Pelé und der Mann, der 49 To­re mehr schoss

Berner Zeitung (Stadt) - - Wm 2018 -

Fünf­fa­cher Welt­meis­ter, ein schier un­end­li­ches Re­ser­voir an Welt­klas­se­spie­lern: Das ist Bra­si­li­en. Wir stel­len elf der bes­ten bra­si­lia­ni­schen Spie­ler vor, die es je ge­ge­ben hat.

Es ist ei­ne kniff­li­ge Auf­ga­be, ein Allstar-Team aus der ruhm­rei­chen Ge­schich­te des bra­si­lia­ni­schen Fuss­balls zu­sam­men­zu­stel­len. Die Aus­wahl an gross­ar­ti­gen Spie­lern ist enorm – und na­tür­lich ist ei­ne sol­che Mann­schaft ge­prägt von Mit­glie­dern der Welt­meis­ter­teams 1958, 1962, 1970, 1994 und 2002.

Wie­der­holt war die Tor­hü­ter­po­si­ti­on die Schwach­stel­le Bra­si­li­ens. Mit Gil­mar ge­wann das Land aber im­mer­hin zwei­mal die WM (1958/62). In der Ab­wehr sind die frü­he­ren Welt­stars Car­los Al­ber­to und Nil­ton San­tos ge­setzt. Da­zu kommt Cafú, der als welt­weit ein­zi­ger Fuss­bal­ler drei WM-End­spie­le be­stritt (1994/98/02). Der Rechts­ver­tei­di­ger ist mit 142 Län­der­spie­len auch Re­kord­na­tio­nal­spie­ler.

Kei­ner war bes­ser als er

Im of­fen­siv in­ter­pre­tier­ten 3-43-Sys­tem sind Zi­co und Só­cra­tes die ein­zi­gen Ak­teu­re in un­se­rem Dream-Team, die nie an ei­ner WM tri­um­phier­ten.

Sie zau­ber­ten 1982 und 1986 im Auf­bau der stärks­ten Mann­schaf­ten, die nicht Welt­meis­ter wur­den. Der gross­ar­ti­ge Pelé, für vie­le der bes­te Spie­ler der Ge­schich­te, ist un­be­strit­ten. Er stell­te je­de Men­ge Rekorde auf, als ein­zi­ger Fuss­bal­ler wur­de er drei­mal Welt­meis­ter. Kom­plet­tiert wird das Mit­tel­feld durch Ri­ve­li­no, ei­nen wei­te­ren Aus­nah­me­spie­ler je­ner fan­tas­ti­schen Of­fen­si­ve des bra­si­lia­ni­schen WM-Teams 1970.

Die dunk­le Kind­heit

Den Sturm bil­den Jairz­in­ho, ei­ne wei­te­re Le­gen­de aus die­ser Mann­schaft vor 48 Jah­ren, so­wie der kraft­vol­le Tor­jä­ger Ro­nal­do und Drib­bel­kö­nig Gar­rin­cha, der wohl zweit­bes­te Ak­teur in der Historie des Lan­des. Gar­rin­cha be­geis­ter­te die Zu­schau­er mit spek­ta­ku­lä­ren Ak­tio­nen, aber sei­ne Ge­schich­te steht auch für die vie­len trau­ri­gen Schick­sa­le bra­si­lia­ni­scher Fuss­ball­ido­le. Gar­rin­cha wuchs in bit­te­rer Ar­mut auf, ver­fiel be­reits als Kind dem Al­ko­hol, leis­te­te sich vie­le Skan­da­le und starb 1983 nach ei­nem schwe­ren Le­ben mit 49 Jah­ren.

In ein 23-Mann-Allstar-Ka­der wür­den es in un­se­rer Aus­wahl noch fol­gen­de Spie­ler schaf­fen: Tor­hü­ter Taf­f­a­rel, die Ver­tei­di­ger Djal­ma San­tos, Lúcio, Thia­go Sil­va und Ro­ber­to Car­los, die Mit­tel­feld­spie­ler Fal­cão, Di­di, Ro­nald­in­ho und Ger­son so­wie die An­grei­fer Ney­mar, Romá­rio und Ar­thur «Fried» Frie­den­reich. Die­ser er­ziel­te ge­mäss der Fi­fa in sei­ner Lauf­bahn (1909–1935) of­fi­zi­ell 1329 To­re – und da­mit so­gar 49 mehr als Pelé.

Wer schafft den Sprung?

Ein Blick auf wei­te­re Kan­di­da­ten un­ter­streicht das schier un­end­li­che Re­ser­voir an Welt­klas­se­fuss­bal­lern Bra­si­li­ens: Go­a­lie Jú­lio Cé­sar zum Bei­spiel, dann Da­ni Al­ves und Mar­ce­lo als Ver­tre­ter der vie­len stil­prä­gen­den Aus­sen­ver­tei­di­ger, in der Of­fen­si­ve Ca­re­ca, Kaká, Tos­tão, Ziz­in­ho, Ri­val­do, Be­be­to . . .

In den nächs­ten Jah­ren könn­ten ak­tu­el­le Na­tio­nal­spie­ler oder jun­ge Ta­len­te für Ve­rän­de­run­gen in die­sem Dream­Team sor­gen. Go­a­lie Alis­son, Thia­go Sil­va und Mar­ce­lo sind aus­sichts­rei­che Kan­di­da­ten. Und na­tür­lich Ney­mar, den man pro­blem­los schon heu­te no­mi­nie­ren könn­te – viel­leicht für Ri­ve­li­no, viel­leicht für Jairz­in­ho. Letzt­lich ist das ei­ne net­te Spie­le­rei, in der man in­ten­siv de­bat­tie­ren kann. fdr

Car­los Al­ber­to (1944-2016)

Nil­ton San­tos (1925-2013)

Gar­rin­cha (1933-1983)

Só­cra­tes (1954-2011)

Gil­mar (1930-13)

Jairz­in­ho (73)

Ro­nal­do (41)

Ri­ve­li­no (72)

Cafú (48)

Pelé (77)

Zi­co (65)

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