nen­si­cher­heits­prü­fung der höchs­ten Stu­fe un­ter­zo­gen wor­den, und «sei­ne Ar­beit ha­be seit­her nie An­lass für ei­nen Ver­dacht ge­ge­ben».

Ge­heim­nis­trä­ger beim Bund – auch Nach­rich­ten­dienst-An­ge­stell­te – müs­sen sich spä­tes­tens nach fünf Jah­ren er­neut ei­ner Über­prü­fung un­ter­zie­hen. Bei den ob­li­ga­to­ri­schen Checks wird auch das per­sön­li­che Um­feld der Be­trof­fe­nen durch­leuch­tet. Der NDB will sich nicht da­zu äus­sern, ob beim fal­schen Psy­cho­lo­gen die Prü­fung recht­zei­tig ein zwei­tes Mal er­folgt ist. Bei den Per­so­nen­si­cher­heits­prü­fun­gen im Ver­tei­di­gungs­de­par­te­ment gab es län­ge­re Zeit Eng­päs­se, die aber zu­letzt be­ho­ben schei­nen.

Des Falls nimmt sich nun die Ge­schäfts­prü­fungs­de­le­ga­ti­on (GPDel) an. «Sie dür­fen da­von aus­ge­hen, dass ich das an der nächs­ten Sit­zung nach der Ses­si­on the­ma­ti­sie­ren wer­de», sagt Stän­de­rat Clau­de Ja­ni­ak, Prä­si­dent der par­la­men­ta­ri­schen Ge­heim­dienst­auf­sicht. Die GPDel hat­te kürz­lich mit ei­ner ver­tief­ten In­spek­ti­on Män­gel in der Be­schaf­fungs­ab­tei­lung des NDB bei der Ope­ra­ti­on mit dem in Deutsch­land ver­haf­te­ten Agen­ten Daniel Mo­ser of­fen­ge­legt. In der­sel­ben Ab­tei­lung be­leg­te der Sa­ni­tä­ter seit drei Jah­ren die da­mals neu ge­schaf­fe­ne Psy­cho­lo­gen­stel­le. Er be­riet Mit­ar­bei­ter in see­lisch schwie­ri­gen Si­tua­tio­nen, und er steu­er­te an­geb­li­ches psy­cho­lo­gi­sches Fach­wis­sen zur Aus­wahl und Be­treu­ung mensch­li­cher Qu­el­len bei. Zu­dem soll er als Risk-Pro­fi­ler bei der Beur­tei­lung von Stel­len­be­wer­bern ein­ge­setzt wor­den sein.

Schwei­ge­pflicht

Es drän­gen sich nun Fra­gen auf, ins­be­son­de­re zum Be­rufs­ge­heim­nis. Psy­cho­lo­gen un­ter­lie­gen ei­ner Schwei­ge­pflicht, Sa­ni- tä­ter nicht. Konn­ten NDB-Mit­ar­bei­ter, die ih­re Pro­ble­me dem Fa­ke-Psy­cho­lo­gen an­ver­trau­ten, auf Ver­schwie­gen­heit zäh­len? Oder in­for­mier­te er die Chef­eta­ge? Dien­te al­les der Kon­trol­le?

Über die Ein­hal­tung des Be­rufs­ge­heim­nis­ses gab es be­reits Dis­kus­sio­nen, als der NDB die Psy­cho­lo­gen­stel­le im Jahr 2015 schuf. Die GPDel wies Bun­des­rat Ue­li Mau­rer dar­auf hin, dass die Fra­ge der Schwei­ge­pflicht ge­klärt sein müs­se. Auch die in­ter­ne Nach­rich­ten­dienst-Auf­sicht im Ver­tei­di­gungs­de­par­te­ment sei da­mals in die­ser Hin­sicht ak­tiv ge­wor­den, hält GPDel-Prä­si­dent Ja­ni­ak fest. Doch im­mer ging man von ei­nem rich­ti­gen Psy­cho­lo­gen aus. Tho­mas Knell­wolf

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